Abstrakte Andacht

LWL-Museum für Kunst und Kultur: Schmerzensmann von Max Imdahl ist Kunstwerk des Monats.

Münster (lwl). Das Gemälde "Schmerzensmann" (1949) von Max Imdahl (1925-1988) ist Kunstwerk des Monats Dezember im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Auf dem Gemälde ist eine knieende, auf einfachste Formen reduzierte armlose Gestalt mit geneigtem Kopf zu sehen.

Die überproportional schmale Figur wird durch das Hochformat betont. Dadurch fällt die Fläche auf: Die in einem intensiven Gelb gehaltene Figur steht im Kontrast mit dem fast schwarzen Hintergrund. Der Titel des Gemäldes macht deutlich, dass die Figur mit dem leidenden Christus assoziiert wird. Denn traditionell ist der sogenannte Schmerzensmann eine Form des Andachtsbildes, auf dem Jesus meist mit den Kreuzigungswunden dargestellt wird.

Durch die Abstraktion als flächige Figur fallen die Wundmale bei Imdahl weg, das Leid wird allein durch die Körperhaltung verdeutlicht. Die Universalität des Leidens Christi wird hier zum Ausdruck einer abstrakten Formensprache.

Max Imdahl studierte Malerei, Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik an der Universität Münster. Er ist als Kunsthistoriker und weniger als Maler bekannt, und war von 1965 bis zu seinem Tod 1988 beim Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum tätig.

Imdahl wurde für das Gemälde Schmerzensmann mehrfach ausgezeichnet, unter anderem im Jahr der Fertigstellung als Drittplatzierter mit dem Blevins-Davis-Preis. Imdahl, so steht es in den Zeitungsberichten jener Zeit, war vor allem von den ausländischen Jurymitgliedern gewählt worden, die die Eigenart, das "Ungewöhnliche" suchten (Der Spiegel, 27. Februar 1950).

Er war mit 24 Jahren, noch Student, der jüngste Preisträger. Der Blevins-Davis-Preis wurde ab 1949, mit dem Ende der amerikanischen Besatzung, von den sogenannten Amerika-Häusern vergeben. Schon ab Dezember 1945 organisierte die amerikanische Besatzungsmacht regelmäßig Ausstellungen zur Gegenwartskunst, da sie insbesondere die abstrakte Malerei als Sinnbild kultureller Freiheit sah. Außerdem diente die Förderung des abstrakten Expressionismus in Deutschland dazu, den Anspruch der USA auf kulturelle Vorherrschaft zu untermauern.

Max Imdahl zählt zu den wichtigsten Verfechtern der modernen Kunst der Nachkriegszeit in Deutschland und teilte auch zu den USA eine Verbundenheit. Er war nicht zuletzt auch von 1966 bis 1968 im Rahmen seiner Tätigkeit als Rat bei der vierten documenta in Kassel für die "Amerikanisierung" der Ausstellung mit verantwortlich: Im Katalog setzte sich Max Imdahl, zusammen mit Jean Leering (1934-2005), Direktor des Van-Abbe-Museums in Eindhoven, mit der Kunst aus den USA auseinander, ohne die europäische Kunst überhaupt nur zu erwähnen. Die 51 Künstler*innen aus Nordamerika nahmen ungefähr ein Drittel der gesamten Ausstellung ein.

Imdahls Schmerzensmann ist seit Erwerb durch die Westfälische Provinzial Versicherung 1996 eine Dauerleihgabe an das LWL-Museum für Kunst und Kultur.


Am Langen Freitag (9.12.) findet um 18.30 und um 19.15 Uhr ein Gespräch zu diesem Kunstwerk mit der Kuratorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall statt. Die Teilnahme kostet zwei Euro, Tickets gibt es im Ticketshop. Für vier Wochen ist das Werk im Foyer des Museums zu sehen.


Das Gemälde Schmerzensmann (1949) von Max Imdahl (1925-1988) ist Kunstwerk des Monats Dezember.

Foto: LWL/Hanna Neander 


LWL-Museum für Kunst und Kultur



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