Der Jahresrückblick von Monat zu Monat

Von Januar bis Dezember ein Jahresrückblick 2022

Wiesbaden (ots)

Januar: Wirtschaftsleistung unter Vorkrisenniveau und konjunkturelle Hoffnung

Ein Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,6 % im Jahr 2021 und eine Wirtschaftsleistung noch unter dem Vorkrisenniveau des 4. Quartals 2019. Das ist die Ausgangslage für die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn 2022. Nun soll ein kräftiges Wirtschaftswachstum die Corona-Krise überwinden. Die Hoffnung wird sich nicht erfüllen: Gut einen Monat nach der Vorstellung der ersten Ergebnisse für das BIP 2022 beginnt der russische Angriff auf die Ukraine. Die deutsche Wirtschaft behauptet sich fortan im anhaltend schwierigen Umfeld, das BIP erreicht im 3. Quartal 2022 erstmals das Vorkrisenniveau des 4. Quartals 2019. Doch der erhoffte Wachstumsschub bleibt aus. Wie sich das BIP im Gesamtjahr 2022 entwickelt hat, wird der 13. Januar 2023 zeigen. Dann stellt das Statistische Bundesamt die erste Berechnung für das BIP 2022 vor. Ungeduldige können bis dahin mit dem "Pulsmesser für die Wirtschaft" die Konjunktur in Echtzeit beobachten - das Tool ist im Dashboard Deutschland verfügbar.


Februar: Krieg in der Ukraine - Deutschland nimmt Hunderttausende Geflüchtete auf

Es ist Krieg in Europa. In der Nacht zum 24. Februar 2022 überfällt Russland die Ukraine. Das Schicksal der Ukrainerinnen und Ukrainer bewegt, die Hilfsbereitschaft ist groß. Allein in den ersten beiden Monaten nach Kriegsbeginn nimmt Deutschland knapp 630 000 Menschen aus der Ukraine auf. Bis Ende August sind es über 950 000 Geflüchtete, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Die größte Fluchtwanderung nach Deutschland seit dem Jahr 2015 ist ausschlaggebend dafür, dass hierzulande erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik über 84 Millionen Menschen leben.


März: Vorratskäufe und steigende Kraftstoffpreise

Das "Hamstern" ist zurück. Räumten die Verbraucherinnen und Verbraucher zu Beginn der Corona-Pandemie unter anderem die Toilettenpapier-Regale leer, so konzentriert sich die Sorge um Versorgungsengpässe nach Kriegsbeginn in der Ukraine auf Speiseöl und - eine Parallele zur Corona-Krise - auf Mehl. Zeitweise verdoppelt beziehungsweise verdreifacht sich der Absatz dieser Produkte. Als die Nachfrage nach diesen Nahrungsmitteln wieder etwas nachlässt, steigen die Benzin- und Dieselpreise in der sich verschärfenden Energiekrise. Ein Liter Diesel kostet am 20. März 2022 im Tagesdurchschnitt 2,16 Euro, das sind satte 50 Cent mehr als am 20. Februar 2022.


April: Historisch hohe Inflation infolge der Kriegs- und Krisensituation

Im April zeigt das Statistische Bundesamt, dass die seit Kriegsbeginn in der Ukraine zu beobachtenden Preissteigerungen für Kraftstoffe höher sind als während der beiden Ölkrisen 1973/1974 und 1979/1980 und der Finanzmarktkrise 2008/2009. Getrieben von den Preissteigerungen bei den Energieprodukten, aber zunehmend auch von den anziehenden Preisen für Nahrungsmittel übersteigt die Inflationsrate im April im zweiten Monat in Folge die 7-Prozent-Marke. Eine ähnlich hohe Inflationsrate hatte es zuletzt im Herbst 1981 im früheren Bundesgebiet gegeben, als infolge des Ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran die Mineralölpreise ebenfalls stark gestiegen waren.


Mai: Inventur eines Landes - die Erhebungen für den Zensus 2022 beginnen

Der 15. Mai ist Zensus-Stichtag. In den folgenden Monaten werden für den Zensus 2022 deutschlandweit 5 400 dezentrale Melderegister ausgewertet und etwa 30 Millionen Menschen befragt, um statistische Erkenntnisse über etwa 41 Millionen Haushalte, 20 Millionen Gebäude und 40 Millionen Wohnungen zu gewinnen. Keine andere Erhebung liefert so umfassende Bevölkerungszahlen und Informationen zu Haushalten, Familien und deren Wohnsituation. Der Zensus bietet eine Faktenbasis für wichtige politische Entscheidungen in Deutschland. Die Zensus-Ergebnisse werden Ende des Jahres 2023 veröffentlicht - natürlich digital, offen, kostenfrei und maschinenlesbar.


Juni: Mehr Fahrgäste in Bussen und Bahnen im Zeitraum des 9-Euro-Tickets

Das 9-Euro-Ticket startet. Das subventionierte ÖPNV-Monatsticket ist ein Teil des zweiten Entlastungspakets, das die Folgen der Energiepreiskrise mildern soll. Wenngleich auch der Wegfall von Corona-Maßnahmen einen Fahrgast-Anstieg begünstigt, ist das Plus von 39 % mehr ÖPNV-Fahrgästen im 2. Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auch ein Effekt des ab Juni gültigen Tickets. Im 3. Quartal 2022, in dem das 9-Euro-Angebot im Juli und August gilt, sind in Nahverkehrszügen noch einmal 11 % mehr Fahrgäste unterwegs als im Vorquartal. Eine Sonderauswertung von Mobilfunkdaten zeigt, dass im Zeitraum des 9-Euro-Tickets auch die Zahl der Bahnreisen auf längeren Distanzen ab 30 Kilometern deutlich zunimmt - und nach dem Ende des Angebots abrupt fällt. Die Zahl der Reisen im Straßenverkehr auf diesen Distanzen nimmt derweil übrigens nicht ab, sondern bleibt unter der Woche konstant gegenüber den Vergleichswerten des Jahres 2019.


Juli: Mehr Solarstrom, aber auch mehr Strom aus Kohle und Erdgas im Sommerquartal

Eine außergewöhnlich hohe Zahl an Sonnenstunden und neue Photovoltaikanlagen führen im 3. Quartal 2022 zu einem Anstieg der Stromerzeugung aus Photovoltaik um gut 20 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit erzeugen Solarmodule knapp ein Sechstel des in Deutschland ins Netz eingespeisten Stroms. Immer mehr Unternehmen und private Haushalte setzen auf Solarstrom: Im März 2022 sind auf Dächern und Grundstücken 2,2 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt 58 400 Megawatt installiert. Sowohl die Zahl der Anlagen als auch die installierte Leistung stiegen damit binnen Jahresfrist um rund 10 %. Der Großteil des in Deutschland erzeugten Stroms wird aber auch im sonnenreichen Sommerquartal aus Kohle gewonnen. Kohlestrom macht über ein Drittel der Stromerzeugung aus, und trotz hoher Gaspreise steigt auch die Stromerzeugung aus Erdgas. Der Wegfall dreier Kernkraftwerke zum Jahresende 2021 wird auch durch Kohle- und Gaskraftwerke kompensiert.


August: Inlandstourismus zurück auf Vor-Corona-Niveau

Deutschland ist in den Sommerferien. Nach zwei Jahren pandemiebedingt gebremster Urlaubsfreude und trotz steigender Preise erreicht die Übernachtungszahl in den tourismusrelevanten Unterkünften erstmals in einem Monat wieder das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2019. Mit 58,2 Millionen Gästeübernachtungen verbuchen die Unterkünfte 0,6 % mehr Aufenthalte als im August 2019. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Entwicklung der Übernachtungszahlen auf Campingplätzen. Sie lagen im August 2022 mit 9,3 Millionen um 14,7 % höher als im August 2019. Die Corona-Situation hat den ohnehin vorhandenen Trend zum Camping offenbar noch verstärkt. Wohlgemerkt: Diese Zahlen sagen etwas über den inländischen Tourismus. Von den deutschen Hauptverkehrsflughäfen ins Ausland fliegen im Sommer 2022 mit gut 55 Millionen Fluggästen zwar mehr als doppelt so viele wie im stärker pandemiegeprägten Sommer 2021, aber noch immer knapp ein Viertel weniger als im Vorkrisensommer 2019.


September: Stationärer Einzelhandel kommt nicht an Vorkrisen-Umsatz heran

Während die Anbieter von Tourismus-Unterkünften auf steigende Gästezahlen schauen, beobachten die stationären Einzelhändler in den deutschen Innenstädten nach wie vor deutlich weniger Kundschaft und Umsatz als vor der Corona-Pandemie. Von Januar bis September 2022 machen die stationären Bekleidungsgeschäfte preisbereinigt 11,0 % weniger Umsatz als im gleichen Zeitraum des Vor-Corona-Jahres 2019. Bei Buchläden beträgt das Minus 21,0 %, bei Spielwarenläden 17,5 % und bei Elektronikgeschäften 7,4 %. Wenngleich der gesamte stationäre Einzelhandel von Januar bis September 2022 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 eine leichte Umsatzsteigerung um preisbereinigt 3,0 % verzeichnen kann, fällt dieses Umsatzplus im Vergleich zum boomenden Online- und Versandhandel sehr gering aus: Dort stiegen die Umsätze im selben Zeitraum um mehr als das Zehnfache, nämlich um 31,2 %.


Oktober: Inflation auf Rekordniveau sorgt für Reallohnverluste

Die Inflationsrate erreicht im Oktober mit 10,4 % einen neuen Rekordwert. Die Hauptursachen für die hohen Verbraucherpreise sind nach wie vor die enormen Preissteigerungen bei den Energieprodukten. Aber auch die steigenden Nahrungsmittelpreise sind für die Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich spürbar. Wie sehr die hohe Inflation die Kaufkraft mindert, zeigt der Blick auf die Reallohnentwicklung: Im 3. Quartal 2022 müssen die Beschäftigten einen Reallohnverlust von 5,7 % gegenüber dem Vorjahresquartal hinnehmen, das ist der stärkste Reallohnrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008.


November: Der Winter naht und die Sorge um die Heizkosten steigt

Trotz der noch recht milden Temperaturen wird das Heizen angesichts der hohen Energiepreise immer stärker zum Thema. Einer Vorabauswertung aus der Mikrozensus-Zusatzerhebung zur Wohnsituation mit Daten aus dem 1. Halbjahr 2022 zufolge heizen 71 % der privaten Haushalte in Deutschland nach wie vor mit fossilen Energieträgern. Am weitesten verbreitet sind Gasheizungen: Die Hälfte (51 %) der Haushalte heizt nach eigenen Angaben ihre Wohnungen mit Gas, ein Fünftel (20 %) nutzt Ölheizungen. Mit Maßnahmen wie der sogenannten Dezember-Soforthilfe und der ab März 2023 rückwirkend bis Januar greifenden Strom- und Gaspreisbremse will die Bundesregierung zu erwartende Mehrkosten für Energie abfedern. Wie schwer es vielen Haushalten schon vor Beginn der Energiepreiskrise fiel, ihr Zuhause warmzuhalten, zeigen die Ergebnisse der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen für das Jahr 2021: Demnach konnten damals rund 2,6 Millionen Menschen in Deutschland ihr Haus oder ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht angemessen heizen.


Dezember: Perspektiven für die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2070

Das Jahr 2022 endet mit einem Blick voraus bis ins Jahr 2070. Im Dezember stellt das Statistische Bundesamt in einer Pressekonferenz die Ergebnisse der 15. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung vor. Demnach wird Zahl der Menschen im Rentenalter (ab 67 Jahren) bis Mitte der 2030er Jahre um etwa 4 Millionen auf mindestens 20 Millionen steigen. In den 2040er Jahren wird dann die Zahl der Menschen ab 80 Jahren und damit voraussichtlich auch der Pflegebedarf massiv zunehmen. Zeitgleich wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter in den kommenden 15 Jahren um bis zu 4,8 Millionen Menschen sinken. Wie viele Menschen 2070 in Deutschland leben werden, hängt maßgeblich von der Nettozuwanderung ab. Bei einer niedrigen Nettozuwanderung würde die Bevölkerungszahl von aktuell gut 84 Millionen auf etwa 75 Millionen sinken, bei einem dauerhaft hohen Wanderungssaldo würde sie auf 90 Millionen anwachsen.

Statistisches Bundesamt

Von A wie Außenhandel bis Z wie Zensus: Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat im Jahr 2022 gesellschaftliche Realität in Zahlen gefasst und in rund 700 Pressemitteilungen veröffentlicht.




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