Engagement in Unfallkommissionen

Die Verkehrsingenieure der Bezirksregierung Münster engagieren sich in Unfallkommissionen. Andreas Koch und Clemens Vogelsang berichten über ihre Arbeit.

Münster - Das kennt fast jeder, der mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist: Es gibt Verkehrssituationen, in denen man einem Unfall nur haarscharf entkommt. Im letzten Moment kann man dann doch noch rechtzeitig reagieren. Häufig aber werden andere Verkehrsteilnehmende zu spät gesehen und es kommt zum Unfall. Damit es an bestimmten Verkehrspunkten nicht zu Unfallhäufungen kommt und alle Straßen gut einsehbar und verkehrssicher sind, engagieren sich die Verkehrsingenieure Andreas Koch (35) und Clemens Vogelsang (27) von der Bezirksregierung Münster in den Unfallkommissionen bei den Kreisen und kreisfreien Städten im Bezirk.

Ortstermin: Clemens Vogelsang und Andreas Koch schauen sich die rot eingefärbte Radfahrerfurt zwischen Kreisverkehr und Fußgängerübergang an/Bezirksregierung MünsterWas macht eine "Unfallkommission"?

"Aufgabe der Unfallkommission ist es, Stellen, an denen sich viele Unfälle ereignen, sicherer zu gestalten, damit es in Zukunft dort zu weniger Unfällen kommt. Zur so genannten ,Unfallkommission' gehört neben den Straßenverkehrs-, Straßenbau- und Polizeibehörden auch die Bezirksregierung, die dort durch Verkehrsingenieure vertreten wird", berichtet Verkehrsingenieur Andreas Koch. Gemeinsam schaut sich die Unfallkommission die Verkehrssituation an diesen Stellen an und geht den Unfallursachen auf den Grund. Ist die Ursache einmal gefunden, können Lösungsmöglichkeiten wie beispielsweise Verkehrszeichen oder bauliche Veränderungen beschlossen werden. "Es ist allerdings nicht immer ganz einfach, die Ursache für einen Unfall herauszufinden. In einem solchen Fall unterstützen wir die anderen Behörden bei der Auswahl der richtigen Maßnahmen", ergänzt Verkehrsingenieur Clemens Vogelsang. Die Verkehrsingenieure achten darauf, dass alles ordnungsgemäß abläuft. Falls sich die Behörden einmal nicht einigen können, vermittelt das Verkehrsdezernat und fördert eine zeitnahe Lösung.

Wie läuft das ab?

"Der ganze Prozess beginnt bei der Polizei. Sie benennt Stellen, an denen es in letzter Zeit häufiger zu Unfällen gekommen ist. Hierbei ist die Anzahl der Unfälle wichtig. Es gibt bestimmte Richtwerte, damit ein auffälliger Unfallort als so genannte "Unfallhäufungsstelle" bezeichnet werden kann", sagt Koch. "Wenn man beispielsweise an einen größeren Kreisverkehr denkt, könnte dieser besonders anfällig für Unfälle sein, wenn auch Radfahrende den Kreisverkehr nutzen. Diese Stelle würde dann von der Polizei gemeldet und im Rahmen einer Unfallkommissionssitzung besprochen", berichtet Vogelsang von seiner Arbeit. "Die Unfallkommission könnte dann als geeignete Maßnahme zum Beispiel beschließen, dass die Radfahrerfurt farblich hervorgehoben wird", führt er weiter aus. Nachdem die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt wurden, wird in einem weiteren Termin geschaut, ob die Anordnungen auch tatsächlich etwas gebracht haben und ob sich die Unfallzahlen verringert haben. Ist das nicht der Fall, dann müssen neue Maßnahmen ergriffen werden.

Verkehrssicherheit erhöhen

"Die an der Unfallkommissionen beteiligten Personen leisten einen wichtigen Beitrag, um die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu verbessern. Die Unfallstatistik für das Jahr 2021 zeigt, dass die tödlichen Unfälle erfreulicherweise weiter zurückgehen und sich die Sicherheit im Straßenverkehr dementsprechend erhöht", sagt Koch. "Jeder Verkehrsteilnehmer kann mit seinem rücksichtsvollen Verhalten im Straßenverkehr einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten", richtet Koch einen Appell an alle Verkehrsteilnehmer. Ein aufgestelltes Schild mit einer vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit allein kann keine Unfälle verhindern. Der Autofahrer, der sich beispielsweise an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält und mit seinem verantwortungsvollen Handeln zum reibungslosen Verkehrsfluss beiträgt, schon. Das gilt natürlich nicht nur für motorisierte Verkehrsteilnehmende. Auch Radfahrer und Fußgänger sollten im Straßenverkehr umsichtig und besonnen agieren.

Das Verkehrsdezernat der Bezirksregierung Münster unterstützt die Unfallkommissionen in den Kreisen und kreisfreien Städte und nimmt jährlich an bis zu 40 Sitzungen im Regierungsbezirk Münster teil. Um die Kommissionssitzungen vorzubereiten oder auch im Anschluss an diese Sitzungen finden regelmäßig Termine vor Ort statt.

Gibt es besondere Schwerpunkte in den Unfallkommissionen?

Ein Schwerpunkt sind beispielsweise Motorradfahrende. Sie sind im Straßenverkehr deutlich größeren Gefahren ausgesetzt als Autofahrer. Nicht selten enden Unfälle mit dem Motorrad tödlich. Um dem entgegenzuwirken, wird nach den Hauptunfallursachen gesucht, um so weitere Unfälle zu verhindern. Spezielle Sonderuntersuchungen gibt es übrigens auch mit den Themenschwerpunkten "Unfälle mit Bäumen" und "Unfälle in Kurven".

Welche Aufgaben haben Verkehrsingenieure sonst noch?

Die Verkehrsingenieure der Bezirksregierung Münster kümmern sich neben ihrem Engagement in der Unfallkommission beispielsweise um Eingaben und Beschwerden mit Bezug zum Straßenverkehrsrecht. Sie beraten Städte und Gemeinden in speziellen Fragen zur Straßenverkehrsordnung und geben Stellungnahmen zu größeren Genehmigungsverfahren mit Verkehrsbezug ab.

 

Bezirksregierung Münster

Titelbild: Clemens Vogelsang (Verkehrsingenieur, seit 2020 im Dezernat für Verkehr) (l.) und Andreas Koch (Verkehrsingenieur, seit 2017 im Dezernat für Verkehr) (r.) beraten Kreise und kreisfreie Städte im Bezirk bei Fragen zur Verkehrssicherheit/Bezirksregierung Münster



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