Die Geister, die ich rief

Fußballer und Fans äußern sich erstmals zur Corona-Krise - und haben Erfolg.


Nach den Bildern aus Paris hatte man wieder allerlei Grund zum Zweifeln, am berüchtigten Menschenverstand.

Die Championsleague Partie zwischen dem PSG und Dortmund wurde zum Geisterspiel erklärt, um das Coronavirus einzudämmen.

Trotzdem oder gerade deshalb haben sich tausende Pariser Fans vor dem Stadion getroffen und ihren Verein angefeuert. Das ist für den nicht-Fußballfan natürlich wieder ein Zeichen dafür, dass Fußballfans nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind, macht aus deren Sicht aber durchaus Sinn. Denn am Ende ist der Fan wichtig für das Weiterkommen in der Championsleague – was ja schlussendlich auch gelang.

Aber genug advocatus diaboli gespielt, natürlich ist das Unverantwortlich und ein Geisterspiel sollte ein Geisterspiel sein und die Fans sollten ganz zu Hause bleiben. Das ist aber eben leichter gesagt als getan. Deshalb kann die Verantwortung nur am Verband liegen. In diesem Fall der UEFA, im Falle Deutschlands bei der DFL und DFB.

Folgerichtig haben nun die Fans selber an die jeweiligen Verbände ihre Forderungen gestellt. Denn nochmals, es ist die Logik des Fußballs, dass du als Fan irgendwie zu dem Spiel musst, sonst macht es die andere Seite und hat einen Vorteil.

So haben die organisierten Fangruppen mit Fassungslosigkeit auf die Entscheidung der DFL regiert, den 26. Spieltag durchzuzieren. Man unterstellte der Liga, es ginge nur ums Geld und nicht um die Gesundheit der Spieler.

Diese haben sich mittlerweile mit ähnlichen Bedenken zu Wort gemeldet, wie beispielsweise Bayerns Thiago über Twitter.

Ebenso warnte der Vorstand der Fan-Interessengemeinschaft Rainer Vollmer vor dem Resultat, dass die Fans das Spiel dann sowie zusammen in den Kneipen schauen würden. Die Vereine hatten indes auf ein Fernbleiben von den Stadien plädiert.

Wir sehen also, das anderesrum ein Schuh draus wird: nicht die Fußballfans sind unverantwortlich, sondern die Verbände, weil sie genau diese Logik des Sports kennen sollten.

Geisterspiele sind also per definitionem keine Lösung für das Problem. Es geht nicht um die Geister, sondern um die Spiele ansich.

So wird der DFB auch über Landerspiele, so wie das der Frauen am 11. April in Münster nachdenken müssen.

Die Initiative der Spieler und der Fans zeigte sich dann offenbar als erfolgreich, denn am späten Nachmittag gab die DFL bekannt, den Spielbetrieb vorerst einzustellen. Der komplette 26. Spieltag der 1. und 2. Liga soll somit auf unbekannte Zeit verlegt werden.

Grund hierfür waren in erster Linie die Spieler, aber wie wir gesehen haben, sind es eigentlich die Fans, die das größere Risiko tragen. Schon alleine deshalb, weil Spitzensportler gar nicht zur Risikogruppe gehören. Was nicht heißt, dass sie nicht als Träger fungieren können.

Somit ist seit dem 2. Weltkrieg der Ligabetrieb erstmals unterbrochen.

Ab dem 2. April soll es wieder weitergehen, aber sicher kann sich darüber keiner sein. Der 26. und 27. Spieltag jedenfalls fallen aus.

Dies war Grund genug für den BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von der größten Krise des Fußballs zu sprechen. Anders als andere gesellschaftliche Institutionen, wie etwa das WBT Theater, sind aber die meisten Vereine wohl nicht in ihrer Existenz Bedroht.

Für Finanzen interessiert sich auch ein anderer. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge begrüßte den Beschluss der DFL. Weder für die Bundesliga, noch für die ausgesetzte Champions League sieht Rummenigge konkrete Daten des Anpfiffs voraus. Zudem fordert er die FIFA und UEFA dazu auf, Länderspiele abzusagen. Deutschland würde gegen Spanien (26. März) und Italien (31. März) spielen. Die Risiken von Reisen sind offensichtlich.

Alle Spiele komplett zu verschieben ist die richtige Entscheidung – für alle Beteiligten.



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