"Das Recht der Zukunft gestalten"

Dr. Abir Haddad gründet das Institute for Legal Transformation. Mit dem Institut will sie durch interdisziplinäre Forschung und Beratung entlang der Zukunftsfragen zu Technologien und Klimawandel "das Recht der Zukunft gestalten".

Köln - (ots) - Die bislang als Beraterin beim UN-Sekretariat für Klimawandel tätige Juristin Dr. Abir Haddad hat in Bonn das Institut for Legal Transformationgegründet. Mit dem Institut will sie durch interdisziplinäre Forschung und Beratung entlang der Zukunftsfragen zu Technologien und Klimawandel "das Recht der Zukunft gestalten". Erste Projekte sollen sich mit digitalen Welten und Märkten, der Rechtspersönlichkeit von Künstlicher Intelligenz, dem rechtlichen Status von Natur, dem Einsatz von Blockchain-Technologie zur Selbstorganisation lokaler Communities sowie juristische Innovation auf internationaler Ebene befassen.

"Unsere Gesellschaft steht vor einer epochalen Transformation durch neue Technologien, Klimawandel und Biodiversitätsverlust, aber auch soziale und kulturelle Entwicklungen wie Demokratieverachtung und Populismus. Die Entwicklung des Rechtssystems reagiert darauf mit großer Verzögerung und gerät deshalb in eine doppelte Gefahr: Einerseits nicht schnell genug die Regulierung anzupassen, andererseits aber auch positive Entwicklungen zu blockieren", so Abir Haddad.

Die Institutsgründerin versteht sich selbst als "Legal Futurist". Ihrer Ansicht nach reicht es vor dem Hintergrund disruptiver Veränderung nicht aus, bestehendes Recht einfach linear weiterzuentwickeln, "vielmehr müsse das Recht ebenfalls neu gedacht werden". Einen Ansatz sieht sie in der internationalen Rechtsvergleichung und der Verbindung von zukunftsweisenden Elementen unterschiedlicher juristischer Systeme.

Das Institut ist sowohl auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen, als auch mit staatlichen und zwischenstaatlichen Institutionen und NGOs eingestellt. "Wir werden erleben, dass sich Lösungen zukünftig stärker aus der Kooperation der unterschiedlichen Akteur*innen anhand konkreter Fragestellungen entwickeln werden", so Abir Haddad.

Ein Schwerpunkt des Instituts bildet das Thema digitale Transformation. "Deutschland hat vergleichsweise spät auf die Digitalisierung reagiert. Im Hinblick auf exponentielle Technologien wie künstliche Intelligenz oder Blockchain könnten wir für weitere Verspätungen jedoch einen hohen gesellschaftlichen Preis zahlen. Unser Rechtssystem wird sich darauf einstellen müssen, Regelungen für Problemstellungen zu finden, die heute noch als Science Fiction erscheinen, sich aber bereits andeuten", so Abir Haddad.

Weitere Schwerpunkte der Arbeit liegen in der Erforschung und Entwicklung nachhaltiger rechtlicher Rahmensetzung für das menschliche Leben im globalen Ökosystem. Abir Haddad ist überzeugt, dass sich die Möglichkeiten zur Partizipation durch technologische Entwicklung radikal verändert, und darin gleichermaßen Chancen und Risiken liegen: "Auf der einen Seite beobachten wir den Trend zunehmender Zentralisierung von Daten, Information, Wissen und damit letztendlich Macht. Andererseits finden bereits heute dezentrale Technologien wie Blockchain und auf ihnen basierende dezentrale autonome Organisationen (DAOs) immer mehr Zulauf." Aufgrund des interdisziplinären Ansatzes setzt Abir Haddad in Ihrem Team entsprechend auch auf interdisziplinäre Expertise und diverse Mindsets aus unterschiedlichen Branchen.

Fachlich steht das Institut in regem Austausch mit Forschungsreinrichtungen und Netzwerken wie dem World Legal Forum, Legal Hackers, Resilience Frontiers und der Universität zu Köln.

Über Abir Haddad

Dr. Abir Haddad ist Legal Futurist. Nach dem Jura-Studium in Tübingen promovierte sie in Köln am Institut für internationales Privatrecht rechtsvergleichend zu "Forderungsübertragung im Recht arabischer Staaten". Forschungsaufenthalte absolvierte sie in Sharjah (UAE), London (GB), Manama (Bahrain) und Fukuoka (Japan). Bisher war sie Beraterin für das UN Klimasekretrariat. Sie ist Spezialistin für internationale Rechtsvergleichung und Lehrbeauftragte der juristischen Fakultät der Universität zu Köln für das moderne Recht arabischer Staaten. Mit weiteren Jurist*innen hat Abir Haddad das Netzwerk multikultureller Jurist*innen e.V. gegründet und fungiert dort als Co-Vorsitzende. Sie gehört den vom Magazin "Capital" gekürten "Top 40 unter 40" und den Falling Walls Female Science Talents 2022 an und wurde für den "Young Global Leaders Class 2022" des World Economic Forum nominiert.

Über das Institut für Legal Transformation (ILT)

Das ILT wurde als Forschungs- und Beratungsplattform sowie interdisziplinärer Think Tank von Dr. Abir Haddad gegründet. Es beschäftigt sich mit der Gestaltung zukünftiger rechtlicher Rahmenbedingungen und Instrumente vor dem Hintergrund disruptiver epochaler Veränderungen durch neue Technologien, Klimawandel und ökologischer Herausforderungen sowie kultureller und sozialer Veränderungsprozesse. Das Institut arbeitet mit Unternehmen, Regierungsorganisationen, der Wissenschaft und NGOs zusammen und leistet Auftragsforschung, Beratung und Vernetzung.Das Institut greift dabei auf einen Pool interdisziplinärer und internationaler Expert*innen zurück. Mit einer forschungsbasierte Anleitung für die Entwicklung von Prototypen adaptiver Regelungen sollen Zukunftsszenarien dargestellt und deren Herausforderungen antizipieret werden.


Institute for Legal Transformation (ILT)

Bild: © Institute for legal Transformation/Abir Haddad



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