15 Punkte to go

Ich müsste jetzt eigentlich lernen, aber verdammt noch mal, noch wichtiger und dringlicher ist der Druck, etwas loszuwerden: “Was geht los da rein?!“


Das von Brigitte Nilson im Jungle-camp geprägte „Wort“, steht für mich derzeit synonym mit dem Irrsinn, der sich grad ob der Bewältigung der Krise gesellschaftlich manifestiert.


Die Uni bzw. das Uni Netz ist abgestürzt. Die Sonne scheint und inmitten von Foucault, Baum, und Aue wird plötzlich die kultivierte Dösigkeit des Bücherstudiums jäh unterbrochen.


Was ist geschehen?

Heute morgen bekam ich einen besorgten Weckruf aus Baden-Württemberg. Eine Mutter, von vier Töchtern war auf der Suche nach einem Ghostwriter für die Klausur ihrer Tochter über den Steppenwolf. Also jenen „intellektuell vergeistigten“ Harry Haller aus der Feder von Hermann Hesse.


Ich sollte also, mit Erlaubnis oder zumindest stummer Zustimmung der des Lehrers ihrer Tochter, die Interpretation für diese schreiben. So eine Gelegenheit über das Home-office zur guten Note, gäbe es nie wieder.


Der Steppenwolf würde uns an dieser Stelle dazu raten, über uns selbst zu lachen, aber dafür ist die Situation meines Erachtens zu ernst. Mir persönlich ist es egal, ob die Geistige Elite so ein unwürdiges Gebaren legitimiert, stillschweigend oder offen, was mich entsetzt, ist die Haltung der Eltern, in diesem Falle der Mutter, deren Tochter mit einer „3+“ (9 Punkte) gar nicht so nicht katastrophal aufgestellt ist, um zu solchen Mitteln greifen zu müssen.


Ich bin und war nie ein klassischer Moralapostel, wenn Schummeln von den von der Tugendinstanz selbst nicht nur goutiert sondern darüber hinaus sogar finanziert wird, dann hat der Betrug seine Würde verloren und die Moral ihre Daseinsberechtigung.


Ich habe das Angebot, obwohl ich wirklich eine finanzielle Spritze gut gebrauchen könnte abgelehnt und der Mutter geraten, die beispielsweise 50 Euro Kosten, die mindestens entstünden, der Tochter zu schenken, wenn Sie die Klausur ohne Hilfe bestreitet (nicht zwingend besteht). Das mag ihren Durchschnitt nicht zwingend steigern, aber das Selbstwertgefühl von Mutter und Tochter.


Es wäre eine souveräne Entscheidung, auf die man stolz sein kann, das kleine „und sie dreht sich doch“ für die Mitglieder einer Familie und vielleicht der Schmetterlingsschlag Vernunft Kants „Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, das kleine Senfkorn Hoffnung, dass Moral keine willkürliche Regel, sondern eine soziale Überzeugung ist, an der schlussendlich eine ganze Gesellschaft genesen kann, oder bei ihrer Missachtung vor die Höllenhunde oder, um im Bild zu bleiben „Wölfe“ geht.


Harry Haller hat diese Gelegenheit, als er in einem „Traum“ seine erste große Liebe gesteht, genutzt,obwohl das viel Überwindung gekostet hat. Unser Auftrag ist, uns nicht vom Hedonismus des geringsten Widerstandes als probates Mittel blenden zu lassen.


Die Not der Krise birgt die Gelegenheit zu wachsen. Aber dafür müssen wir zuvorderst aufhören uns ständig selbst zu belügen.


Ach ja: Das Wort „Person“ stammt vom lateinischen „persona“, was auch als „Maske durch die man sieht“ interpretiert werden könnte. Vielleicht wäre es also ratsam unsere Rolle im Ganzen zu reflektieren, um irgendwann wieder eine Personen sein zu können, für die man sich nicht nur selber schämen muss, sondern die auch in einer sozialen Gemeinschaft als ein konstruktives Mitglied fungieren kann. Die über die eigene Handlung nicht nur Verantwortung für sich übernehmen kann, sondern für die moralischen Ideale einer ganzen Gesellschaft.


Bild: Adolf Muenstermann




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