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Und jährlich grüßt das Murmeltier

Wettermythen auf dem Prüfstand

In den USA wird jedes Jahr am 2. Februar der Murmeltiertag mit Volksfesten gefeiert. Die Tiere werden zum ersten Mal aus ihrem Bau gelockt: Sehen sie ihren Schatten, soll der Winter noch weitere sechs Wochen dauern. Hierzulande wird dem Spektakel kaum Beachtung geschenkt, obwohl eine deutschsprachige Bauernregel dahintersteckt. Anlass genug, um weiteren Wettermythen wie dem Mond als Wetterpropheten oder Flüssen als Wetterscheide auf den Grund zu gehen.  

Zu Plaudereien und Smalltalks gehört das Thema Wetter immer dazu. Betrifft es doch einfach alle und ist in der Regel unverfänglich. Schwierig wird es, wenn es in den Bereich der Vorhersage geht. Wetterprognosen von Laien gehören vermutlich zu den alltäglichsten Weissagungen der Welt. Jedoch werden diese oftmals aus Regeln hergeleitet, die aus dem Reich der Mythen stammen, oder auf rein persönlicher Erfahrung beruhen. Ob damit das Blaue vom Himmel gelogen wird, deckt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline auf. 

Das Murmeltier sagt den Verlauf des Winters vorher

Goldhausen: „Der Murmeltiertag fällt nicht durch Zufall auf den christlichen Feiertag Mariä Lichtmess. Dem wird nämlich - einer Reihe deutschsprachiger Bauernregeln nach - eine besondere Bedeutung im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Winters zugesprochen. Regeln wie zum Beispiel ‚Ist‘s an Lichtmess hell und rein, wird‘s ein langer Winter sein‘ sind aber eher ein Mythos, da das Wetter an einzelnen Tagen nicht aussagekräftig ist. Das bestätigt die Trefferquote der possierlichen Tiere als Wetterpropheten, die laut einer Studie mit 37 Prozent im Bereich des Zufalls liegt.   

Bei Vollmond schlägt das Wetter um

Goldhausen: „Falsch. Der Mond hat keinen Einfluss auf das Wetter, weder seine Schwerkraft noch seine Strahlung. Die Mondphasen Die Mondphasen haben keine Auswirkungen auf das Wetter. Sie ereignen sich überall auf der Welt zum gleichen Zeitpunkt und können demnach gar nicht auf das lokale Wetter einwirken.“ 

Mond mit Hof gibt Regen

Goldhausen: „Stimmt grob, wenn man Halo statt Hof sagen würde, wäre es exakt. Die Regel gibt es auch in der modernen Variante: ‚Hat der Mond einen Hof, wird das Wetter doof‘. Aber eigentlich ist damit nicht ein ‚Hof‘, sondern ein Halo gemeint. Das reimt sich dann leider nicht. Haben Mond oder einen Halo, gibt es meistens Regen. Es ist deshalb wichtig zu unterscheiden, ob ein lichtdurchfluteter Bereich unmittelbar um den Mond, ein Hof, auch Korona genannt, oder aber eine ringförmige Haloerscheinung gemeint ist. Eine Korona unterscheidet sich optisch darin vom Halo, dass sie näher am Mond ist. Bei dieser hält das schöne Wetter an.“ 

Flüsse sind eine Wetterscheide

Goldhausen: Stimmt nicht. Flüsse - auch der Rhein oder die Elbe - stellen keine Wetterscheiden dar. Eine Wetterscheide ist die Grenzlinie, die Gebiete mit unterschiedlichem Wetter trennt. Diese entsteht durch geografische oder geologische Gegebenheiten. Um das Wetter zu beeinflussen, muss die Geografie groß genug sein - besonders in der Höhe. Dementsprechend sind Gebirge Wetterscheiden. Flüsse und Seen hindern kein Wetterphänomen an seiner Ausdehnung - auch Gewitter nicht.  Hat sich ein Gewitter einmal ausgebildet, ist die daran beteiligte Energie so gewaltig, dass auch geringe Temperaturunterschiede zwischen Land und Fluss keinen Einfluss auf die Zugrichtung des Gewitters nehmen.“ 

Abendrot - Gutwetterbot, Morgenrot mit Regen droht

Goldhausen: „Richtig. An diesen beiden Regeln ist etwas dran - zumindest in vielen Fällen! Färbt sich der Himmel abends rot, so ist häufig eine Wetterfront gerade nach Osten abgezogen. Nicht selten stellt sich anschließend zumindest vorübergehend Hochdruckwetter ein. Genau andersherum verhält es sich am Morgen. Ein roter Himmel in den Frühstunden kündigt meist aufziehende Regenwolken an. Diese Wetterregeln stimmen aber längst nicht immer.“ 

Der Hundertjährige Kalender stimmt

Goldhausen: „Falsch. Falls das Wetter mal mit dem Hundertjährigen Kalender übereinstimmt, ist das wirklich reiner Zufall. Der Hundertjährige Kalender wurde im 17. Jahrhundert von dem Abt Mauritius Knauer verfasst. Das Buch sollte eine Wettervorhersage ermöglichen. Es steht in einer Tradition von Bauernkalendern und Lunarkalendern, die bis ins ausgehende Mittelalter reicht. Knauers ‚wissenschaftliche‘ astrologische Grundlage war allerdings auch schon zu seiner Zeit umstritten. Er ging davon aus, dass die zu dieser Zeit bekannten sieben ‚Planeten‘ Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur das Wetter in einer festen Abfolge, jeweils ein Jahr lang von Frühlingsbeginn bis Winterende beeinflussen. Den Planeten wurden dabei jeweils Eigenschaften wie trocken oder kalt zugesprochen. Doch Planeten haben auf das Wetter keinen Einfluss. Treffer in der Vorhersage sind rein zufällig.“


Bildmaterial

Bildunterschrift: Ob Murmeltier, Hahn oder Siebenschläfer – Tiere sind oft Hauptdarsteller in Wettermythen. Doch mangels meteorologischer Grundkenntnisse ist ihre Vorhersagequalität weniger gut. Treffer sind reiner Zufall.

Bildnachweis: Shutterstock