Erneute Provokation durch Nordkorea

Nordkorea schießt offenbar erneut mehrere ballistische Raketen ab.

Ungeachtet internationaler Sanktionen hat Nordkorea nach südkoreanischen Angaben erneut mehrere ballistische Raketen getestet. Aus dem kommunistischen Land seien am Sonntag "acht ballistische Kurzstrecken-Raketen" ins Japanische Meer geschossen worden, erklärte der Generalstab der südkoreanischen Armee. Am Vortag hatten Südkorea und die USA ihr erstes großangelegtes gemeinsames Militärmanöver seit mehr als vier Jahren beendet.

"Unser Militär hat acht ballistische Kurzstrecken-Raketen ausgemacht, die aus dem Gebiet Sunan in Pjöngjang abgeschossen wurden", teilte der südkoreanische Generalstab mit. Die Raketen seien alle innerhalb von etwa einer halben Stunde gezündet worden. Südkoreas habe "in Vorbereitung auf weitere Raketenstarts" in Nordkorea seine Wachsamkeit verstärkt und arbeite dabei "eng" mit den USA zusammen.

Am Samstag hatten Südkorea und die USA eine großangelegte, dreitägige Militärübung beendet, an der unter anderem der US-Flugzeugträger "USS Ronald Reagan" beteiligt war. Es war das erste gemeinsame Manöver der beiden Verbündeten, seit Yoon Suk Yeol, der eine härtere Linie gegenüber Pjöngjang verfolgt, vergangenen Monat sein Amt als südkoreanischer Staatschef angetreten hatte. 

Außerdem war es die erste gemeinsame Militärübung mit einem Flugzeugträger seit November 2017. "Die Übung hat die Entschlossenheit beider Länder gefestigt, entschieden auf jegliche nordkoreanische Provokation zu reagieren", erklärte der südkoreanische Generalstab.

Pjöngjang hat immer wieder gegen die gemeinsamen Manöver protestiert und sie als Proben für einen Einmarsch in Nordkorea kritisiert. Go Myong Hyun vom Asan Institute for Policy Studies sagte der Nachrichtenagentur AFP, Nordkorea habe die Raketen am Sonntag anscheinend abgeschossen, "weil das Ausmaß der gemeinsamen Manöver aus seiner Sicht zugenommen hat".

Nordkorea nahm in diesem Jahr bereits 23 Raketentests vor. Zuletzt schoss das international isolierte kommunistische Land am 25. Mai kurz nach einem Besuch von US-Präsident Joe Biden in Südkorea drei Raketen ab, darunter mutmaßlich seine größte Interkontinentalrakete. Die US-Regierung verhängte daraufhin neue Sanktionen gegen Nordkorea. Im UN-Sicherheitsrat scheiterten die USA mit ihrem Vorstoß für härtere internationale Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang allerdings am Veto von China und Russland.

Die USA warnen bereits seit Wochen, Nordkorea könne bald erstmals seit 2017 wieder einen Atomwaffentest vornehmen. In der Folge des damaligen Atomwaffentests hatte sich der UN-Sicherheitsrat das bislang letzte Mal auf Sanktionen gegen Pjöngjang einigen können. Nordkorea verfügt nach Diplomatenangaben über Atombomben und ballistische Raketen, hat es demnach aber bislang nicht geschafft, diese beiden Technologien zusammenzuführen.

Die Führung in Pjöngjang gibt ihr Streben nach Atomwaffen nach südkoreanischen Angaben trotz eines großen Corona-Ausbruchs in dem verarmten Land nicht auf. Experten befürchten sogar, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seine Pläne für einen erneuten Atombombentest beschleunigen könnte, um die Bevölkerung von den verheerenden Folgen des Corona-Ausbruchs abzulenken.

yb


© Agence France-Presse



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