Medizin-Nobelpreis vergeben

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den schwedischen Evolutionsforscher Svante Pääbo.

Der in Leipzig lebende Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (Wikipedia) erhielt die Auszeichnung für die Entschlüsselung der DNA der Neandertaler und die Begründung der Paläogenetik (Wikipedia), wie das Nobel-Komitee am Montag in Stockholm mitteilte. 

Durch die Enthüllung "der genetischen Unterschiede" zwischen heute lebenden Menschen und ausgestorbenen Vorfahren, "haben seine Entdeckungen die Grundlage für die Erforschung dessen geschaffen, was uns Menschen so einzigartig macht", erklärte die Jury.

Der in Stockholm geborene Pääbo lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Er ist am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig tätig und gilt als Begründer der Paläogenetik, einer Forschungsdisziplin, die sich mit der Analyse genetischer Proben aus Fossilien und prähistorischen Funden befasst.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gratulierte Pääbo zu dem Preis. "Ihre Arbeit zur menschlichen Evolution hat uns sehr viel Wissen über die Entwicklung der Menschheit gebracht", erklärte Kretschmer am Montag. "Am Tag der Deutschen Einheit geht der Nobelpreis an einen schwedischen Wissenschaftler der in Sachsen arbeitet - was für ein Symbol: der Osten Deutschlands ist längst ein Ort internationaler Exzellenz."

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Martin Stratmann sagte über Pääbo: "Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert".

"Die genetischen Unterschiede zwischen Homo sapiens und unseren heute ausgestorbenen nächsten Verwandten waren unbekannt, bis sie durch Pääbos Arbeit identifiziert wurden", begründete das Nobelkomitee seine Entscheidung weiter. Der Neandertaler lebte eine Zeit lang gleichzeitig mit dem frühen Homo sapiens, bevor er vor etwa 30.000 Jahren vollständig ausstarb.

Pääbo stellte im Jahr 2009 fest, dass ein Gentransfer im Umfang von zwei Prozent von inzwischen ausgestorbenen Vorfahren auf den Homo sapiens stattgefunden hat. Dieser habe "heute physiologische Bedeutung, zum Beispiel für die Art und Weise, wie unser Immunsystem auf Infektionen reagiert", erklärte die Jury. 

Pääbo gilt schon länger als Anwärter für den Medizinnobelpreis, wurde in den vergangenen Jahren jedoch nicht mehr als Favorit gehandelt. Sein Vater, Sune Bergström, hatte 1982 ebenfalls den Nobelpreis für Medizin erhalten.

Der 67-jährige Pääbo wird den Preis am 10. Dezember, dem Todestag des Wissenschaftlers Alfred Nobel im Jahr 1896, bei einer Zeremonie in Stockholm überreicht bekommen. Mit der Verkündung der Medizin-Preisträger startete die diesjährige Nobelsaison.

Im vergangenen Jahr ging der Nobelpreis für Medizin an die US-Forscher David Julius und Ardem Patapoutian. Sie erhielten die Auszeichnung für ihre Entdeckungen zu den Rezeptoren für Temperatur und Berührung im menschlichen Körper.

kbh/ju




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