Akute Hitze und starker Wind

Waldbrand bei Treuenbrietzen vertreibt 600 Anwohner

Ein sich durch Wind schnell ausbreitender Waldbrand nahe des brandenburgischen Treuenbrietzen hat am Sonntag rund 600 Bewohnerinnen und Bewohner vorübergehend aus ihren Häusern vertrieben. Die Einsatzleitung ordnete nach Angaben der Stadt Treuenbrietzen nacheinander die Evakuierung der drei Ortsteile Tiefenbrunnen, Frohnsdorf und Klausdorf an. Zuvor hatten sich die Flammen in dem waldreichen Gebiet südlich von Berlin trotz andauernder Löscheinsätze auf etwa 200 Hektar ausgedehnt.

Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Ortslagen seien  aufgefordert worden, ihre Wohnhäuser "geordnet", allerdings "umgehend" zu verlassen, teilte die Stadt Treuenbrietzen mit. Nach Angaben eines Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark, der den Gesamteinsatz koordiniert, leben dort rund 620 Menschen. Die Flammen dehnten sich demnach inzwischen auf eine Fläche von 200 Hektar aus. Etwa 500 Einsatzkräfte waren im Löscheinsatz. Der Landkreis rief den Katastrophenfall aus.

Für die von den Evakuierungen Betroffenen richteten die Behörden eine zentrale Notunterkunft in der Stadthalle von Treuenbrietzen ein. Über Warnmeldungssysteme wurde dazu aufgerufen, das betroffene Gebiet zu meiden und sich permanent über Radio oder andere Medien zu informieren. Betroffenen sollten bei einer Evakuierung nur das Notwendigste mitnehmen, vor allem Ausweise und Bargeld.

Bereits am Samstag hatte die örtlichen Behörden wegen einer Ausweitung des Brandes mit den Vorbereitungen für eine vorübergehende Evakuierung des Ortsteils Tiefenbrunnen begonnen. Der Gemeindeteil wurde am Sonntag als erstes geräumt, kurz darauf auch Frohnsdorf. Klausdorf folgte am Sonntagnachmittag. Die drei Gemeindeteile liegen in einem ausgedehnten Waldgebiet.

Das Feuer war am Freitag ausgebrochen und hält die Einsatzkräfte seither in Atem. Aus der Luft unterstützen mehrere Hubschrauber von Landes- und Bundespolizei sowie Bundeswehr die Löscharbeiten. Am Samstagabend hatten die Behörden die Lage vor Ort wieder als angespannt bezeichnet, nachdem die Flammen im Tagesverlauf zunächst noch zurückgedrängt werden konnten. 

Zu schaffen macht den Einsatzkräften neben der aktuellen Hitze demnach vor allem starker Wind. Die aktuellen Windverhältnisse hätten zu einer Ausweitung des Einsatzgebiets geführt, teilte die Stadt Treuenbrietzen am Sonntagmittag mit. Das Brandgeschehen entwickle sich dort "rasant".

Schon 2018 hatte es bei Treuenbrietzen einen großen Waldbrand gegeben. Damals wie heute wird die Lage dadurch erschwert, dass dort viele Flächen mit alter Munition verseucht sind. Dies lässt lediglich Bewegungen der Einsatzkräfte auf bestimmten Wegen zu. In dem Gebiet wie in nahezu ganz Brandenburg herrscht derzeit nach Angaben des Landes wegenanhaltender Trockenheit und aktuell hoher Temperaturen höchste Waldbrandwarnstufe.

Die Bundeswehr war nach eigenen Angaben mit einem Transporthubschrauber des Typs CH53 im Einsatz, auch während der Nacht zum Sonntag. Daneben halfen mehrere für Löscheinsätze ausgerüstete Hubschrauber der Bundespolizei. Eine eigentlich für das G7-Gipfeltreffen im bayerischen Elmau vorgesehene Maschine wurde zurück nach Brandenburg beordert.

Für zusätzliche Anspannung sorgte am Sonntagnachmittag nach Angaben der Landkreissprecherin der Ausbruch eines Waldbrands rund 30 Kilometer weiter nördlich im Raum Ferch. Dort würden sich Flammen nach ersten Meldungen schnell über Baumwipfel ausbreiten. Nähere Angaben lagen demnach aber noch nicht vor. Der Landkreis erwog demnach, Unterstützung vom Potsdamer Innenministerium und aus anderen Bundesländern anzufordern.

Die Deutsche Bahn sperrte wegen des dortigen Feuers nach eigenen Angaben die Regionalexpresslinie 7 zwischen Beelitz-Heilstätten und Michendorf. Die Linie führt von über Berlin nach Dessau. Reisende wurden gebeten, auf andere Züge oder Busse auszuweichen. Die Brandenburger Landesspolizei teilte mit, auch sie sei an den Löscharbeiten in dem Bereich beteiligt. Sie hatte demnach bereits die Einsatzkräfte bei Treuenbrietzen mit zwei Wasserwerfern und einem Hubschrauber unterstützt.

bro/bk


© Agence France-Presse



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