Kiew im Visier von Belarus

Erneute Luftangriffe auf Kiew zum Auftakt des G7-Gipfels in Elmau

Während im bayerischen Elmau die Vorbereitungen für den G7-Gipfel in den letzten Zügen lagen, ist die ukrainische Hauptstadt Kiew nach drei Wochen wieder Ziel russischer Angriffe geworden. Wie AFP-Journalisten berichteten, wurde am Sonntagmorgen ein Wohnkomplex in der Nähe des Stadtzentrum getroffen, Feuer brach aus. In der Ostukraine nahmen die russischen Truppen nach wochenlangen Kämpfen die Stadt Sjewjerodonezk ein und rückten auf weitere Ziele vor.

Die Rettungsdienste seien im Einsatz, zwei Gebäude würden evakuiert, schrieb Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko nach den Angriffen im Online-Dienst Telegram. Bislang seien zwei Verletzte ins Krankenhaus gebracht worden, sagte er später bei einem Besuch vor Ort. Es befänden sich noch "Menschen unter den Trümmern".

Russland warf er vor, die Ukrainer mit Blick auf den Nato-Gipfel in der kommenden Woche in Madrid einschüchtern zu wollen. Kiew war in den vergangenen Wochen nur selten Ziel russischer Angriffe gewesen, zuletzt Anfang Juni. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete eine Serie russischer Angriffe in verschiedenen Landesteilen am Samstag.

Der Ukraine-Krieg steht im Zentrum des Gipfeltreffens der G7-Staaten, das am Sonntag im bayerischen Elmau beginnt. Vor Beginn kündigten Großbritannien, die USA, Japan und Kanada bereits ein Verbot für die Einfuhr von Gold aus Russland an. Selenskyj wird in Elmau per Video sprechen. US-Präsident Joe Biden wird sowohl am G7-Gipfel als auch am Nato-Gipfel in Madrid teilnehmen.

Der ukrainische Geheimdienst warf Moskau vor, Raketen bewusst von Belarus aus abzufeuern und das Nachbarland so "als Mitkämpfer in den Krieg in der Ukraine hineinzuziehen". Russlands Präsident Wladimir Putin sicherte zudem dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko am Samstag die Lieferung von kernwaffenfähigen Raketensystemen zu. Auch werde Moskau bei der Aufrüstung belarussischer Kampfflugzeuge helfen, damit diese künftig ebenfalls Atomwaffen transportieren können.

Am Boden konzentrieren sich die russischen Truppen weiterhin vor allem auf den Osten der Ukraine. Nach wochenlangen Kämpfen gelang ihnen dort die vollständige Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk, wie deren Bürgermeister Oleksandr Strjuk am Samstag bestätigte. Am Freitag hatte die ukrainische Armee ihren Rückzug aus der weitgehend zerstörten Stadt bekannt gegeben, in der vor den Angriffen 100.000 Menschen wohnten.

Moskaus Truppen und pro-russische Separatisten kontrollieren nun nahezu die gesamte Region Luhansk. Die Einnahme von Sjewjerodonzek gilt als strategisch wichtiger Schritt, um auch verbleibende Gebiete unter ukrainischer Kontrolle in der ebenfalls zum Donbass gehörenden Region Donezk zu erobern.

Zuvor hatte ein anderer Vertreter der Separatisten, Andrej Maroschko, mitgeteilt, russische Truppen seien nun auch nach Lyssytschansk vorgedrungen, der Nachbarstadt von Sjewjerodonezk. Dort gebe es derzeit Straßenkämpfe. Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind durch einen Fluss getrennt und liegen rund 80 Kilometer östlich von Kramatorsk, der Hauptstadt des ukrainisch kontrollierten Teils der Region Donezk.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, bei Angriffen in der Ost- und Südukraine seien hunderte ukrainische Soldaten und "ausländische Söldner" getötet worden, zudem seien Dutzende schwere Waffen zerstört worden. Russland bezeichnet alle ausländischen Freiwilligen, die an der Seite der ukrainischen Streitkräften kämpfen, als "Söldner".

pe/ans


Benoit FINCK / © Agence France-Presse


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