Warum es in Frankreich keine Kondome und in Deutschland kein Klopapier mehr gibt

Es nagt, um nicht zu sagen, es geht einem auf die Nerven. Diese Kultivierung eines Zustandes, den man zu gerne richtig durch den Kakao ziehen möchte. Ein kleiner Exkurs in die virenverseuchten Gedanken einer tickenden Zeitbombe.

Ich lag auf dem Bett meiner Mietskaschemme im Nirgendwo der südlichen City und fristete mein Dasein mit und als Nichts, bis mich die Motivation zum Spaziergang überkam und ich ihr folgte.

Mit „Public Enemy“ (das ist eine wirklich „supercoole“ Band aus den 90ern, liebe Kinder, da standet ihr noch als vom Bass dieser Band wabernder Quark im Kühlschrank). Nun gut. Giganten der Klassik im Ohr und leichtes Schuhwerk an den Füßen taumelte mein rundliches Ich wie eine angetrunkene Bowlingkugel durch die gar nicht mehr so menschenleeren Straßen dieser, wie ich sie ab heute nenne: Revoluzermetropole Münster. Hier scheißt man auf die Afd und gute Ratschläge.

Egal, mir ging es gut und den anderen bei diesem Anblick noch schlechter, ich würde gerne schreiben: alles wie immer. Aber diese Mineralwasserkartusche Glück in sich detonieren spürend sog ich jeden Sonnenstrahl in mich auf und selbst das kleinste Grinsen aus meinem Gegenüber. Ich war und bin es satt zu denken, dass es mir scheiße geht. Was nicht gleichzusetzen ist mit: I don´t give a fuck.

Ich genoss und kultivierte die durch eine ruckartige Radikalbremsung eingetretene Veränderung. Schritt nicht zwei Meter an anderen vorbei sondern tanzte fünf um sie herum. War gar nicht so schwer: Ich kaufte vegetarische Pizza und sie Klopapier.

Apropos. Ich stand mit dem üblichen Zeug im freundlich frisch desinfizierten Einkaufswagen an Kasse drei des Supermarktes meines Vertrauens und genoss den Anblick der fleißigen Rockabillylady an der Kasse und sinnierte über den angedeuteten Rat meines Freundes Theo, sich an dem Beispiele Griechenlands zu orientieren, bei Klopapiernot den Waschlappen als Alternative in Betracht zu ziehen. So wurden aus, ich sag mal Taschentücher wieder Klopapier aber ich um eine kleine Erkenntnis reicher, denn plötzlich fiel es mir wie Scheiße unter den Schuh: es ist nicht so, dass der Deutsche keinen Sex mag, oder zu unkreativ für die Idee an sich ist, Geschlechtsverkehr zu haben, im Gegensatz zu Frankreich, wo Kondome der Verkaufsschlager sind, gibt es in Deutschland Youporn premium statt Sex. Was für einen Franzosen wohl keine ernsthafte Alternative darstellt.

Zumindest nicht für den glorifizierten in meinem Kopf, der lieber sterben würde, als die Frau an seiner Seite nicht anbeten zu können. Für mich kommt die latente Lethargie der Franzosen aus dem Vermissen der Liebsten, was er einen Großteil des Tages erleiden muss, während der Deutsche ein Stinkstiefel ist, weil er den ganzen Tag an seine miese Alte zu Hause denkt. Die er jetzt auch noch 24/7 ertragen muss.  

Dem Herrn danke, dem Arbeitszimmer und Tim Berners-Lee für das „world wide web“. In dem es Atemschutzmasken und Klopapier gibt und freeporn regiert.

Dem Franzosen wird es egal sein, auch ob es eine Ausgangssperre geben wird. Er freut sich über noch mehr Zeit mit seiner Geliebten.

Da werd ich glatt ein bisschen neidisch.

Also, nicht zurück schauen sondern: Aufstehen. Korona richten. Weitermachen.

Ihr Ulf Münstermann







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