Ex iniuria ius non oritur!

Das Kammerspiel der Eingeschlossenen Gesellschaft feierte Weltpremiere im Wolfgang Borchert Theater.

Dass die Hölle die anderen sind wird deutlich, wenn sie auf engstem Raum ohne Fluchtmöglichkeiten festsitzen und sich unweigerlich mit sich selbst beschäftigen: 

Um kurz vor halb drei klopft es an das Lehrerzimmer. Die meisten Lehrer*innen haben sich schon ins Wochenende verabschiedet und auch die verbliebenen sind auf dem besten Weg in den Feierabend zu starten. In der Tür steht der aufgebrachte Vater eines Schülers (Gregor Eckert). Es ginge um seinen Sohn Fabian (Moritz Eckert), ihm fehle einen Punkt für die Zulassung für das Abitur. Das möchte Herr Prohaska nicht hinnehmen und mit dem Lateinlehrer, Herrn Engelhardt (Meinhard Zanger), über die Notengebung sprechen. 

Als dieser sich weigert erhöht der verzweifelte Vater den Druck auf die anwesenden Lahrer*innen und sieht sich gezwungen den Lehrer*innen eine Konferenz der besonderen Art zu bescheren.


Im Lehrerzimmer treffen die verschiedensten Charaktere aufeinander und es kommen nicht nur Details über die Notengebung zutage, sondern auch die Dynamiken innerhalb  eines Lehrkörpers. Die Lehrer*innenn der alten Garde, Herr Engelhardt und Frau Lohmann (Ivana Langmajer), welchen schon lange keine Nähe mehr zu ihren Schüler*innen haben. Der Vertrauensleherer Holger Arndt (Jürgen Lorenzen), der sich stets versucht mit den Jugendlichen zu identifizieren, dem etwas verschrobenen Chemievogel Herr Amsel, Verzeihung, dem Chemielehrer Herrn Vogel, welcher herausragend von Florian Bender gespielt wird und die jungen Kolleg*innen wie Referendarin Bettina Schuster (Rosina Cleve) und dem Sportlehrer Peter Mertens (Alessandro Scheuerer), wobei letzterer es mit der Nähe, insbesondere zu den Schülerinnen, etwas zu wörtlich nimmt. 


Heraus kommt eine glänzende Komödie, mit überzeichneten Charakteren, welche einen doch an so manchen Lehrer aus der eigenen Schulzeit

erinnern lässt, die Zuschauer oft zum Lachen bringt und trotzdem einiges an Tiefgang hat. 

Die tollen Bühneneffekte und die wunderbar lustigen Schauspieler*innen machen das Stück zu einem Spektakel der besondern Art auf dieser kleinen Bühne.   

Besondere Herausforderung liegt in diesem Kammerspiel in dem reibungslosen Ablauf, insbesondere mit der Technik, denn einige Special Effects mussten punktgenau stattfinden. „Wir sind sehr froh, dass die Technik komplett on point war“, freut sich die Dramaturgin des Theaters Annika Bade, „Einer unserer Techniker kann mit Pyrotechnik umgehen, was uns sehr zu Gute kam bei der Inszenierung.“


Eine weitere Besonderheit ist, dass der Intendant Meinhard Zanger in einer großen Rolle auf der Bühne zu sehen ist und dass die Schauspieler*innen bis auf zwei Ausnahmen keine Abgänge haben, was eine enorme Konzentration, Textsicherheit und Disziplin von den Schauspieler*innen verlangt, was diese bravurös abliefern. 

Annika Bade erzählt dazu, dass es besonders wichtig ist, die Fokusse der einzelnen Figuren auszubalancieren, damit es nicht wuselig und unruhig auf der Bühne wird. 


Und das gelang: Das Premierenpublikum feierte die Produktion mit Standing Ovation. 


Text: Laura Stein & Fabian Ollmert 

Bilder: Wolfgang Borchert Thater 



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