Russland schlägt zurück

Nach der Rückeroberung großer Gebiete durch die Ukraine hat die russische Armee eigenen Angaben zufolge die ukrainischen Streitkräfte an allen Frontlinien "massiv" bombardiert.

"Die Luft- und Raketen-Streitkräfte sowie die russische Artillerie führen in allen Einsatzgebieten massive Angriffe gegen Einheiten der ukrainischen Streitkräfte aus", teilte das russische Verteidigungsministerium am Dienstag in seinem täglichen Bericht mit. Der Kreml (Wikipedia) beschuldigte Kiew zudem der Misshandlung von Einwohnern der zurückeroberten Gebiete.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow warf den ukrainischen Streitkräfte vor, in den vergangenen Tagen in der Region Charkiw "Folter" und "Misshandlungen" an Einwohnern begangen zu haben. Die Ukraine hatte dort massive Gebietsgewinne gemeldet, russische Truppen sollen Hals über Kopf aus der Region geflüchtet sein. Nach Kreml-Informationen gebe es "viele Strafaktionen gegen die Einwohner der Region Charkiw, Menschen werden gefoltert, misshandelt", sagte Peskow am Dienstag.

Die Anschuldigungen Russlands erfolgten, nachdem ukrainische Behörden am Montag erklärt hatten, in der zurückeroberten östlichen Ortschaft Salisnytschne vier Leichen von Zivilisten mit "Spuren von Folter" gefunden zu haben. Erste Ermittlungen wiesen darauf hin, dass die in Salisnytschne in der Region Charkiw gefundenen Menschen "von russischen Soldaten während der Besetzung des Ortes" getötet worden seien, schrieb die regionale Staatsanwaltschaft am Montag im Online-Netzwerk Facebook.

Ukrainische Streitkräfte hatten Anfang September eine erfolgreiche Gegenoffensive gestartet und die russischen Besatzer offensichtlich überrascht. Vom ukrainischen Militär veröffentlichte Bilder zeigten Kisten mit Munition und militärischem Gerät, die russische Truppen in den zurückeroberten Gebieten zurückgelassen hatten. In der Nähe der zurückeroberten nordöstlichen Stadt Balaklija sahen AFP-Journalisten Beweise für heftige Kämpfe, bei denen Gebäude zerstört wurden.

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj bei ihrer Gegenoffensive seit Anfang September 6000 Quadratkilometer zuvor russisch besetztes Gebiete zurückerobert. Die Soldaten hätten diese Fläche im Süden und im Osten "befreit" und würden "weiter voranschreiten", sagte Selenskyj am Montagabend in einer Videoansprache. 

Die Ukraine hatte in den vergangenen Tagen in der nordöstlichen Region Charkiw unter anderem die Städte Isjum, Kupjansk und Balaklija zurückerobert. Im Süden vermeldete Kiew ebenfalls bedeutende Geländegewinne, die nach Angaben der ukrainische Armee vom Montag 500 Quadratkilometern Fläche entsprachen. 

US-Außenminister Antony Blinken sprach am Montag von "bedeutenden Fortschritten" der Ukraine vor allem im Nordosten des Landes. Die Fortschritte seien vor allem "ein Ergebnis des außerordentlichen Mutes und der Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Streitkräfte und des ukrainischen Volkes", sagte Blinken. 

Es sei aber zu früh, um zu beurteilen, "wohin die Reise gehe". Russland hätte viele Streitkräfte sowie Ausrüstung, Waffen und Munition in der Ukraine, die sie wahllos "nicht nur gegen die ukrainischen Streitkräfte, sondern auch gegen Zivilisten und zivile Infrastruktur" einsetze, fügte Blinken hinzu.  

bur/kbh/cp



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