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Corona-App ab Juni

"Mitte Juni ist ein realistischer Zeitraum", hieß es aus Regierungskreisen. Zunächst solle die App ihre "Kernfunktion" besitzen, mit der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten informiert werden sollen.


Die geplante App zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten soll in etwa fünf bis sechs Wochen fertig sein. "Mitte Juni ist ein realistischer Zeitraum", hieß es am Donnerstag aus Regierungskreisen. Zunächst solle die App lediglich ihre "Kernfunktion" besitzen, mit der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten informiert werden sollen. Die Option zur freiwilligen Weitergabe von Daten an das Robert-Koch-Instituts (RKI) soll demnach später hinzukommen.

Die App sei ein "wichtiges Tool", um Infektionsketten "umfassender zu erkennen" als bisher, hieß es weiter. Bislang müssten sich Corona-Infizierte im Gespräch mit dem Gesundheitsamt an alle Kontaktpersonen erinnern und diese benennen. Dies sei aber beispielsweise nicht möglich, wenn der- oder diejenige in Bus oder Bahn neben Unbekannten gesessen habe.

Die App soll mithilfe der Bluetooth-Technologie aufzeichnen, wann und wie lange sich jemand in der Nähe einer anderen Person aufgehalten hat, die an ihrem Smartphone ebenfalls diese Funktion eingeschaltet hat. Infiziert sich jemand mit dem neuartigen Coronavirus, kann er über die App anonym diejenigen informieren, die sich durch ihre Nähe zu ihm angesteckt haben könnten.

Nach einigem Hin und Her hatte sich die Bundesregierung für eine "dezentrale Software-Architektur" entschieden. Das bedeutet, dass die Daten jeweils nur auf den Nutzerhandys und nicht auf zentralen Server gespeichert werden. Hier sei es auch um einen befürchteten "Glaubwürdigkeits- und Akzeptanzverlust" gegangen, hieß es am Donnerstag aus Regierungskreisen. Eine breite Akzeptanz der App sei sehr wichtig: "Wir bauen darauf, dass möglichst viele mitmachen."

Zugleich sei es wichtig zu verstehen, dass die Anwendung "kein Allheilmittel" sei und auch "kein Freifahrtschein", um Abstands- und Hygieneregeln zu vernachlässigen, hieß es weiter aus Regierungskreisen. Die Identifizierung und Unterbrechung von Infektionsketten sei lediglich der zweite Schritt in der Pandemie-Bekämpfung - der erste sei, überhaupt Ansteckungen zu vermeiden.

Die App soll strengen Vorgaben von Datenschutz und Cybersicherheit genügen, wie es weiter hieß. Es gehe bei der Entwicklung "Sorgfalt vor Zeit".

Wie es aus Kreisen der beteiligten Unternehmen hieß, wird die App nach dem Open-Source-Prinzip programmiert. Das bedeutet, dass der Programmcode der Anwendung öffentlich einsehbar sein wird. Bereits in der kommenden Woche sollen laut den Unternehmenskreisen erste Details auf der Entwicklungsplattform GitHub veröffentlicht werden.  

Die Regierung will, dass die Anwendung mit ähnlichen Apps in anderen europäischen Ländern, insbesondere in Nachbarstaaten, kompatibel sein wird. Diese Frage sei allerdings "sehr komplex und kompliziert", hieß es aus Regierungskreisen.

Herausgeben soll die App, die von SAP und der Deutschen Telekom entwickelt wird, das RKI. Einbezogen sind auch die Fraunhofer-Gesellschaft sowie das Helmholtz-Institut und weitere Bundesbehörden, darunter das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

cne/cha

© Agence France-Presse