IHK-Nachfolger-Club ebnet den Weg

Ralf Swetlik berichtet von Übernahme des Druckhauses Dülmen

Münster/Dülmen. - Bis auf den letzten Platz ausbucht war gestern (8. Oktober) das 4. IHK-Forum zur Unternehmensnachfolge in Münster: Über 300 Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region waren der Einladung der IHK Nord Westfalen gefolgt und wollten wissen, wie man ein familiengeführtes Unternehmen erfolgreich in jüngere Hände gibt.

Unter anderem berichtete Ralf Swetlik aus Münster über seine Suche nach einem passenden Unternehmen, das er übernehmen konnte. Er hatte dafür Kontakt mit der IHK Nord Westfalen aufgenommen. Michael Meese und Christian Seega betreuen hier seit vielen Jahren den IHK-Nachfolger-Club. Sie prüfen, welcher potenzielle Nachfolger zu welchem Betrieb, der übergeben werden soll, passt. Schon beim ersten Gespräch in der IHK wurde ihm das Druckhaus Dülmen anonymisiert vorgestellt. Danach ging alles recht schnell. Nach einem ersten Kennenlernen mit der Inhaberfamilie und einer halbjährigen Verhandlungszeit konnte Swetlik das Ruder übernehmen. „Diesen Schritt habe ich bis heute keinen Tag bereut“, sagt Swetlik.


Dass so viele Interessenten das Nachfolgeforum besucht haben, ist für die IHK keine Überraschung: „Bis 2029 stehen allein im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region 35.000 Unternehmen mit rund 200.000 Beschäftigten zur Übergabe an“, betonte Sven Wolf, Teamleiter Unternehmensförderung der IHK Nord Westfalen. Fast 40 Prozent der Inhaber sind über 55 Jahre alt, damit steht in den nächsten Jahren ein großer Umwälzungsprozess in der Unternehmerschaft bevor. „Die Herausforderungen durch die Digitalisierung sorgen für zusätzlichen Druck beim Generationenwechsel“, betont Wolf. Denn so manches aktuell noch gut funktionierende Geschäftsmodell könne zukünftig womöglich nicht mehr marktfähig sein. Die starke Resonanz auf die Veranstaltung zeige, „dass sich die Unternehmerinnen und Unternehmer ihrer Verantwortung bewusst sind und die Nachfolge frühzeitig angehen“, freut sich auch Michael Meese, Nachfolgeberater bei der IHK, denn Nichtstun sei der größte Fehler bei diesem Thema.


Warum bei der Unternehmensbewertung der Teufel im Detail steckt, stellte Prof. Birgit Felden von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht da. Neben den steuerlichen und rechtlichen Fragestellungen ging es dabei vorwiegend um die Einschätzung der Zukunft. Die Juristin und Diplom-Kauffrau erläuterte, dass es gerade bei der Kaufpreisfindung nur logisch sei, wenn der Unternehmer und sein potenzieller Nachfolger unterschiedliche Ansichten über den Wert des Unternehmens hätten. Die eine Partei verkaufe die unternehmerische Lebensleistung und damit die Vergangenheit, die andere schaue nach vorne und überlege, welche Maßnahmen nötig sind, um den Betrieb erfolgreich weiterzuführen, so Felden. Hierbei spiele es auch keine Rolle, ob das Unternehmen innerhalb der Familie oder an Externe übergeben wird. Einen wichtigen Hinweis hatte Felden noch für die vielen anwesenden Altinhaber: „Der Wert des Unternehmens hat nichts mit der benötigten Altersvorsorge zu tun. Selbst wenn es bei den Überlegungen häufig eine wichtige Rolle spielt.“


Die IHK unterstützt den Nachfolgeprozess mit frühzeitiger Information über eine fachkundige Einzelberatung bis hin zur vertraulichen Vermittlung von potenziellen Nachfolgern. Wie der Übergabeprozess funktioniert, zeigt auch ein Videoclip, der zusammen mit weiteren Informationen auf den Internetseiten der IHK zu finden ist: www.ihk-nw.de/nachfolge


Titelfoto: Informierten über Unternehmensnachfolge: (v.l.) Melanie Baum (Baum Zerspanungstechnik e.K., Marl), Gerold Wenisch (Interdomo GmbH, Emsdetten), Prof. Birgit Felden (Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht), Norbert Steinig (IHK Nord Westfalen) sowie Elena und Ralf Siebelt (Hotel Residenz e.K, Bocholt).

Foto 2 Bei der Übernahme des Druckhauses Dülmen wurde Ralf Swetlik (r.) aus Münster von IHK-Referent Michael Meese unterstützt.

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