Bilder ohne Auftrag

Die Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur stellt die Fotografin Annelise Kretschmer vor.

Münster - (lwl) - Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zeigt derzeit die Ausstellung "Der Augenblick. Die Fotografin Annelise Kretschmer" (bis 14.8.). Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem LWL-Medienzentrum für Westfalen. In verschiedenen Kapiteln beleuchtet die Ausstellung das umfangreiche Werk der Fotografin Annelise Kretschmer aus über einem halben Jahrhundert Schaffenszeit. Ein zentrales Thema der Ausstellung sind die privaten Fotografien Kretschmers.

Als fester Bestandteil gehört die Kamera in das Familienleben von Annelise Kretschmer. Seit Mitte der 1920er-Jahre hält die Künstlerin immer wieder zunächst ihre Eltern und Geschwister, später auch ihren Mann Sigmund und die gemeinsamen Kinder in ihren Fotografien fest. Etwa 40 Prozent der Bilder, die aus dem Nachlass Kretschmers an das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL gegangen sind, zeigen Motive aus dem privaten Bereich: Bilder ohne Auftrag. Mit den Arbeiten dokumentiert Kretschmer ihre privaten Reisen und Familienerlebnisse. Um neue Techniken und Blickwinkel auszuprobieren, stehen ihr oft Verwandte Modell.

Auch bei privaten Kinderaufnahmen galt die Porträtfotografie als zentrales Stilmittel der Fotografin Annelise Kretschmer. Annelise Kretschmer, Porträt Nina Kretschmer, 1943/Reproduktion: LWL MKuK/Hanna Neander/© Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, MünsterBei der Entwicklung der Fotografien machte Kretschmer kaum einen Unterschied, ob es sich um kommerzielle oder private Aufnahmen handelte. Die meisten Fotografien zog Kretschmer in dem von ihr bevorzugten Format von 40 mal 30 Zentimetern ab. Als stete Begleiterin war die Kamera fester Bestandteil des Familienverbunds. Dabei hat es jedoch nur selten den Anschein, als löse sich Kretschmers Blick von der Professionalität ihres Berufs und drifte in den von Emotionen geleiteten Bereich des Privaten ab. So sind zum Beispiel auch die privaten Kinderbilder durch die Form der Porträtfotografie - der Leidenschaft Kretschmers - geprägt.

Fest steht, dass Kretschmer kein Interesse an einer sentimentalen oder allzu niedlichen Inszenierung des Motivs des Kindes hatte - weder beruflich noch privat. Immer bricht sie einen solchen Eindruck vorsorglich durch Komposition, Perspektive oder Lichtgestaltung. Kretschmers Anliegen war es, in den Bildern die wesentlichen Charakterzüge der Protagonist:innen abzulichten. So nutzte sie im Atelier den Trick, die entscheidenden Momente gleich zu Beginn während des unbefangenen Vorgesprächs einzufangen.

Lediglich bei einigen der Leporellos, die Bilder von Urlauben an der Küste mit ihrem Mann Sigmund und den Kindern zeigen, scheint nicht das Einzelporträt, sondern das Festhalten familiärer Augenblicke im Mittelpunkt zu stehen. Dies legt die Vermutung nahe, dass das Verlassen des Ateliers und des Hauses einen weitaus intimeren Raum für die Begegnung der Kamera mit der Familie schuf als das häusliche Umfeld. 


Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 

Titelbild: Die Fotografin Annelise Kretschmer setzte häufig ihren Mann Sigmund in Szene. Annelise Kretschmer, Bildnis Sigmund Kretschmer, 1928/Reproduktion: LWL MKuK/Hanna Neander/© Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster



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