Hohe Wartezeiten für Psychotherapieplätze

Die Wartezeiten für Psychotherapieplätze sind weit höher als es von Krankenkassen angegeben wird.

Berlin - (ots) - Die Wartezeiten auf einen Platz in der Psychotherapie sind deutlich höher, als bislang von Krankenkassen angegeben. Das ist das Ergebnis einer statistischen Erhebung des Datenteams von rbb|24.

Laut der bundesweiten Erhebung muss man derzeit bei mehr als der Hälfte der Praxen drei Monate und länger warten, um nach einem Erstgespräch einen Therapieplatz zu bekommen. Das steht in deutlichem Kontrast zu Zahlen der Krankenkassen. So kam beispielsweise 2020 die Barmer-Krankenkasse zu dem Ergebnis, dass bei lediglich 16 Prozent der Patientinnen und Patienten zwei oder mehr Monate zwischen Erstgespräch und tatsächlichem Therapiebeginn vergehen.

Außerdem zeigt die rbb|24-Erhebung, dass es deutliche Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen gibt. Während in Städten Patientinnen und Patienten nach einem Erstgespräch im Mittel etwa zwei Monate auf einen Therapieplatz warten, sind es auf dem Land sechs Monate. Das hat auch auf die Region Berlin-Brandenburg einen klaren Effekt. Wartet man in der Hauptstadt etwa einen Monat, so sind es in Brandenburg drei. Dazu kommt dann jeweils noch die Wartezeit auf ein Erstgespräch für Diagnosestellung.

Die Wartezeiten in der Psychotherapie sind seit vielen Jahren ein Streitpunkt in der Gesundheitsversorgung. Die Berufsverbände der Psychotherapeuten kritisieren, dass laut ihren Erhebungen die Wartezeiten zu lang sind und verbinden dies mit der Forderung nach mehr Kassensitzen für Psychotherapeut:innen. So kam eine Umfrage von der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung im Jahr 2021 zu dem Ergebnis, dass knapp 40 Prozent der Betroffenen länger als sechs Monate auf einen Behandlungsplatz warten müssen. Das deckt sich mit früheren Analysen.

Die Krankenkassen kommen dagegen immer wieder zu deutlich niedrigeren Zahlen und argumentieren, dass die Versorgung im Großen und Ganzen ausreichend sei. Schon vor der Barmer-Krankenkasse 2020 hatte beispielsweise die AOK 2014 eine Studie veröffentlicht, die von eher geringen Wartezeiten ausging. Demnach vergingen im Schnitt nur 4,5 Wochen zwischen Anfrage und damals gängigen Erstgesprächen. Danach begann für über die Hälfte der Befragten innerhalb von zwei Wochen die eigentliche Therapie. Die rbb|24-Auswertung zeigt jedoch, dass derart kurze Wartezeiten offenbar die Ausnahme sind.

Basis der Erhebung von rbb|24 ist eine Telefonumfrage unter Psychotherapiepraxen in ganz Deutschland. Insgesamt wurden dafür mehrere hundert Praxen angefragt. In die deutschlandweite Auswertung flossen die Daten von über 120 Praxen ein. Für die Analyse zu Berlin und Brandenburg waren es über 50 Praxen.

Was das lange Warten für die Betroffenen bedeutet, wird auf rbb24.de durch eine interaktive Simulation erlebbar. In dem Newsgame können User:innen ausprobieren, wie lange man in der Stadt oder auf dem Land auf einen Therapieplatz warten muss, welche Aufwände man betreiben müsste, um die Wartezeit zu verkürzen - und um wie viel länger es dauert, wenn man zum Beispiel die Therapeut:in wechseln muss oder will. Es ist das erste vom rbb entwickelte Newsgame.

Das Newsgame ist am 25.05., ab ca. 6 Uhr abrufbar auf rbb24.de:

Kurz-Url: rbb24.de/therapieplatzsuche 


rbb24



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