Anstellen für Abschied am Sarg der Queen ausgesetzt

Elizabeth II. war eine Königin der Superlative und auch die Trauer um sie nimmt riesige Dimensionen an

Wegen des enormen Andrangs durften sich am Freitag in London vorerst keine weiteren Trauernden in die Warteschlange stellen, um von der in Westminster Hall aufgebahrten Queen persönlich Abschied zu nehmen. Dies gelte für mindestens sechs Stunden, erklärte die Regierung. Der neue König Charles III. schloss derweil seine Reise durch alle Landesteile mit einem Besuch in Wales (Wikipedia) ab.

In dem Park am Ende der Warteschlange sei kein Platz für weitere Menschen mehr, teilte die Regierung am Freitagvormittag mit. Daher dürften sich mindestens sechs Stunden lang keine weiteren Menschen mehr für einen Blick auf den Sarg der Queen anstellen. Dennoch strömten weiter Menschen zum Ende der Warteschlange.

Elizabeth II. war am Donnerstag vergangener Woche im Alter von 96 Jahren in ihrer schottischen Residenz Balmoral gestorben. Am Dienstag wurde ihr Sarg nach London gebracht, seit Mittwoch ist er in der Westminster Hall in London aufgebahrt. Schon Tage vorher hatte sich eine lange Schlange vor dem Aufbahrungsort gebildet, bis Freitagmorgen wuchs sie auf rund acht Kilometer an. Die Wartezeit betrug damit mindestens 14 Stunden.

Rückhalt erfährt auch der neue britische König. Nach einem konfessionsübergreifenden Gottesdienst mit Charles III. und seiner Frau Camilla (Wikipedia) in der Llandaff-Cathedral (Wikipedia) in der walisischen Hauptstadt Cardiff sangen zahlreiche Menschen die Nationalhymne "God save the King". Charles III. zeigte sich erneut bürgernah und schüttelte zahlreiche Hände.

Im Anschluss standen Treffen mit walisischen Abgeordneten und Regierungschef Mark Drakeford (Wikipedia) auf dem Programm. Im Vorfeld war mit Protesten gegen den neuen König und die Monarchie gerechnet worden.

Regierungschef Drakeford, der bekennender Befürworter einer Republik ist, bemühte sich allerdings, der Kritik nicht viel Raum zu geben. "Ich denke nicht, dass das die Woche ist, in der diese Debatte aufkommen muss, aber die Menschen haben dieses Recht", sagte er der BBC. Am Cardiff Castle hielten beim Eintreffen des Königs ein paar Demonstranten Banner mit Aufschriften wie "Schafft die Monarchie ab" oder "Bürger nicht Untertan" in die Höhe.

Viele Waliser kritisieren, dass Charles kurz nach dem Tod der Queen den Titel Prince und Princess of Wales an seinen ältesten Sohn William und dessen Frau Kate weitergab. Die Kritiker sind der Ansicht, der Titel müsse von Walisern getragen oder abgeschafft werden. In einer Online-Petition sprachen sich bis Freitag mehr als 28.000 Menschen für die komplette Abschaffung des Titels Prince of Wales für den britischen Thronfolger aus.

Nach seinem Besuch in Wales wollte Charles III. am Abend mit seinen drei Geschwistern am Sarg der Queen noch einmal von seiner Mutter Abschied nehmen. Die Totenwache soll den Palast-Planungen zufolge 15 Minuten dauern.

Die Trauerfeier für die Queen, das erste Staatsbegräbnis in Großbritannien seit mehr als 60 Jahren, findet am Montag in der Londoner Westminster Abbey (Wikipedia) statt. Dazu werden rund 2000 Gäste erwartet, darunter hochrangige Mitglieder anderer Königshäuser und Staatsoberhäupter aus aller Welt wie US-Präsident Joe Biden, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der japanische Kaiser Naruhito (Wikipedia).

Der 85 Jahre alte Papst Franziskus lässt sich vom Vatikan-Außenminister Paul Gallagher vertreten, wie der Kirchenstaat am Freitag mitteilte. Die Beisetzung von Elizabeth II. findet am Montagabend im Familienkreis auf Schloss Windsor statt.

Die Trauerfeierlichkeiten werden von einem riesigen Sicherheitsaufgebot begleitet. Für Beunruhigung sorgte am Freitagmorgen ein Messerangriff im Zentrum von London, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden. Einer von ihnen habe "lebensverändernde" Verletzungen erlitten, teilte die Polizei mit. Auch der Angreifer kam ins Krankenhaus. Einen Terrorhintergrund schloss die Polizei aus.


yb/cp

© Agence France-Presse             



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