"Freiheit"

Demonstranten im Iran gehen trotz Warnung der Revolutionsgarden auf die Straße

Im Iran haben trotz einer eindringlichen Warnung der Revolutionsgarden erneut im ganzen Land Anti-Regierungsdemonstrationen stattgefunden. Sicherheitskräfte hätten am Sonntag bei einer Versammlung von Studenten in der westlich gelegenen Stadt Sanandadsch Tränengas eingesetzt und aus Schusswaffen gefeuert, teilte die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw mit. Videos zeigten Rauchwolken, während "Freiheit"-Rufe zu hören waren. 

Im Iran gibt es seit sechs Wochen landesweite Proteste, die durch den Tod einer jungen Frau nach ihrer Festnahme durch die sogenannte Sittenpolizei ausgelöst worden waren.

Laut der ebenfalls in Norwegen beheimateten Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) fanden am Sonntag Demonstrationen an mehreren Universitäten statt, unter anderem in der Hauptstadt Teheran, in Masandaran und Maschhad. Demnach riefen die jungen Menschen dabei: "Tod dem Diktator!".

Die Demonstranten setzten sich über eine Warnung des Anführers der mächtigen Revolutionsgarden, Hossein Salami, hinweg. Dieser hatte die Demonstranten gemahnt: "Geht nicht auf die Straße!"

Hengaw veröffentlichte am Sonntag ein Video, in dem Schüsse zu hören sind und ein Mädchen mit einem blutigen, von Schrotkugeln gespickten Arm weint. Die Echtheit der Bilder konnte von der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht bestätigt werden.

Die 22-jährige Mahsa Amini war Mitte September in Teheran von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht den strengen Vorschriften gemäß getragen haben soll. Sie starb wenige Tage nach ihrer Festnahme im Krankenhaus. Aktivisten werfen den Sicherheitskräften vor, die junge Kurdin misshandelt zu haben.

Bei den Protesten sollen laut IHR bisher insgesamt mindestens 160 Demonstranten gestorben sein. Nach Zählungen von AFP wurden zudem 28 Mitglieder Sicherheitskräfte ums Leben. Die Sicherheitskräfte im Iran tun sich trotz ihres rigorosen Vorgehens schwer damit, die Proteste einzudämmen. 

ma/dja © Agence France-Presse


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