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Schachweltmeister Kasparow steht nun auf Terrorliste und fühlt sich dadurch geehrt

Wie es aus einer Mitteilung der russischen Finanzaufsichtsbehörde Rosfinmonitoring hervorgeht.

Schach

Die Entscheidung der russischen Behörden, den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow* auf eine Terrorliste zu setzen, hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Kasparow, der mittlerweile im Exil lebt und als führender Oppositioneller gegen den russischen Staatschef Wladimir Putin agiert, wurde auf eine Liste von "Terroristen und Extremisten" gesetzt, wie aus einer Mitteilung der russischen Finanzaufsichtsbehörde Rosfinmonitoring ѡ hervorgeht.

Garri Kasparow, der in der damaligen sowjetischen Republik Aserbaidschan geboren wurde, genießt internationalen Ruf als einer der größten Schachspieler aller Zeiten. Seit seinem Exil in den USA im Jahr 2013 setzt er sich weiterhin vehement gegen die russische Führung und insbesondere gegen deren Militäroffensive in der Ukraine ein.

Kasparow selbst kommentierte seine Aufnahme in die Terrorliste mit scharfen Worten und bezeichnete sie als "eine Ehre, die mehr über Putins faschistisches Regime aussagt, als über mich". Auf seinem Onlinedienst X zitierte er den US-Politiker Barry Goldwater und betonte, dass "Extremismus bei der Verteidigung der Freiheit kein Laster sei und Mäßigung bei der Suche nach Gerechtigkeit keine Tugend".

Bereits 2022 wurde Kasparow in Russland zum "ausländischen Agenten" erklärt, was strenge Auflagen der Behörden nach sich zieht. Viele andere Oppositionelle, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten befinden sich in Russland entweder inhaftiert oder im Exil. Interessanterweise steht Kasparow im starken Kontrast zu seinem einstigen Rivalen, dem Schachgroßmeister Anatoli Karpow, der Putin unterstützt und als Abgeordneter für die Präsidentenpartei Geeintes Russland  ѡ  in der russischen Duma  ѡ  sitzt.

Die Duelle zwischen Kasparow und Karpow in den 1980er Jahren sind legendär und spiegeln nun die politische Spaltung innerhalb der russischen Schachgemeinschaft wider.


Wer ist Garri Kasparow?

Garri Kasparow, dessen vollständiger Name Garri Kimowitsch Kasparow ist, ist ein russischer Schachgroßmeister, Autor und politischer Aktivist. Er wurde am 13. April 1963 in Baku, Aserbaidschan, geboren, das damals Teil der Sowjetunion war. Kasparow gilt als einer der größten Schachspieler aller Zeiten und dominierte die Schachwelt in den 1980er und 1990er Jahren.

Sein Schachtalent zeigte sich früh, und er gewann die sowjetische Meisterschaft im Alter von 17 Jahren. Im Alter von 22 Jahren wurde er im Jahr 1985 der jüngste Schachweltmeister in der Geschichte, als er den Titel von Anatoli Karpow errang.

Kasparows Spielstil war äußerst aggressiv und dynamisch, und er revolutionierte das Schachspiel mit neuen Ideen und Strategien. Seine Duelle gegen andere Großmeister, darunter Karpow, waren legendär und führten zu einigen der spannendsten und dramatischsten Schachpartien der Geschichte.

Neben seiner beeindruckenden Karriere als Schachspieler ist Kasparow auch als Autor und politischer Aktivist bekannt. Nach seinem Rückzug vom professionellen Schach im Jahr 2005 hat er sich zunehmend in politischen Fragen engagiert, insbesondere in Bezug auf die Demokratie und Menschenrechte in Russland. Seine kritische Haltung gegenüber der russischen Regierung und insbesondere gegenüber Präsident Wladimir Putin hat ihm international Anerkennung und auch Kontroversen eingebracht.

Seit seinem Exil in den USA setzt sich Kasparow weiterhin für demokratische Reformen in Russland ein und ist ein scharfer Kritiker von Putins Politik. Er ist auch Autor mehrerer Bücher über Schach und Politik.


Was ist ein Schachgroßmeister?

Ein Schachgroßmeister ist der höchste Titel, den ein Schachspieler erreichen kann. Um diesen Titel zu erhalten, muss ein Spieler bestimmte Leistungsstandards erreichen und bestimmte Anforderungen erfüllen, die vom Welt-Schachverband FIDE (Fédération Internationale des Échecs) festgelegt werden.

Um den Titel eines Schachgroßmeisters zu erhalten, muss ein Spieler:

1. Eine Elo-Zahl von mindestens 2500 erreichen, die eine Messung der Spielstärke im Schach ist. Diese Zahl wird basierend auf den Ergebnissen von Schachpartien berechnet, wobei stärkere Gegner höhere Elo-Punkte wert sind und schwächere Gegner niedrigere Punkte wert sind.

2. Drei sogenannte "Großmeister-Normen" erreichen. Diese werden bei bestimmten Turnieren oder Wettkämpfen erzielt und erfordern eine hohe Leistung gegen andere Großmeister und starke Spieler.

3. Einen Antrag bei der FIDE einreichen und alle erforderlichen Unterlagen vorlegen.

Sobald ein Spieler diese Kriterien erfüllt hat und von der FIDE anerkannt wurde, wird er offiziell als Schachgroßmeister bezeichnet und kann den Titel vor seinem Namen führen. Es ist wichtig anzumerken, dass der Titel des Schachgroßmeisters ein lebenslanger Titel ist und nicht verloren gehen kann, auch wenn die Elo-Zahl eines Spielers unter 2500 fällt.

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