Thirsty Prost!

Am Mittwochabend feierte das neue Talkformat „Thirsty Talk“ von Sonja Schrapp im ZWANZIG20 Premiere.

Bei „Thirsty Talk“ sollen verschiedene Persönlichkeiten aufeinander treffen. Sonja Schrapp empfängt Gäst*innen die auf ihrer Theke Platz nehmen. Zwei Gäst*innen sind ihr schon bekannt ein weitere*r kommt als Überraschung auf sie zu, und sie muss zeigen wie spontan und schlagfertig sie wirklich ist.

Eine bunte Mischung an Gästen hatte die Gastgeberin für ihr Debüt geladen. Den Münsteraner Sänger und Entertainer Dr. Ring Ding, Rüdiger Schewe-Strahl, einen 12-fachen Vater und „Verzieher“ der Alexianer und als Überraschungsgästinnen Julia Macher und Tara Lipinski vom lokalen Dildo-Startup „Labim“. Die musikalische Begleitung übernahm Frank Konrad an der Gitarre.

Vor ausverkauftem Haus und mit Münsteraner Pflichtholzkreuz „Blue Jesus“ des Künstlers Ben Dixen aus Roxel startete Sonja Schrapp ihre kurzweilige Show. 

Dr. Ring Ding alias Richard Alexander Jung war der erste Gast und sorgte gleich mit einer Gesangseinlage von „Fly me to the Moon“, für eine angenehme Stimmung. Der Sohn aus einer „Mischehe“ deutsch-französischer Eltern, erzählt von dem Beginn seiner Karriere, die er bereits in den 80er Jahren mit der Ska-Band El Bosso und die Ping Pongs als Posaunist und zweiter Frontmann startete. Auch wenn er eher aus einem akademischen Umfeld stammte und nach einem kurzen Studiums Intermezzo sich dann doch ganz der Musik widmete, spürte er immer den Rückhalt seiner Familie. „Wir können dir nicht dabei helfen, aber geh deinen Weg“ so haben ihn seine Eltern motiviert seine Karriere voran zutreiben. Zu Hause im Jazz und Reggae bis Dancehall ist der Musiker breit aufgestellt und begann schon früh mit eigenen Parties im Jovel zu etablieren.

Heute sei es ihm egal wie groß die Stadien sind, die er bespielt, am besten sind immer noch die kleinen Gigs mit 20-50 Leuten, wo es rein um die Musik geht und die Leidenschaft für diese merkt man dem Künstler mit der warmen Stimme auch an.

Weiter erzählt er über die Schwierigkeiten der Corona Pandemie, und die Nachwirkungen, welche auch bis heute noch anhalten. „Man kann diese zwei Jahre nicht einfach an zwei, drei Wochenenden nachholen.“ In der Coronazeit versuchte er sich in Streaming Konzerten aber auch dort hatte er gemerkt, dass es einfach an Feedback fehlt. „Man merkt auch wie das Verhalten der Menschen sich geändert hat. Früher war der Vorverkauf ausschlaggebend dafür wir gut ein Act läuft. Heute durch die Unsicherheit ob Konzerte überhaupt statt finden läuft viel über die Abendkasse.“ Im kommenden März plant der Sänger eine Mexiko Tour.

Das nächste Mal ist Dr. Ring Ding am 6.12. im Kulturbahnhof Hiltrup zu sehen. Tickets gibt es an der Abendkasse. 

v.l. Dr. Ring Ding, Sonja Schrapp, Rüdiger Schewe-Strahl

Der zweite Gast des Abends war Rüdiger Schewe-Strahl, ein Alexianer-Urgestein. Gerade arbeitet der mehrfache Vater, obwohl das Rentenalter schon überschritten, in einer Gruppe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete der Alexianer. Insgesamt haben sie Betten für 7 Jugendliche inklusive eines Notbettes. Derzeit sind sie mit acht zu betreuenden Geflüchteten voll ausgelastet. Diese werden in der Wohngruppe intensiv betreut. Von der Unterstützung bei Asylverfahren bis hin zur Hilfe beim Spracherwerb, versuchen die Erzieher*innen den Jugendlichen den best möglichen Start in einer neuen Umgebung zu geben. „Auch wenn die Jugendlichen aus den verschiedensten Ländern kommen, bei uns vertragen sie sich und dies liegt auch an den Kolleg*innen die eine tolle Arbeit machen. Diese Arbeit ist ein Herzensjob und auch eine Berufung“, so Schewe-Strahl. Münster biete mit „Refugio“ und der „GGUA“ gute Anlaufstellen für Geflüchtete und auch für die Zusammenarbeit mit den Ämtern hat er ein Lob über. „Früher hatten wir lange Schlangen vor dem Ausländeramt. Das hat sich in letzten Jahren wesentlich verbessert und auch die Kommunikation ist besser geworden“.  

Schewe-Strahl hat selbst zehn Kinder, dazu kommen zwei weitere aus der ersten Ehe seiner Frau. Gemeinsam sind sie eine große Patchworkfamilie und haben auch noch vier Pflegekinder, welche er gemeinsam mit seiner Frau groß gezogen hat.

Auf die Frage wie sich seine Arbeit verbessern könnte antwortet er, dass der Bedarf an Erzieher*innen deutlich zugenommen hat. Das Gesundheitssystem und die Arbeitszeiten müssen sich verbessern. Konkret bei den Alexianern sieht er einige Fortschritte wie Kitas und auch eine Haustierbetreuung. Das Gesamtbild auf die Arbeit hat sich seit seiner Anfangszeit deutlich gewandelt. „Menschlichkeit hat Einzug genommen“.

Nach einer kurzen Bingo-Werbepause, in welcher auch das Publikum die Chance auf einen Presentkorb mit lokalen Goodies von Hombeis zu gewinnen hatte, gab es auch eine Überraschung für die Gastgeberin:   

v.l. Sonja Schrapp mit den Gründerinnen Julia Macher und Tara Lipinski

Die beiden Dildo-Start up Gründerinnen Julia Macher und Tara Lipinski von „Labim“ nahmen auf der Theke platz. Nach einer Tischlerausbildung haben die beiden Design studiert und mit der Intention Sexspielzeuge von der Sockenschublade auf das Regal zu bringen 2021 ihr Unternehmen gegründet. Für die beiden waren Sexspielzeuge einfach zu groß und zu bunt, daher die Idee es mal etwas anders zu denken. Sexspielzeuge haben sie vorher nicht besessen. Ihre Dildos werden in Handarbeit in Bayern gefertigt. Sie waren ganz aufgeregt, als sie ihre unkonventionelle Idee an die Porzellanmanufakturen brachten. „Porzellan liegt in der Härte gleich hinter Diamant und kann sowohl kalt als auch warm schön sein. Unsere Dildos können ganz viel, auch ohne Batterien“. Jetzt haben sie einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt, wo sie ihre Produkte vertreiben werden, und ab dem 03.12. sind sie auch auf dem Wochenmarkt anzutreffen.

Der Abend endet mit einem letzten Lied von Dr. Ring Ding. „We’ll meet again“ gemeinsam mit dem Publikum.

Sonja Schrapp führte authentisch und humorvoll durch einen tollen Abend und war auch selbst sehr glücklich mit dem Verlauf. „Ich fand es toll, dass sowohl gelacht wurde als, dass es auch leise Momente gab.“, so die Moderatorin des Abends. Die Idee zu der Show hatte sie schon während der Pandemie. „An das Feedback mit Publikum muss ich mich jetzt erstmal wieder gewöhnen. Ich möchte Leute zusammen bringen und verschiedenen Persönlichkeiten einen Raum geben.“ Dazu darf auch eine ernste Atmosphäre entstehen, und es werden auch in Zukunft nicht immer Musiker*innen dabei sein.

Mitveranstalter, Jonas Heeke, Gründer von Liba Getränke, Homebeis und Miteigentümer des ZWANZIG20 war auch „hart positiv überrascht“. Kennengelernt haben Jonas und Sonja sich auf der Titus Dittmann Skate Aide Matinee und waren sich sofort sicher, dass sie gemeinsam etwas aufziehen möchten. „Sonja ist einfach eine tolle Person und kann Leute für sich einnehmen“, so der Mitorganisator.

Der nächste „Thirsty Talk“ findet am 16.03. statt, der genaue Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben. Die Gäst*innen des Abends werden Image- und Stilberaterin Carola Nannten und Felix Adrian Schäper, Vorstand von Trans*-Inter*-Münster e.V., sowie Mentor und Begleiter von Malte C. welcher den Folgen eines queerfeindlichen Angriffs am CSD erlag und ein weiterer Überraschungsgast sein.

Tickets gibts im ZWANZIG20, im Homebeis oder bei Sonja Schrapp.


Text und Fotos: Fabian Ollmert



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