Aktivistinnen fordern WM-Zuschauer zum Skandieren von Mahsa Aminis Namen auf

Sportler solidarisieren sich mit Protestierenden nach Tod der Kurdin im Iran

Mehrere Aktivistinnen haben die Zuschauer bei der anstehenden Fußball-WM in Katar aufgefordert, während der Spiele der iranischen Nationalelf den Namen von Mahsa Amini (Wikipedia) zu skandieren. "Schließt euch uns an, um die Welt daran zu erinnern, was im Iran geschieht, indem ihr Mahsas Namen in der 22. Minute der WM-Spiele ruft", schrieb die Frauenrechtsaktivistin Negin Schiraghaei am Donnerstag im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Die 22. Minute soll demnach in Anspielung auf das Alter der jungen Kurdin gewählt werden.

Die 22-jährige Mahsa Amini war im September im Iran wegen des Verstoßes gegen die Kleiderordnung von der sogenannten Sittenpolizei festgenommen worden und in Polizeigewahrsam gestorben. Aktivisten werfen den Behörden vor, die junge Kurdin misshandelt zu haben. Ihr Tod löste die seit langem heftigsten Proteste im Iran aus.

Masih Alinedschad, eine iranische Aktivistin aus New York, rief die WM-Fans ebenfalls dazu auf, Aminis Namen zu skandieren. "Helfen Sie uns, Mahsa Amini und unseren Kampf gegen dieses brutale Regime zu verewigen", schrieb sie auf Twitter.

Laut der Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights mit Sitz in Oslo wurden seit Beginn der Proteste mindestens 304 Menschen getötet. Die Proteste richteten sich zunächst gegen die restriktiven Kleidervorschriften, entwickelten sich aber rasch zu einer breiten Bewegung gegen die religiöse Führung des Iran. Die Behörden im Iran versuchen, die Protestbewegung als Komplott der USA und ihrer Verbündeten darzustellen.

Zu den Unterstützern der Proteste zählen auch etliche prominente Sportler, darunter der frühere iranische Fußball-Nationalspieler Hossein Manahi (Wikipedia). Er wurde festgenommen, weil er laut staatlichen Medien in Onlinenetzwerken die "Unruhen" unterstützt haben soll.

Auch die iranische Fußball-Nationalmannschaft zeigte sich solidarisch: Wie online zu sehen war, weigerten sich fast alle Spieler, die Nationalhymne zu singen, bevor sie am Donnerstagabend in Teheran ein Freundschaftsspiel gegen Nicaragua bestritten. Ende September trug zudem die gesamte Mannschaft beim Ertönen der Hymne schwarze Kleidung statt der Nationaltrikots - was als Tribut an die bei den Protesten Getöteten angesehen wurde.

Bei der am 20. November in Katar beginnenden Fußball-WM trifft der Iran am 21. November auf England, am 25. November auf Wales und am 29. November auf die USA.

kas/noe



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