"Gazo bleibt!"?

Der gemeinnützige Verein Sozialpalast e.V. lädt am 10. September zur Vorstellung seines Nutzungskonzeptes ein.

Der Gasometer am Albersloher Weg in Münster befindet sich aktuell im Besitz der Stadtwerke. Die Stadt hat jedoch keine Verwendung für das Gebäude und nun soll der Gasometer samt Grundstück veräußert werden. Der Verein „sozialpalast e.V.“, der seit März 2021 auf dem Gelände kulturelle Veranstaltungen organisiert, spricht sich für den Erhalt des Gasometers als öffentliches und gemeinschaftlich genutztes Eigentum aus. „Das Gazo ist einzigartig, weil hier Ideen umgesetzt werden“, sagt Wiebke Arntz, Mitglied des sozialpalast e.V. „Viele unterschiedliche Menschen kommen hier zusammen, um kollektive Erfahrungen zu sammeln. Besonders in Pandemiezeiten besteht ein großer Bedarf nach sozialem Miteinander. Wir brauchen Orte, an denen Menschen aus verschiedenen Communities zusammen- und miteinander ins Gespräch kommen können. Die Mitglieder unseres Kollektivs sind zwischen 20 und 50 Jahre alt. Es entstehen Verbindungen, die man nie erwartet hätte. Auch ich habe hier neue Freund*innen gefunden. Der soziale Austausch ist eine große Bereicherung für diesen Ort.“ Matthias Kupke, Mitglied der Falken Münster, betont, dass der Gasometer sozialen Initiativen einen Ort biete, die aufgrund des angespannten Immobilienmarktes keinen Platz fänden. So konnte bereits ein Lernraum für Schüler*innen eingerichtet werden. „Die einzigartige Kulisse lädt dazu ein, gemeinsam über die Mitgestaltung der Stadt von Morgen zu diskutieren“, ergänzt er.

Anna Zobel, Francisca Jahn, Matthias Kupke, Eva Chavand, Wiebke Arntz und Manuel Färber von Sozialpalast e.V., bzw. dem Falken Münster e.V.

Damit der Gasometer weiterhin dem Gemeinwohl zugutekommt, hat der sozialpalast e.V. ein Nutzungskonzept erstellt, das am Tag des offenen Tors am 10. September vorgestellt wird. Die Veranstaltung findet ab 12 Uhr auf dem Gelände des Gasometers statt. Interessierte können bei Führungen über das Gelände mehr zum Gasometer erfahren und in einem offenen Gespräch bei der Gestaltung von Zukunftsideen mitmachen. Ein Thema wird beispielsweise die Weiterentwicklung der Gastronomienutzung sein, um Projekte mit wenig finanziellen Möglichkeiten zu unterstützen. Außerdem besteht die Idee eines Skaterparks.

Wiebke Arntz betont, wie viel Arbeit in dem Projekt steckt: „Unser Kernkollektiv besteht aus etwa 30 Menschen und weitere 40 Menschen helfen ebenfalls mit. Es ist unfassbar, wie viel hier jeden Tag geleistet wird. Es wird ständig die Relevanz einer Zivilgesellschaft betont, aber es findet keine Wertschätzung und Unterstützung unserer Arbeit statt“.

Manuel Färber, ebenfalls Mitglied des sozialpalast e.V. fasst die Bestrebungen des sozialpalastes zusammen: „Ich wünsche mir, dass der Gasometer ein Mahnmal dafür sein wird, dass alle Menschen zur Mitgestaltung der Stadt, in der sie leben, beitragen können – auch wenn sie nicht die finanziellen Mittel dazu haben. Das ist meine Vorstellung von einer lebenswerten Stadt der Zukunft.“

"Am Gasometer finden Leute ein zu Hause, die sonst keins haben"

Über den Gasometer:

Der Gasometer ist ein ehemaliger Erdgasspeicher, der seit 1954 das Stadtbild prägt und 2005 stillgelegt wurde. Seit März 2021 wird das Gelände vom GAZO Kollektiv des sozialpalast e.V. genutzt. Der 2020 gegründete Verein plant, den unter Denkmalschutz stehenden Stahlkessel und sein dazugehöriges Gelände langfristig als Begegnungsort für Kunst, Kultur, Soziales, Bildung und Teilhabe zu sichern. Alleine in diesem Jahr wurden bereits knapp 30 Veranstaltungen organisiert; unter anderem das Kompost-Festival, die Pflanzentauschbörse, das queere Sommerfest von „kunterbunt“ und zahlreiche Konzerte und Theaterveranstaltungen. Außerdem soll am 18. September der Hansaflohmarkt stattfinden, der auf das Gelände angewiesen ist.

Der Gazometer bietet nach Angaben des Vereins eine wichtige Infrastruktur für Veranstaltungen; die besonders jungen Menschen und Angehörigen benachteiligter Gruppen zugutekommen. 

Die Stadt Münster plant den Verkauf als sogenannte „Konzeptvergabe“, bei der Konzepte zur Nutzung und Gestaltung eingereicht werden können, die dann von einer Jury bewertet werden. Ende Oktober wird dafür eine „Gasometerbörse“ veranstaltet. Auch der sozialpalast e.V. entwickelt bereits ein Konzept mit dem Ziel, einen Ort für alle zu schaffen, die sonst keinen Ort haben. Vorgestellt wird das Nutzungskonzept am Tag des offenen Tors am 10. September.

Neben dem Verkauf ist auch eine Sanierung geplant, deren Kosten von beiden Seiten jedoch unterschiedlich eingeschätzt werden. Während die Stadt Münster mit etwa zwei Millionen Euro rechnet, setzt der sozialpalast e.V. einen deutlich niedrigeren Preis von 800.000 Euro an. Er begründet dies damit, dass die zwei Millionen Euro nur bei dem Umbau in einen Büroturm notwendig seien. Für die geplante Nutzung sei in dem Gutachten der günstigere Umbau empfohlen worden. Finanziert werden soll die Sanierung aus Fördermitteln aus Städtebau und Denkmalschutz und ergänzend aus kommunalen Mitteln und Spenden.



Weitere Informationen:

Wer den sozialpalast e.V. beim Erhalt des gazometers als soziokulturellen Raum unterstützen möchte, kann an sich an folgender Petition beteiligen: 

https://www.openpetition.de/petition/online/gazo-bleibt-muenster-fuer-den-erhalt-soziokultureller-raeume

Kontaktdaten des gazometers:

E-Mail: verein@sozialpalast.de

Instagram: @gazometer_ms

Das Gazo ist jeden Samstag geöffnet: Boelckeweg 3, 48155 Münster

Ausführliche Gespräche zu den Nutzungskonzepten des Vereins, sowie Führungen über das Gelände finden am Samstag, den 10.09. statt. 




Text: Paula Fröhlich

Fotos: Laura Stein 



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