COVID-19: Was bringen die Maßnahmen?

RKI kann Wirksamkeit der Maßnahmen gegen Corona noch nicht einschätzen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) kann noch keine Einschätzung geben, ob die zur Ausbreitung des Coronavirus erlassenen Kontaktverbote wirken. "Wir müssen weiter abwarten, um zu sehen, ob die Maßnahmen greifen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Im Moment sei es noch zu früh, um dies einzuschätzen. Derzeit liegen etwa tausend mit dem Coronavirus infizierte Menschen in Deutschland auf einer Intensivstation. 

RKI-Präsident Wieler bekräftigte vorherige Äußerungen, dass Deutschland noch immer am Anfang der Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie stehe. "Es ist noch völlig offen, wie sich diese Epidemie weiter entwickelt", sagte er. Dabei warnte Wieler, dass auch jüngere und gesunde Menschen "sehr schwer" erkranken können - "es können auch Jüngere daran sterben". In manchen sozialen Netzwerken geben sich jüngere unbedarft, weil das Risiko für sie geringer ist - dazu zählt das Feiern sogenannter Corona-Partys.

Nach den RKI-Zahlen gab es bisher 149 offiziell registrierte Todesfälle als Folge einer Coronavirus-Infektion, 35 mehr als am Vortag. Neben der Zahl der Infizierte steige auch die Zahl der Genesenen, diese liege nach den aktuellen Schätzungen bei mindestens 5600. Das Durchschnittsalter der Infizierten liege bei 45 Jahren, das der Verstorbenen bei 81 Jahren.

Das staatliche Institut änderte derweil seine Kriterien, nach denen mögliche Verdachtsfälle auf Covid-19 getestet werden. Das Kriterium, dass Menschen in Risikogebieten gewesen sein müssen, entfalle ab sofort. In solch einer Pandemie ergebe es irgendwann keinen Sinn mehr, nach einzelnen Gebieten zu unterscheiden, sagte Wieler zur Begründung.

Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) befinden sich etwa 3000 bis 4000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen in Deutschland aktuell im Krankenhaus, rund tausend davon sind auf einer Intensivstation.

DKG-Präsident Gerald Gaß sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, er erwarte in den kommenden Tagen eine deutliche Steigerung der Infektionszahlen auf etwa 70.000 registrierte Infektionen in Deutschland. Mit Auswirkungen der Kontaktsperre in Form einer Verlangsamung der Infektionszahlen rechne er erst ab Anfang oder Mitte kommender Woche.

Bei den Infektionsfällen gibt es unterschiedliche Fallzahlen, die in der US-Stadt Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität vermeldet wegen einer fortlaufenden Zählung höhere Zahlen. Wieler sagte, diese Zahlen seien nicht falsch. Die Zahlen des RKI seien aber ähnlich einem amtlichen Ergebnis einer Wahl die offiziellen Zahlen, darin flössen auch weitergehende Informationen etwa zum Alter der Erkrankten ein.

Noch keine nachvollziehbaren Zahlen gibt es bisher zur Dunkelziffer. Um diese zu ermitteln, bereitet das RKI laut Wieler repräsentative Studien vor. Dazu seien Tests notwendig, die auch einen Antikörpernachweis lieferten. Derzeit lägen solche Tests aber nicht vor.

Bisher laufen die Schätzungen, wie viele Menschen in Deutschland oder weltweit sich mit dem Coronavirus ansteckten, weit auseinander. Wieler sagte, es sei "nicht einfach", die Dunkelziffer zu berechnen. Von offizieller Seite gebe es dazu deshalb derzeit keine Angaben, weil keine verlässliche Datengrundlage vorliege. "Sobald wir eine Schätzung dazu haben, werden wir das vermelden."

ran/cfm

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