Die Blut-Hirn-Schranke

Eine wichtige Barriere mit unangenehmen Nebenwirkungen. Der Schutzmechanismus kann die Wirksamkeit von Medikamenten behindern.

Der menschliche Körper verfügt über einen sehr effektiven Schutzmechanismus, der einerseits verhindert, dass schädliche Substanzen wie Krankheitserreger oder Giftstoffe in das Gehirn eindringen können. Die Rede ist von der sogenannten Blut-Hirn-Schranke. Sie hat jedoch leider andererseits auch den Nachteil, nicht immer richtig zwischen „schlechten“ und „guten“ Substanzen unterscheiden zu können. Dies führt dann oft dazu, dass Medikamente diese Barriere nicht im gewünschten Maße passieren können. Was wiederum die Wirksamkeit der betreffenden Arzneimittel einschränkt. Der Münchner Pionier in der Präzisionspsychiatrie, HMNC Brain Health, hat einen Test entwickelt, der die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke misst. Damit können Psychiater genauer abschätzen, wie etwa Antidepressiva dosiert werden müssen, um ihre bestmögliche Wirkung zu entfalten.

Der Begriff Blut-Hirn-Schranke klingt für den Laien zunächst einmal leicht unappetitlich. Doch dieser Schutzmechanismus erfüllt eine wichtige Aufgabe: Er nimmt eine Barrierefunktion zwischen dem menschlichen Blutkreislauf und dem Gehirn bzw. dem zentralen Nervensystem wahr. Genauer gesagt sorgt die Blut-Hirn-Schranke dafür, dass Schadstoffe im Blut nicht ungehindert das Gehirn erreichen können. Insofern wirkt diese Barriere wie ein Filter, der die Gehirn- und Nervenzellen vor schädlichen Substanzen im Blut, wie etwa Stoffwechselabfallprodukten oder unter anderem auch Alkohol und Nikotin, schützt.

Dies ist unbedingt notwendig, da die hochsensiblen Nervenzellen sehr empfindlich auf Störungen des Nervensystems reagieren. Wahrscheinlich ist diese Anfälligkeit des Gehirns bzw. Nervensystems für schädigende Einflüsse der Grund dafür, dass sich im Laufe der Evolution ein Schutzmechanismus wie die Blut-Hirn-Schranke entwickelt hat, vermuten Wissenschaftler.


Unterscheiden zwischen „gut“ und „böse“

Gleichzeitig sorgt diese Barriere aber auch dafür, dass die Schaltzentrale im Kopf mit den von ihr benötigten Nährstoffen versorgt wird. Denn sie lässt die für eine unbeeinträchtigte Hirnfunktion notwendigen Stoffe, wie etwa Glucose, passieren. So können dem Gehirn die erforderlichen Substanzen bedarfsabhängig zugeführt werden. Dass dies reibungslos funktioniert, fällt gleichfalls in den Aufgabenbereich der Blut-Hirn-Schranke. Zudem befinden sich im Blut zahlreiche Stoffe, wie Hormone, Aminosäuren und Ionen, welche Einfluss auf neuronale Aktivitäten haben. Sie müssen das Gehirn bzw. das Nervensystem ebenfalls erreichen können. 

Doch die Schutzbarriere kann nicht immer korrekt unterscheiden zwischen Stoffen, die für das Gehirn sowie seine Funktion förderlich oder erforderlich sind und Substanzen, die diesen Filter nicht passieren sollten, weil sie schädlich sind. Leider gilt dies mitunter auch für Arzneien. Und damit kann dieser an sich positive Schutzmechanismus zu einem gravierenden Problem für die Medizin werden: Denn zur Behandlung einiger Erkrankungen ist es notwendig, mit Medikamenten die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Dies trifft insbesondere für Psychopharmaka zu, die ja bewusst das Gehirn erreichen sollen. So kann die Behandlung von psychischen Störungen erheblich erschwert werden – wie etwa die der Volkskrankheit Nummer 1, der Depression.

Bei der Behandlung einer Depression kommen sogenannte Antidepressiva zum Einsatz. Der Begriff bezeichnet eine Gruppe von Medikamenten, die bei depressiven Erkrankungen stimmungsaufhellend wirken und den Antrieb normalisieren. Die Antidepressiva vermindern zudem typische körperliche Symptome, wie etwa Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen und/oder Magen-Darm-Beschwerden, wie sie mit einer Depression einhergehen (können). Die Wirkung der Antidepressiva beruht darauf, dass sie einen Mangel an körpereigenen sogenannten Neurotransmittern, in diesem Fall Serotonin und/oder Noradrenalin, ausgleichen. Diese Botenstoffe, die anregende Nervenimpulse im Gehirn übertragen, sind bei Depressionen zu wenig aktiv.


Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke testen

Die Wirksamkeit dieser Medikamente ist jedoch abhängig von der Blut-Hirn-Schranke: Je leichter die Wirkstoffe der Antidepressiva diese Barriere passieren können, desto besser wirken sie. Daher ist es für Ärzte bei der medikamentösen Therapie von Depressionen von enormem Vorteil, wenn sie Informationen zur individuellen Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke eines Patienten haben. Denn damit können sie die Antidepressiva präziser dosieren.

Genau an dieser Stelle setzt eine Innovation des Münchner Unternehmens für Präzisionspsychiatrie HMNC Brain Health an: Die auf neue Therapieansätze gegen Depressionen spezialisierte Biotechfirma hat nämlich einen Test entwickelt, mit dem sich die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke messen lässt. Konkret kann der Test Auskunft darüber geben, wie bei einem bestimmten Patienten die Wirkstoffe der Antidepressiva den Schutzmechanismus des Gehirns passieren können. Damit sollen Psychiater in Zukunft die Dosierung von Antidepressiva besser abschätzen können – damit diese schneller und zielgerichteter als bislang den betroffenen Patienten Linderung verschaffen.

So kann dieser innovative Test dazu beitragen, die Behandlung von Depressionen intensiver und effektiver zu machen. Angesichts dieser sich immer weiter ausbreitenden psychischen Erkrankung, die neben persönlichem Leiden der Betroffenen und ihrer Angehörigen, ebenfalls immer weiter steigende Kosten für die Gesundheitssysteme weltweit generiert, bedeutet dieser neue Test zur Funktion der Blut-Hirn-Schranke einen möglichen richtungsweisenden Fortschritt.




Academic Society for Mental Health / Studiengesellschaft für die Gesundheit der Psyche e.V.



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