WM-Höhepunkte und Pleiten

Leichtathletik-WM: Die Highlights der Nacht in Eugene

Höhepunkte, Titel und Sprüche: Der Sport-Informations-Dienst (SID) fasst die Nacht bei der Leichtathletik-WM in Eugene/Oregon (Wikipedia) zusammen.

BRONZE!!! So sehr hatte das deutsche Team die erste Medaille bei diesen bislang doch so versemmelten Meisterschaften herbeigesehnt... Und dann wurden es gleich vier erste Medaillen! Eine famose Frauenstaffel mit Tatjana Pinto, Alexandra Burghardt, Gina Lückenkemper und der großartigen Schlussläuferin Rebekka Haase stürmte über 4x100 m in 42,03 Sekunden hinter den USA (41,14) und Jamaika (41,18) zum Bronze-Coup. "Es ist unglaublich, ich bin unfassbar stolz auf uns alle", sagte Haase. Seit sieben Jahren bilden die Vier den Kern der deutschen Staffel - und im bestmöglichen Moment belohnten sie sich.

...UND BLECH: Die größten Medaillenhoffnungen hatte eigentlich Speerwerfer Julian Weber in den Tag getragen. Doch der landete wie schon bei Olympia auf Platz vier. "Der vierte Platz war das Letzte, was ich wollte. Da hätte ich lieber den fünften genommen", sagte Weber. Anders als in Tokio fehlten ihm diesmal keine 14, sondern 123 Zentimeter zu seiner ersten Medaille. Die Enttäuschung milderte das aber nicht. 86,86 m hatte der 27 Jahre alte Mainzer im ersten Durchgang erzielt, auf Platz zwei gelegen. Danach ging aber nichts mehr. Gold holte wie 2019 Anderson Peters (Grenada/90,54 m).

KAULS PERSPEKTIVEN: Nur marginal schlechter als bei seinem Gold-Coup 2019 ist Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul unterwegs, zudem schied Topfavorit Damian Warner (Kanada) verletzt im 400-m-Lauf zum Ende des ersten Tages aus. Klingt also gut. Allerdings ist Kaul nur 16., bräuchte für eine Medaille einen ähnlichen zweiten Wundertag wie vor drei Jahren. "Ich habe mir heute Nachmittag viel Selbstvertrauen zurückgeholt, was verloren gegangen ist, und da würde ich morgen gerne weitermachen", sagte Kaul im ZDF. Bester Deutscher ist der junge US-Student Leo Neugebauer auf Platz neun. In Führung: Überraschend Ayden Owens-Delerme aus Puerto Rico.

GOLDIGE AUSSICHTEN: Am Sonntag könnte Malaika Mihambo dieser aus deutscher Sicht lange ziemlich rostigen WM noch einen goldenen Anstrich verpassen. In der Qualifikation unterstrich die Titelverteidigerin zumindest, dass sie "ready to rumble" ist, wie es am Schauplatz der Wettbewerbe heißt: Mit 6,84 m übertraf die 28 Jahre alte Heidelbergerin die geforderten 6,75 m bereits im ersten Versuch, ließ dabei noch 17 Zentimeter am Brett liegen. "Alles hat so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte Mihambo: "Ich habe mich sehr gut gefühlt, es war ein guter Wettkampf. Alles ist so, wie es sein sollte. Ich freue mich auf morgen." Die US-Amerikanerin Quanesha Burks flog zwar zwei Zentimeter weiter als die Olympiasiegerin, das aber erst im dritten und letzten Versuch.

14. GOLD? Eigentlich hatte Allyson Felix mit dem Laufen abgeschlossen. Seit Freitag zumindest. Da hatte der erfolgreichste Mensch in der Geschichte von Leichtathletik-Weltmeisterschaften eigentlich sein letztes Rennen bestritten - Bronze hatte es für Felix und die US-Mixed-Staffel gegeben. Nun trat Felix doch noch einmal zum Vorlauf über 4x400 m an, legte mit den USA die beste Zeit hin. Das könnte am Sonntag - egal ob sie läuft oder nicht - die 14. Goldmedaille für Felix werden. Wäre die 36-Jährige ein Land, im "ewigen" WM-Medaillenspiegel würde sie dann auf Platz 15 liegen - noch vor Frankreich (13-mal Gold) oder Italien (12).  

BOTSCHAFT AUS TIGRAY: Sport auf Weltebene ist politisch. Zwangsläufig. Immer. In Eugene sorgte der 5000-m-Sieg der Äthiopierin Gudaf Tsegay dafür, dass ein in der wohlhabenden Welt gerne übersehener Konflikt zum Thema wurde. Tsegay stammt aus der Region Tigray im Norden des Landes. Dort lässt Äthiopiens Staatschef Abiy Ahmed, ein Friedensnobelpreis-Träger übrigens, seit anderthalb Jahren seine Truppen gegen Milizen der abgesetzten Regionalregierung antreten - eine blutige Krise in einer ohnehin gebeutelten Region. In Eugene feierte eine größere Abordnung einerseits mit den Fahnen Tigrays ihre Weltmeisterin, protestierte andererseits mit Plakaten sowie in Form eines schnell überwältigten Flitzers gegen die Repressalien in der Heimat - unter denen auch Sportlerinnen leiden. "Gidey hat seit zwei Jahren nicht mehr mit ihrer Familie gesprochen", stand auf einer Pappe. Letesenbet Gidey, ebenfalls aus Tigray, hatte in Eugene die

10.000 m gewonnen.

WAS NOCH ZU SAGEN WÄRE: "Für mich war das klar." (Die deutsche Startläuferin Tatjana Pinto nach dem Staffel-Bronze)

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