Ist Deutschlands Festivalszene überfordert?

Nach zwei Jahren Zwangspause geht der Festival- und Konzertsommer in diesem Jahr wieder richtig los. Doch nicht nur die Besucher*innen konnten lange keine Großveranstaltungen besuchen - Auch für die Veranstalter scheint alles neu zu sein. Droht Festivalbesucher*innen Gefahr?

Am Samstag fand in Münster das Docklands-Festival statt. Mit Drei Open-Air-Bühnen, teils in brandneuem Design, Sommerfeeling am Wasser und Chill-Out Lounge für 15.000 Besucher*innen aus 12 Ländern wurde die Veranstaltung beworben. Das "eindrucksvollste Technospektakel" Münsters sollte 24 Stunden andauern und den Gästen pure Lebensfreude vermitteln. 

Doch das hat leider nicht funktioniert: Gäste berichten von extrem langen Wartezeiten. Der Einlass hat bei keinem der befragten unter einer Stunde gedauert, dasselbe gilt für das Wechseln der Bühnen. Die Security-Mitarbeiter*innen seien heillos überfordert gewesen, da sie nicht auf entsprechende Menschenmassen vorbereitet, geschult und personal besetzt waren. "Wir haben 50 Euro für fünf Stunden Festival bezahlt, wovon wir letztlich nur zweieinhalb Stunden wirklich was von dem Festival mitbekommen konnten", berichtet der 25-jährige M. Kein kostenloser Zugang zu Wasser sei gewährleistet gewesen, was zuvor in den Jahren wohl Standard war, was dafür sorgte, dass Besucher kollabierten und auch an den Getränkeständen sei es nicht nur überteuert, sondern auch chaotisch gewesen sein. Besucher berichten von überfordertem Personal, über 30 Minuten Wartezeit auf ein Getränk und viel zu vielen Besucher*innen für die Größe des Geländes. "Insgesamt war es ein enttäuschendes Event" für M und seine Freund*innen. 

 

Es wird berichtet von Situationen, die "haarscharf an der Massenpanik vorbei" gingen, so M. Nach Katastrophen wie die bei der Loveparade 2010 oder beim Astroworld Festival letztes Jahr, sollte man meinen die Veranstalter wären dahingehend sensibilisiert. 

Außerdem sei das Versprechen einer 24-Stunden-Techno-Party in den umliegenden Clubs am Hawerkamp. 

Auf den sozialen Netzwerken hat der Veranstalter heute ein offizielles Statement veröffentlicht, die längeren Wartezeiten am Einlass läge an baulichen Veränderungen, die anderen Wartezeiten lägen nun mal an dem akuten Personalmangel der Branche und dass man zu viele Besucher auf das Gelände gelassen hat, als zu den Bühnen durften bzw. liegt an der natürlichen Kapazitätsgrenze. Hier sehe man keine Verbesserungmöglichkeiten. Hier hätte man durchaus den Verkauf von Tickets besser planen können. Die Besucher*innen sehen das ähnlich, in den Kommentarspalten unter dem Post tummeln sich Aussagen, dass man diese Entschuldigung nicht annehmen oder akzeptieren könne, es sei „mit den Menschen auf der Veranstaltung gespielt“ worden. 


Dass auch die Veranstalter unter der Corona-Pandemie litten und nun versuchen Einbußen wieder wettzumachen, ist den meisten bewusst und ist auch niemandem zu verdenken. Doch, dass man die Verantwortung von Menschen und deren Gesundheit hat, wenn man eine Großveranstaltung plant, sollte doch im Bewusstsein der Veranstalter sein und im Zweifel die Sicherheit der Gäste über potenzielle finanzielle Einnahmen stellen. 

 



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