Die Corona-Rentner haben debattiert

Biden und Sanders attackieren bei TV-Duell Trumps Corona-Krisenmanagement

Die US-Präsidentschaftsbewerber Joe Biden und Bernie Sanders haben in einem TV-Duell das Coronavirus-Krisenmanagement von Präsident Donald Trump attackiert, sich aber auch untereinander harte Wortgefechte geliefert. Beide warfen Trump bei der TV-Debatte der oppositionellen Demokraten am Sonntagabend (Ortszeit) schwere Fehler im Umgang mit der Pandemie vor. Biden versprach, bei einem Wahlsieg eine Frau zur Vizepräsidentin zu machen.

Das erste TV-Duell der beiden Politik-Veteranen kurz vor der nächsten Vorwahlrunde am Dienstag stand ganz im Zeichen der Corona-Krise. Die Debatte wurde wegen des Virus ohne Zuschauer ausgetragen. Der 77-jährige Biden und der 78-jährige Sanders standen knapp zwei Meter voneinander entfernt, um ein mögliches Ansteckungsrisiko zu mindern. Auch begrüßten sie sich anstelle eines Handschlags mit einem Berühren ihrer Ellenbogen.

Sanders sagte über Trumps Umgang mit der Corona-Krise: "Wir müssen diesem Präsidenten jetzt sofort den Mund verbieten, weil er Ärzte und Wissenschaftler untergräbt, die versuchen, den Amerikanern zu helfen.". Es sei inakzeptabel, dass der Präsident "falsche Informationen herausplappert, die die Öffentlichkeit verunsichern".

Der frühere Vizepräsident Biden warf Trump vor, nicht energisch genug gegen die Pandemie vorzugehen. "Wir befinden uns in einem Krieg gegen das Virus", sagte der frühere Vizepräsident. Deswegen müsse "jetzt" die US-Armee eingesetzt werden, um die Pandemie einzudämmen. Es müsse dringend die Zahl der Krankenhausbetten für Schwerkranke erhöht werden.

Dem einstigen Stellvertreter von Präsident Barack Obama gelang es nach Eindruck von Beobachtern in dem Duell besser als Sanders, sich als krisenerprobter Macher zu präsentieren. Sanders wiederum versuchte, seine Forderung nach einer umfassenden Reform des US-Gesundheitssystems mit der Corona-Krise zu untermauern.

In den USA sind in der Corona-Krise die Infektions- und Totenzahlen zuletzt rasch angestiegen. Inzwischen wurden mehr als 3700 Infektionen und 68 Tote gemeldet. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte allerdings deutlich höher liegen: In den USA herrschte lange ein Mangel an Tests. Trump hatte am Freitag den nationalen Notstand ausgerufen und will die Zahl der verfügbaren Tests massiv erhöhen.

Das Krisenmanagement des Präsidenten ist allerdings von vielen Seiten stark kritisiert worden. Ihm wird vorgeworfen, die Gefahr durch das Virus lange kleingeredet zu haben. Trump äußerte sich in der Krise zudem wiederholt irreführend und missverständlich. Sowohl Biden als auch Sanders haben inzwischen eigene Pläne für den Kampf gegen das Coronavirus vorgelegt.

Während sich die Präsidentschaftsbewerber in ihrer Kritik an Trump einig waren, lieferten sie sich bei anderen Themen teils heftige Auseinandersetzungen. Sanders, der in der TV-Debatte gegen Biden punkten musste, warf seinem Rivalen unter anderem vor, sich in der Vergangenheit für Kürzungen bei Sozialleistungen ausgesprochen zu haben. 

Biden wiederum verwarf die Pläne des selbsternannten "demokratischen Sozialisten" Sanders als realitätsfern. Anstelle der von Sanders gewollten "politischen Revolution" wolle er "Probleme jetzt lösen".

In der Debatte versprach Biden zudem, bei einem Wahlsieg eine Frau zur Vizepräsidentin zu machen. Einen Namen nannte er nicht. Es gebe "eine Reihe von Frauen", die qualifiziert für das Amt seien, betonte der Ex-Vizepräsident. Sanders sagte lediglich, er würde "wahrscheinlich" eine Frau aussuchen.

Biden hat nach einer Reihe von Vorwahl-Erfolgen einen deutlichen Vorsprung in der Zahl der  Delegierten, die bei einem Parteitag im Juli den Herausforderer Trumps nominieren sollen. Am Dienstag kann Biden diesen Vorsprung noch ausbauen: Dann wird - trotz des Coronavirus - in den vier Bundesstaaten Arizona, Florida, Illinois und Ohio gewählt. Umfragen sahen Biden vor der Debatte in allen vier Staaten weit vor Sanders.

fs/dja

Fabian Erik Schlüter/ © Agence France-Presse



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