Keiner guckt nach Afrika

NGO: Alle zehn am stärksten vernachlässigten Flüchtlingskrisen der Welt finden sich in Afrika wieder.

Die zehn von der internationalen Gemeinschaft am stärksten vernachlässigten Flüchtlingskrisen der Welt befinden sich erstmals alle auf dem afrikanischen Kontinent. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC) hervor, der für seine Bewertung drei Kriterien zugrunde legt: mangelnden politischen Willen der internationalen Gemeinschaft bei der Lösungssuche; unzureichende Berücksichtigung in den Medien und fehlende Finanzierung der humanitären Bedürfnisse.

Auch wenn in der jährlich veröffentlichten Liste der "am stärksten vernachlässigten Flüchtlingskrisen" stets ein Großteil auf dem afrikanischen Kontinent verortet werde, war 2021 das erste Jahr, "in dem alle zehn in Afrika sind", heißt es in dem Bericht. Dies zeige "das chronische Scheitern der Entscheidungsträger, der Geldgeber und der Medien, sich mit den Konflikten und dem menschlichen Leid auf diesem Kontinent zu befassen", erklärte der Generalsekretär der Nichtregierungsorganisation, Jan Egeland.

Ein Negativbeispiel sei die Demokratische Republik Kongo, sie tauche zum sechsten Mal in Folge auf der Liste auf und stehe nun an der Spitze mit 5,5 Millionen Vertriebenen, vor allem im Nordosten des Landes. 

Es handele sich um eine der schlimmsten humanitären Krisen dieses Jahrhunderts, "doch die, die innerhalb und außerhalb Afrikas die Macht hätten, das zu ändern, schließen die Augen vor der Welle brutaler und gezielter Attacken gegen die Zivilisten", prangerte der Norwegische Flüchtlingsrat an.

An zweiter Stelle landete 2021 das westafrikanische Burkina Faso mit inzwischen mehr als 1,75 Millionen Vertriebenen, die vor allem im Norden des Landes vor dschihadistischen Angriffen fliehen. Es folgen die Länder Kamerun, Südsudan, der Tschad, Mali, Sudan, Nigeria, Burundi und Äthiopien. 

In den meisten dieser Länder nehme der Hunger zu, vor allem wegen einer Verschärfung der Ernährungslage "durch den Anstieg der Getreide- und Spritpreise wegen des Ukraine-Krieges", erklärte der NRC. Außerdem würden derzeit mehrere Geberländer "beschließen oder planen, ihre Hilfe für Afrika zu verringern, um die Gelder in die Ukraine umzuleiten oder für die Aufnahme von Flüchtlingen in ihren Ländern zu nutzen", hieß es weiter.

ck/bfi



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