Unverpackt einkaufen

Geheime Quellen für Mehl & Co.: Münsters Unverpackt-Läden haben auch während der Corona-Pandemie geöffnet

– Das alltägliche Leben ist zurzeit gar nicht mehr so alltäglich. Das zeigt sich unter anderem daran, dass angesichts der Corona-Krise scheinbar viele von uns unter die Bäcker gegangen sind. Problem: Was tun, wenn Rewe, Edeka und Co. die gerade eben erwachte Brotbackleidenschaft (kurzzeitig) nicht befriedigen können, weil es neben Klopapier und Teigwaren nun auch immer häufiger an Mehl fehlt? Die Antwort: unverpackt einkaufen!

Foto: Charlotte von Schwerin

In Münster gibt es mittlerweile verschiedene Anlaufstellen zum nachhaltigen, verpackungsfreien Einkaufen: So ermöglichen beispielsweise der „Einzelhandel - Zum Wohlfüllen“ mit Filialen an der Hammer Straße und im Kreuzviertel sowie der an der Warendorfer Straße gelegene „natürlich unverpackt“-Laden den umweltbewussten Münsteranern ein Einkaufserlebnis, das ganz ohne Einwegverpackungen auskommt.

Auch der SuperBioMarkt bietet in seinen Filialen in den Münster-Arkaden sowie im Kreuzviertel Unverpackt-Theken an.

Foto: Charlotte von Schwerin

Lebensmittel werden vom Kunden selbst in eigens mitgebrachte und vor dem Befüllen im Laden gewogene Schraub- oder Weckgläser, Brotdosen oder Leinenbeutel abgefüllt. An der Kasse wird erneut gewogen und das Leergewicht des Behältnisses abgezogen. Neben Lebensmitteln bieten die Unverpackt-Läden auch eine große Auswahl an Naturkosmetik, nachhaltigen Haushaltsartikeln, Büchern etc. und eignen sich daher ungemein gut zum Stöbern und Staunen über Ideen, die helfen, die Welt ein kleines bisschen zu verbessern.

Aber: bitte mit Abstand und, vorerst, möglichst fix. Denn auch die Unverpackt-Läden haben natürlich Vorkehrungen getroffen in Zeiten der Corona-Pandemie.

Anja Minhorst, Inhaberin von „natürlich unverpackt“, bittet z.B. durch ein Schild an der Tür darum, einen Sicherheitsabstand zu anderen Kunden zu wahren, was auch bedeutet, dass derzeit nur circa fünf bis sechs Kunden gleichzeitig den Laden betreten dürfen. Ähnliches berichtet Meike Schulzik, die den „Einzelhandel - Zum Wohlfüllen“ leitet. Beide bestätigen zudem, dass das unverpackte Einkaufen generell unter sehr hohen Hygienestandards erfolgt. „Alles wird regelmäßig gereinigt und desinfiziert, nun sind die Zyklen deutlich erhöht worden“, sagt Meike Schulzik. Zudem würden die üblichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, zum Beispiel in Form von Schutzkleidung für Mitarbeiter, Desinfektionsmittel am Eingang, Spuck- und Niesschutz an den Kassen und der Bitte um kontaktloses Bezahlen mit der EC-Karte.

Trotz all dieser Maßnahmen verzeichnen die Läden deutliche Umsatzeinbußen. Dazu kommt, dass die Einkaufspreise für bestimmte Produkte aufgrund der an den Grenzen verlangsamten oder unterbrochenen Lieferketten erheblich steigen. Dies betreffe insbesondere Obst und Gemüse, erklärt Anja Minhorst. Dagegen seien Mehl, Klopapier und Nudeln auf Lager und derzeit auch weiterhin lieferbar.

Dass die Kundschaft wegbleibt liegt, so vermutet sie, auch daran, dass der täglich Weg zur Arbeit wegfällt, auf dem man am Laden vorbeikommen könnte. Und eine vermeidbare Busfahrt nach Feierabend würde dann verständlicherweise nicht unternommen. Auch Meike Schulzik hat Verständnis für das veränderte Einkaufsverhalten: „Die Menschen bleiben, zum Glück, zuhause.“

Dennoch müssen sich die Läden etwas einfallen lassen, um die Krisenzeit wirtschaftlich zu überstehen. Deswegen gibt es inzwischen verschiedene Lieferdienste, die unverpackten Einkauf von zu Hause aus ermöglichen: Das junge Unternehmen Liefergrün nimmt Bestellungen für „natürlich unverpackt“ entgegen und bringt diese in Pfandgläsern mithilfe der Leezenkiepe, einem Lasten E-Bike, zu den Kunden nach Hause. Diese Kooperation sei erst kurz vor Beginn der Corona-Krise angelaufen, nun komme sie aber sehr gelegen und werde gut angenommen, sagt Anja Minhorst.

Und auch der Einzelhandel zum Wohlfüllen verkauft ab sofort eine Auswahl an Produkten über www.bauernbox.com, die dann von den „Leezen Heroes“ direkt nach Hause geliefert werden können. „Der Shop füllt sich nach und nach mit immer mehr Produkten“, verspricht Meike Schulzik. Zusätzlich gebe es auch einen eigenen, täglichen Lieferdienst mit dem Lastenfahrrad. Hierfür können die Kunden ihre Bestellung per Telefon oder E-Mail aufgeben.

Die Unternehmen bemühen sich also, sich an die Gegebenheiten anzupassen und arbeiten eng miteinander zusammen, um die Münsteraner weiter versorgen zu können. Daneben geht es aber eben auch um das eigene Überleben, darum, sich in der Krise über Wasser zu halten.

Gerade die jungen und kleinen Unternehmen benötigen in dieser Zeit Hilfe. Unterstützen kann man sie neben den genannten Optionen auch durch den Erwerb von Gutscheinen für Zeiten, in denen wieder mehr Zeit zum Stöbern ist. Das gilt im Übrigen auch für andere Einzelhändler, die einem am Herzen liegen. Zum Schluss sei, der Vollständigkeit halber, noch auf den offensichtlichsten Grund für das unverpackte Einkaufen hingewiesen: Denn wer sagt eigentlich, dass die Krisenzeit mit der Eindämmung des Corona-Virus vorüber ist?

Wir sollten nicht vergessen, dass wir so gesund wie nur möglich sein können, unsere Erde aber weiterhin unter starkem Fieber leidet. Natürlich verspricht unverpacktes und nachhaltiges Einkaufen auch keine Wunderheilung, es ist aber ein kleiner Schritt Richtung Genesung.

Titelbild: Anja Minhorst



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