Importpreise im Juli 2022 gestiegen

Höchster Anstieg der Exportpreise seit Oktober 1974

Wiesbaden - (ots) - Die Importpreise waren im Juli 2022 um 28,9 % höher als im Juli 2021. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, hat sich der Anstieg somit im dritten Monat in Folge leicht abgeschwächt. Im Juni 2022 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr noch bei +29,9 % gelegen, im Mai 2022 bei +30,6 %. Gegenüber dem Vormonat Juni 2022 stiegen die Importpreise im Juli 2022 um 1,4 %.

Starker Preisanstieg nach wie vor auf Energiepreisentwicklung zurückzuführen

Energieeinfuhren waren im Juli 2022 um 131,7 % teurer als im Juli 2021 und 6,2 % teurer als im Juni 2022. Der hohe Anstieg im Vorjahresvergleich ist weiterhin vor allem durch die starken Preissteigerungen bei importiertem Erdgas begründet. Diese Preise lagen im Juli 2022 mehr als dreimal so hoch wie im Juli 2021 (+223,6 %). Gegenüber Juni 2022 stiegen sie um 20,5 %.

Elektrischer Strom kostete im Juli 2022 fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor (+291,1 %). Allein gegenüber Juni 2022 wurde importierter Strom 41,7 % teurer.

Die Preise für importierte Steinkohle lagen 260,8 % über denen von Juli 2021. Gegenüber Juni 2022 stiegen sie wieder deutlich (+14,4 %), nachdem der Import von Steinkohle im Juni gegenüber Mai 2022 etwas billiger geworden war.

Erheblich teurer als vor einem Jahr waren außerdem Mineralölerzeugnisse mit +83,2 % und Erdöl mit +64,7 %. Jedoch sanken hier die Preise gegenüber dem Vormonat Juni 2022: bei Mineralölerzeugnissen um 8,4 % und bei Erdöl um 5,6 %.

Ohne Berücksichtigung der Energiepreise waren die Importpreise im Juli 2022 um 14,0 % höher als im Juli 2021 und 0,2 % höher als im Juni 2022. Lässt man nur Erdöl und Mineralölerzeugnisse außer Betracht, lag der Importpreisindex um 25,3 % über dem Stand des Vorjahres (+2,5 % gegenüber Juni 2022).

Höhere Preise für Vorleistungsgüter im Vorjahresvergleich vor allem bei Düngemitteln und Stickstoffverbindungen, Metallen und Kunststoffen, Papier und Pappe

Importierte Vorleistungsgüter waren im Juli 2022 um 18,8 % teurer als im Vorjahresmonat (-0,8 % gegenüber Juni 2022).

Importierte Düngemittel und Stickstoffverbindungen waren mit einem Plus von 142,1 % immer noch erheblich teurer als im Juli 2021. Gegenüber dem Vormonat sanken die Preise aber zum dritten Mal in Folge, diesmal um 2,2 %.

Höher als im Juli 2021 waren außerdem vor allem die Importpreise für Rohaluminium (+57,6 %) sowie für Papier und Pappe (+40,6 %). Auch Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (+25,7 %) sowie Kunststoffe in Primärformen (+19,5 %) waren weiterhin erheblich teurer als vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Papier-, Karton- und Pappepreise weiter an (+2,4 %), während Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen um 5,2 %, Kunststoffe in Primärformen um 1,7 % und Rohaluminium um 0,1 % preiswerter importiert wurden.

Die Preise für importierte Investitionsgüter lagen im Juli 2022 um 7,9 % über denen von Juli 2021 (+1,0 % gegenüber Juni 2022). Teurer waren insbesondere Maschinen (+8,6 %) sowie Kraftwagen und Kraftwagenteile (+6,9 %).

Importierte Verbrauchsgüter wurden binnen Jahresfrist 13,1 % teurer, vor allem bedingt durch den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln (+23,8 % gegenüber Juli 2021). Unter anderem lagen die Preise für Milch und Milcherzeugnisse mit +36,4 %, für pflanzliche und tierische Öle und Fette mit +35,3 % sowie für Fleisch und Fleischerzeugnisse mit +23,5 % deutlich über denen von Juli 2021. Im Vormonatsvergleich verteuerten sich die Verbrauchsgüter um 0,9 %.

Importierte Gebrauchsgüter kosteten im Durchschnitt 9,8 % mehr als im Juli 2021 (+1,8 % gegenüber Juni 2022).

Die Preise für importierte landwirtschaftliche Güter lagen 19,4 % über denen von Juli 2021 (-1,8 % gegenüber Juni 2022). Insbesondere Getreide (+46,5 %) und Rohkaffee (+43,1 %) waren weiterhin erheblich teurer als im Vorjahresmonat. Bei Getreide entspannte sich die Lage. Zum zweiten Mal in Folge war im Vormonatsvergleich ein Rückgang zu verzeichnen (-2,7 % gegenüber Juni 2022). Die Kaffeepreise blieben im Vormonatsvergleich weiterhin unverändert.

Die Preise für den Import lebender Schweine waren im Juli 2022 um 19,8 % höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Juni 2022 gingen sie um 1,3 % zurück.

Starke Anstiege bei Vorleistungsgütern und Energieträgern treiben Exportpreise

Der Index der Exportpreise lag im Juli 2022 um 17,0 % über dem Stand von Juli 2021. Eine größere Vorjahresveränderung hatte es zuletzt im Rahmen der ersten Ölkrise (Wiki) gegeben (+18,6 % im Oktober 1974). Im Juni 2022 und im Mai 2022 hatte die Jahresveränderungsrate bei +16,1 % beziehungsweise bei +15,9 % gelegen. Gegenüber dem Vormonat Juni 2022 stiegen die Exportpreise im Durchschnitt um 2,0 %.

Den größten Einfluss auf die Entwicklung der Ausfuhrpreise im Vorjahresvergleich hatte im Juli 2022 die Preisentwicklung der Vorleistungsgüter, die einen Anteil von etwa einem Drittel an den Gesamtausfuhren haben, mit einem Plus von 18,3 % (+0,6 % gegenüber Juni 2022). Hier lagen insbesondere die Preise für Düngemittel und Stickstoffverbindungen (+134,7 %) sowie für Papier und Pappe (+37,9 %) erheblich über denen des Vorjahresmonats. Die hohen Preissteigerungen bei ausgeführten Energieträgern (+173,5 % gegenüber Juli 2021) hatten wegen des geringen Anteils an der Ausfuhr insgesamt einen schwächeren Einfluss auf den Gesamtindex als die Vorleistungsgüter.

Weitere Informationen:

Lange Zeitreihen können unter anderem über die Tabellen Einfuhrpreise (61411-0002 und 61411-0006) und Ausfuhrpreise (61421-0002 und 61421-0006) in der Datenbank GENESIS-Online bezogen werden. Detaillierte Informationen zu den Statistiken der Ein- und Ausfuhrpreise enthält auch die Fachserie 17, Reihe 8.1 und 8.2.

Eine Analyse der Energiepreisentwicklung bis einschließlich Februar 2022 im Vergleich zu den Preisentwicklungen während der beiden Ölkrisen 1973/1974 und 1979/1980 und der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 bietet die Pressemitteilung Nr. 171 vom 20. April 2022.

Die Importpreise sind auch Teil des "Krisenmonitors" (www.destatis.de/krisenmonitor), mit dem das Statistische Bundesamt die Entwicklung wichtiger Konjunkturindikatoren in der Corona-Krise und in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gegenüberstellt. Zudem sind sie neben weiteren Indikatoren zur Einordnung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie auf der Sonderseite "Corona-Statistiken" (www.destatis.de/corona) sowie im Dashboard Deutschland (www.dashboard-deutschland.de) verfügbar. Im Dashboard Deutschland bündelt das Statistische Bundesamt hochaktuelle Indikatoren der amtlichen Statistik und weiterer Datenanbieter zu den Themenbereichen Wirtschaft und Finanzen sowie Gesundheit und Mobilität.

Der Angriff Russlands auf die Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen wirken sich auf viele Bereiche in Gesellschaft und Wirtschaft aus. Auf einer Sonderseite hat das Statistische Bundesamt Daten und Informationen dazu zusammengestellt.

 

Statistisches Bundesamt



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