Russen fordern Freilassung des Tiergartenmörders

Russland will über Häftlingstausch mit USA auch Tiergarten-Mörder freibekommen

Russland hat im Gegenzug für eine Freilassung von zwei inhaftierten US-Bürgern offenbar die Freilassung des wegen des Tiergarten-Mordes in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilten Russen Vadim K. gefordert. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, bestätigte am Freitag im US-Nachrichtensender CNN einen entsprechenden Vorstoß russischer Vertreter.

Er wies die Forderung aber entschieden zurück. "Zwei US-Bürger als Geiseln zu halten im Austausch für einen Mörder in einem Drittstaat ist kein ernsthaftes Gegenangebot", sagte Kirby. "Es handelt sich um einen arglistigen Versuch, einem sehr ernsthaften Angebot und Vorschlag der USA auszuweichen." Russland müsse das US-Angebot ernst nehmen.

Die USA versuchen derzeit, die in Russland inhaftierte Basketball-Profispielerin Brittney Griner und den ebenfalls in dem Land inhaftierten früheren US-Soldaten Paul Whelan freizubekommen. Washington hat Moskau deswegen ein Angebot vorgelegt, das am Freitag auch Thema eines Gesprächs zwischen US-Außenminister Antony Blinken und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow war. 

Medienberichten zufolge beinhaltet der vor Wochen übermittelte Plan der USA einen Austausch der beiden US-Bürger mit dem in den USA inhaftierten russischen Waffenschmuggler Viktor Bout. CNN berichtete dann am Freitag unter Berufung auf informierte Kreise, russische Vertreter hätten über informelle Kanäle von den USA gefordert, im Zuge eines Häftlingstauschs auch Vadim K. freizulassen.

K., der ein Oberst des russischen Geheimdienstes FSB gewesen sein soll, war im Dezember 2021 wegen des sogenannten Tiergarten-Mords zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Berliner Kammergericht sah es als erwiesen an, dass er im August 2019 im Auftrag staatlicher russischer Stellen einen tschetschenischstämmigen Georgier im Kleinen Tiergarten erschossen hatte.

Laut CNN wurde die russische Forderung einer Freilassung des Mannes als problematisch angesehen, vor allem, weil K. seine Haftstrafe in Deutschland absitzt. US-Vertreter hätten sich aber an Deutschland gewandt, um grundsätzlich in Erfahrung zu bringen, ob K. Teil des Tauschgeschäfts werden könnte, berichtete der Nachrichtensender unter Berufung auf einen deutschen Regierungsvertreter. Das sei aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen worden.

Basketball-Star Griner war Mitte Februar am Moskauer Flughafen Scheremetjewo wegen des Besitzes von Cannabisöl festgenommen worden. Ihr drohen wegen Drogenschmuggels bis zu zehn Jahre Haft. Whelan war 2020 wegen Spionagevorwürfen zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

fs/  © Agence France-Presse



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