Ernst-Hellmut-Vits-Preis an Stefan Kaufmann verliehen

„Die Forschung von Stefan Kaufmann macht es möglich, einen neuen Impfstoffkandidaten gegen Tuberkulose zu entwickeln“, betonte Johannes Wessels.

Für sein Lebenswerk hat der international angesehene Infektionsbiologe Prof. Dr. Stefan Hugo Ernst Kaufmann, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin, jetzt den mit 20.000 Euro dotierten Ernst-Hellmut-Vits-Preis 2022 der Universitätsgesellschaft Münster erhalten. Stefan Kaufmann nahm die Auszeichnung bei einer Feierstunde im münsterschen Schloss entgegen. Seine Wissenschaftskarriere widmet der Infektionsbiologe der Erforschung von übertragbaren Krankheiten. Die Arbeiten reichen dabei von der Grundlagenforschung bis zur biomedizinischen Anwendung. Einen besonderen Schwerpunkt setzt er auf eine der weltweit tödlichsten Infektionskrankheiten: 2020 erkrankten zehn Millionen Menschen an Tuberkulose, rund 1,5 Millionen verstarben. Besonders häufig tritt die Krankheit in Ländern mit niedrigem Einkommen auf.

Der Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, Prof. Dr. Johannes Wessels, und Dr. Paul-Josef Patt, Vorstandsvorsitzender der Universitätsgesellschaft Münster, würdigten den Preisträger. „Die Forschung von Stefan Kaufmann macht es möglich, einen neuen Impfstoffkandidaten gegen Tuberkulose zu entwickeln“, betonte Johannes Wessels. Als wissenschaftlicher Koordinator und Mitglied des Kuratoriums der Lindau-Nobelpreisträgerstiftung habe er sich darüber hinaus dafür eingesetzt, Kontakte zwischen jungen Wissenschaftlern aus aller Welt und Nobelpreisträgern zu intensivieren. „Sie stellen die Basis für weitergehende Entwicklungsarbeiten zur Therapie gegen Infektionskrankheiten dar“, unterstrich Paul-Josef Patt. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Ulrich Schaible, Direktor des Lungen-Forschungszentrums der Leibniz-Gemeinschaft. Chan Ching-Yi und Berfin Karagüzel, Studierende der Musikhochschule, bereicherten die Preisverleihung mit Kammermusik für Cello und Klavier.


Zur Person

Der Forschung von Stefan Kaufmann verdankt die Wissenschaft Erkenntnisse zu T-Zellreaktionen bei der Immunität gegen intrazelluläre Bakterien, zur Funktion der angeborenen Immunantwort, zur Biologie der Tuberkulose und darauf aufbauend die Entwicklung von Impfstoffen. Er zählt zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlern. Stefan Kaufmann initiierte ein interdisziplinäres internationales Konsortium in Afrika, das zentrale Erkenntnisse zum Verlauf der Tuberkulose gewonnen und die Ausbildung afrikanischer Studierender gefördert hat. Der Preisträger setzt sich intensiv für eine gerechtere globale Impfstoffverteilung ein. Stefan Kaufmann, Jahrgang 1948, studierte Biologie an der Universität Mainz, promovierte dort 1977 und habilitierte sich vier Jahre später an der Freien Universität Berlin. Danach forschte er von 1982 bis 1987 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg und wurde 1987 Professor für Medizinische Mikrobiologie und

Immunologie an der Universität Ulm, wo er bis 1998 als Ordinarius den Lehrstuhl für Immunologie innehatte. 1993 kehrte Stefan Kaufmann zur Max-Planck-Gesellschaft zurück – mit dem Auftrag, in Berlin das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie zu gründen. Dort leitete er bis zu seiner Emeritierung 2019 die Abteilung Immunologie. Sowohl als Emeritus-Direktor am Berliner Institut und am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie ist er weiter wissenschaftlich aktiv. Honorar- und Gastprofessuren führten ihn an die Charité – Universitätsmedizin Berlin, an die Tongji University im chinesischen Shanghai, an die Universidad Peruana Cayetano Heredia in Lima und an das Union Medical College in Beijing. Stefan Kaufmann erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Marseille und ist Fellow des Royal College of Physicians of Edinburgh.


Der Ernst-Hellmut-Vits-Preis

Der Ernst-Hellmut-Vits-Preis ist mit 20.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung der Universitätsgesellschaft Münster. Mit dem Preis würdigt sie seit 1968 hervorragende wissenschaftliche Beiträge zur geistigen und materiellen Verbesserung des Lebens. Er wird in zweijährigem Turnus verliehen, im Wechsel für Beiträge aus den Naturwissenschaften und Medizin sowie aus den Geisteswissenschaften. Preisträger waren bisher unter anderem Martin Hellwig, François Diederich, Dietmar Willoweit, Stefan W. Hell, Renate Mayntz, Wolf Singer, Günther Patzig, Otto D. Creutzfeld, Carl Friederich von Weizsäcker und Alfred Müller-Armack. Benannt ist die Auszeichnung nach Ernst Hellmut Vits, dem langjährigen Vorsitzenden der Universitätsgesellschaft Münster e. V..


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