Massive russische Vergeltungsangriffe

Die groß angelegte russische Angriffsserie auf ukrainische Städte hat international Empörung hervorgerufen.

UN-Generalsekretär António Guterres (Wikipedia) sprach von einer "weiteren inakzeptablen Eskalation des Krieges", US-Präsident Joe Biden erklärte, die Angriffe zeigten die "äußerste Brutalität" von Wladimir Putins "illegalem Krieg" und versprach Kiew weitere Militärhilfe "einschließlich fortschrittlicher Luftabwehrsysteme". Russland habe die Ukraine als Reaktion auf den Anschlag auf die Krim-Brücke "massiv" mit Raketen beschossen, sagte Kreml-Chef Putin und drohte mit weiteren Vergeltungsaktionen. 

In der Hauptstadt Kiew und im westukrainischen Lwiw schlugen am Montag zum ersten Mal seit Monaten wieder Raketen ein, auch viele andere Städte wurden beschossen. Nach Angaben der ukrainischen Polizei wurden bei den Angriffen mindestens elf Menschen getötet und 89 weitere verletzt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer Videobotschaft, die Angriffe hätten sich vor allem gegen die Energie-Infrastruktur der Ukraine gerichtet. Er warf Russland vor, das ukrainische Energiesystem "zerstören" zu wollen, um "Chaos und Panik" zu verbreiten. Mehrere Regionen meldeten Stromausfälle, unter anderem in Charkiw und Sumy im Nordosten.

Selenskyj versicherte zudem, dass sein Land sich von den Angriffen nicht einschüchtern lasse. "Die Ukraine kann nicht eingeschüchtert werden. Sie kann nur geeinter sein. Die Ukraine kann nicht aufgehalten werden", sagte er am Montagabend in einer Videobotschaft und kündigte an, das Schlachtfeld "noch schmerzhafter" für die russischen Truppen zu machen. 

Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums feuerte Russland insgesamt 83 Raketen ab. 52 dieser Raketen seien von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen worden. Selenskyj sagte, Russland habe bei den Angriffen auch vom Iran hergestellte Drohnen eingesetzt. Nach Angaben der ukrainischen Armee wurden einige dieser Drohnen im Nachbarland Belarus und auf der Krim gestartet.

Putin sprach bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates von Präzisionsangriffen gegen die Energie-, Militär- und Kommunikationsinfrastruktur der Ukraine. Am Montag drohte er für den Fall weiterer ukrainischer Angriffe mit einer harten Reaktion Russlands. "Wenn die Versuche terroristischer Anschläge auf unser Gebiet fortgesetzt werden, werden die Antworten Russlands heftig ausfallen und in ihrem Ausmaß dem Niveau der Bedrohungen entsprechen", sagte er.

Am Samstag war die Brücke vom russischen Festland zu der von Russland annektierten Halbinsel Krim durch eine Bombenexplosion schwer beschädigt worden. Moskau nannte die Explosion einer Lkw-Bombe als Ursache und machte am Sonntagabend den ukrainischen Geheimdienst dafür verantwortlich.

In Telefonaten mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron forderte Selenskyj eine "harte" internationale Reaktion auf die russischen Angriffe und ein Dringlichkeitstreffen der G7-Staaten. Am Dienstag soll eine G7-Videokonferenz mit Selenskyj stattfinden. 

Die EU verurteilte die russischen Angriffe auf das Schärfste. "Dieser wahllose Angriff auf Zivilisten kommt einem Kriegsverbrechen gleich", sagte der Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. UN-Generalsekretär Guterres sei "zutiefst schockiert" über die "groß angelegten Raketenangriffe", erklärte sein Sprecher Stéphane Dujarric. Wie immer bezahle die Zivilbevölkerung "den höchsten Preis". 

Auch US-Präsident Biden prangerte in einer Erklärung an, dass Ziele ohne militärische Bedeutung angegriffen worden seien. Er versprach Selenskyj weitere Militärhilfe "einschließlich fortschrittlicher Luftabwehrsysteme". Biden habe Selenskyj bei einem Telefonat zugesichert, "die Ukraine weiterhin mit allem zu versorgen, was sie für ihre Verteidigung benötigt", erklärte das Weiße Haus in Washington. 

Selenskyj schrieb im Kurzbotschaftenddienst Twitter von einem "produktiven Gespräch" mit Biden. "Die Luftabwehr ist derzeit die oberste Priorität unserer Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich", erklärte der ukrainische Präsident.

In New York befasste sich indes die UN-Vollversammlung in einer Dringlichkeitssitzung mit der Annexion von vier ukrainischen Regionen durch Russland. Dabei wird über einen Entwurf für eine Resolution debattiert, mit der die Annexion von Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja und die dort vorausgegangenen "Referenden" für einen Anschluss an Russland verurteilt werden sollen. Zum Auftakt hatte die Ukraine Russland als "Terrorstaat" gebrandmarkt. Der ukrainische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Serhij Kyslyzja, sagte, die ganze Welt habe "wieder einmal das wahre Gesicht eines Terrorstaates gesehen, der unser Volk tötet".

kbh



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