Aller guten Dinge sind drei: Sean Scullys Skulpturen-Trio

Immer wieder schlägt der Künstler Brücken zwischen seiner Biographie und seinen Kunstwerken. Scully, 1945 in Dublin geboren, wuchs mit seiner Familie in einem typischen Arbeiterviertel im Süden Londons auf.


Münster - (lwl) -  Seit zwei Wochen bewundern zahlreiche Besucher im LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster Sean Scullys farbenfrohe Arbeit "Opulent Ascension". Nun kommt ein weiterer Höhepunkt hinzu: Der Stifterkreis des Museums, die Stiftung kunst³, hat die Bronzeplastik "Coin Stack" von Sean Scully erworben und dem Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) als Dauerleihgabe übergeben.

Somit ist aktuell ein Skulpturen-Trio des irisch-amerikanischen Künstlers im Museum zu sehen: "Moor Shadow Stack" vor dem Eingang am Domplatz, "Opulent Ascension" im Foyer und "Coin Stack" in der Sammlung. "Ich freue mich sehr, über die großzügige Dauerleihgabe der Stiftung kunst³. 'Coin Stack' ist ein besonderes Kunstwerk, das die Bindung zwischen Sean Scully und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur bestärkt", so die LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Den Stiftern fiel die Plastik erstmals im Sommer 2019 in der Ausstellung "Sean Scully. Vita Duplex" auf. Bereits im November 2019 votierte eine überragende Mehrheit der Stifterversammlung für die Erwerbung des Werkes. Der Stiftungsvorsitzende Hubertus Foyer: "Bisher haben wir ausschließlich herausragende Ausstellungen des Museums gefördert, wie zum Beispiel ,Das nackte Leben', ,Henry Moore' oder ,Wege des Friedens'. Bei ,Coin Stack' handelt sich um den ersten Ankauf eines Kunstwerkes, das wir dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen."

Foyer führte Gespräche mit der Galerie in Berlin, die den Künstler in Europa vertritt. Scully reagierte sofort, als er von dem Interesse des Stifterkreises erfuhr. Dem Künstler sei es ein wichtiges Anliegen gewesen, dass "Coin Stack" in die Sammlung des Museums komme, so der Galerist Justus Kewenig. Dabei habe sich Scully sehr über das Engagement von kunst³ gefreut.

Die Stifter begeistere die persönliche Geschichte, die Scully mit der Skulptur verbindet. Immer wieder schlägt der Künstler Brücken zwischen seiner Biographie und seinen Kunstwerken. Scully, 1945 in Dublin geboren, wuchs mit seiner Familie in einem typischen Arbeiterviertel im Süden Londons auf. Sein Vater war Friseur und arbeitete hart für den Lebensunterhalt seiner Familie. Auf dem Küchentisch baute er täglich nach Feierabend aus dem eingenommenen Trinkgeld Münzstapel. Diese Kindheitserinnerung verarbeitet Scully in seiner Skulptur. "'Coin Stack' ist die bisher einzige Rundstapel-Skulptur von Scully. "Ich empfinde es als ein wunderbares Geschenk, die Skulptur bei uns im Museum zu haben", so Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold.

2,74 Meter hoch und 720 Kilogramm schwer sind die 18 aufeinander gestapelten Bronzescheiben, die ab sofort in der Sammlung für Gegenwartskunst des Museums zu sehen sind. Durch die Kindheitserinnerung an die Münzstapel erklärt sich sowohl die Rundform der Skulptur als auch das Material Bronze, das von rotbraun über braungrau bis schwarzbraun glänzt. Vermutlich bestanden die Münztürme des Vaters aus Kupfergeld, das im Vergleich zu Silbermünzen einen geringeren Geldwert hat. Das Kunstwerk war zuerst 2018 im renommierten Yorkshire Sculpture Park im Rahmen der Ausstellung "Inside Outside" ausgestellt.

Die bunte Skulptur "Opulent Ascension", die im vergangenen Jahr auf der Biennale in Venedig zu sehen war, ist noch bis zum 15. März im Foyer des LWL-Museums ausgestellt. Bis Mai bleibt die Stahl-Skulptur "Moor Shadow Stack auf dem Vorplatz. "Coin Stack" hingegen verbleibt als Dauerleihgabe im sogenannten Amerikaner-Raum des Museums und bildet zusammen mit dem jüngsten Geschenk von Sean Scully an das Museum, dem Gemälde "Window Beneath", einen neuen Akzent in der Sammlung der Gegenwart.

Foto: LWL-Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und Sean Scully.
Foto: LWL/Hanna Neander



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