Boris Becker und Oligarchen: das Fiasko London

Was machte England beliebt für reiche und dubiose Personen?

Sie konnten dort als „Non-Dom“ registriert werden und brauchten dann für Vermögen / Einkünfte außerhalb von England keine Steuern zahlen. Des Weiteren begeistern Superanwälte für drohende Gerichtsverfahren. Diese sind zwar irre teuer, kümmern sich aber dafür um jeden Schlamassel. (Mit ihnen schmetterte Roman Abramowitsch Forderungen eines Ex-Partners in Höhe von 6 Milliarden !!!  Dollar ab.)   

Die Kurzform Non-Dom steht im angelsächsischen Steuerrecht für Ausländer ohne Vater in „UK“… Die „domicile rule“ erlaubt es Russen…  in UK zu wohnen, ohne dort „domiziliert“ zu sein. Laut Schätzungen sind es ca. 300.000 Personen von wohlhabend bis megareich.

Die Hauptstadt bekam die Spottnamen „Moskau an der Themse“ und „Londongrad“, denn dort tummeln sich viele russische Oligarchen, die u.a. durch Wirtschaftskriminalität fulminant reich geworden sind. Aber ebenfalls zugegen sind griechische Reeder, saudische Prinzen, Topmanager, Banker und viele Geschäftsleute.     

R. Borisovich, ein russischer Politaktivist, der selbst in London lebt, charakterisierte diese Stadt als „korruptesten Ort der Welt“… Nirgendwo sei die Konzentration an schmutzigem Geld pro Quadratmeter so hoch wie hier. Ein Labour-Abgeordneter bezeichnete London als Waschsalon der Welt für dreckiges Geld ... „Geld fließt aus fremden Ländern nach London und niemand stellt Fragen.“ 

City of London

Die Extrazone von London „City of London Corporation“ ist eine Mini-Stadt im Zentrum, auch als „Square Mile“ tituliert, mit eigenen Regeln, mit eigenen Steuergesetzen und mit eigener Staatlichkeit. Dieses ex-territoriale Gebiet ist eine Steueroase und fungiert - ua. - als Angelpunkt für noch weitere Offshore-Finanzplätze: für die 7 Übersee-Territorien British Virgin Islands, Bermudas, Cayman Islands, Gibraltar usw. sowie für 3 Kronbesitzungen: Jersey, Guernsey und die Isle of Man. In den verschwiegenen Finanzplätzen sind viele Billionen Dollar gebunkert (eine Billion = 1.000 Milliarden)…  

Das Spinnennetz der Square-Mile zu ihren Steueroasen ist so dicht, dass zB. die Finanzlobby der Kanalinsel mit dem Slogan wirbt:

"Jersey ist eine Verlängerung der City of London. Und eine raffinierte vertikale Integration ermögliche dem Distrikt "dubiose Finanzgeschäfte auf Distanz zu machen und gleichzeitig, die Verantwortung von sich zu weisen.“

So wirkt die "City of London Corporation“ als Super-Lobby der britischen Finanzindustrie.

In der Square Mile befinden sich Englands mächtigste Finanz- und Wirtschaftsinstitutionen wie die „Bank of England“, die Londoner Aktienbörse, Investmentgesellschaften, Versicherungen und internationale Handelskonzerne. 

Setzen Konzerne aus der Realwirtschaft Finanzierungsgesellschaften ein, die ihren Sitz in einer Steueroase haben, dann sind anfallende Gewinne im Zuge dessen steuergünstig oder steuerfrei.

Sehr arglistig und volksschädigend sind Praktiken, existierende Vermögen zu verschleiern. Hierfür fließen Gelder zwischen verschiedenen Oasen unklar hin und her.

Dabei erweist sich die „City of London“ als Zentrum eines mafiösen Finanzrades, weil es mit den so genannten Paradies-Inseln auf der ganzen Welt verbunden ist. Spezialisten der Square Mile sind dafür qualifiziert, schmutziges Geld von Kleptokraten, unter ihnen Oligarchen oder Diktatoren, zu waschen bspw. durch Finanzierung irgendwelcher Immobilien oder Projekte.

Ebenfalls perfide ist der Aspekt, dass fast alle Groß-Konzerne mindestens eine Filiale in den Steueroasen haben, womit Europas Staatshaushalten jedes Jahr bis zu 1.000 Milliarden Euro Steuergelder verloren gehen.

Lesenswert: Paradise Papers – Die Schattenwelt des großen Geldes:

https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/das-ist-das-leak-e229478/

Der Ex-Banker Geraint Anderson verriet Geheimnisse über die Finanzszene City of London Corporation, wo für Insider das personifizierte Böse haust: „Ein Ex-Banker packt über die blutrünstige Finanzszene aus.“ Siehe Link.

https://www.vice.com/de/article/wdbvqq/London-city-investmentbanking-bonus-Geraint-Anderson

Beim Gespräch mit dem Magazin VICE gestand der Whistleblower, um sein Leben zu fürchten, nachdem sein Enthüllungsbuch erschien.

„… war ich quasi tot.“

„Als ich 1996 anfing, war das schon ein riesiges Casino… „

Für den Handel mit Aktien … wurden immer mehr Regeln gelockert / außer Kraft gesetzt, sodass eine kriminelle Deregulierung / Gesetzlosigkeit zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 / 2009 führen konnte.

https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/london-im-zentrum-des-betrugs/7207504.html

2012: Die gesamte Londoner City saß auf der Anklagebank. … Es ging um Betrug in den Handelssälen, um die Manipulation wichtiger Referenzwerte der Branche und um Beihilfe zur Geldwäsche. Medial hatte sich London in die Welthauptstadt der Bankenskandale verwandelt.

Schulden England

Die superreiche Elite, etwa 0,1 % des Landes, konnte fast permanent ihren Wohlstand steigern. Lehrer, Polizisten, Busfahrer, Krankenpfleger … mussten zunehmend Schulden machen…

So zogen viele Betroffene in neu gebaute Miniwohnungen ein, kleiner als 40 qm, sogar in halb so große Apartments, kaum größer als eine  --- Gefängniszelle ---

tolles Königreich.

Zunehmende Verbrechen wie Raubüberfälle oder Erpressungen schockieren merklich.

https://www.n-tv.de/panorama/Messergewalt-in-England-laeuft-aus-dem-Ruder-article22281801.html

Die aus Spargründen dezimierte Polizei ist oft überfordert, besonders beim Drogenhandel. Alleine der Kokain-Markt mit einem Wert von 11 Milliarden Pfund, ist hart umkämpft, sodass regelmäßig Verletzte oder Tote zu beklagen sind. 2017 meldeten Behörden, dass tausende Kinder als Kuriere dienen, um Heroin und Crack durch "feindliche Linien" in Bezirke zu bringen, wo andere Banden herrschen…. Vertreter der Polizeigewerkschaft:

 „Wir schlafwandeln in einem Albtraum".  

Die Superreichen schauen nicht auf diese Schicksale. Sie sehen nur ihr phänomenales „Glück“ und residieren in protzigen Villen mit Köchen, Butlern, Zimmermädchen, Bodyguards, Gärtnern und Chauffeuren.

Roman Abramowitsch bezog ein Luxus-Anwesen in Sussex, mit 28 Angestellten und 40 Bodyguards, eine Privat-Armee. Dort verwirklichte er seinen Traum vom Jetset-Leben.

…Alleine seine teuerste Yacht – mit einem Raketenabwehrsystem - kostete rund 850 Millionen €. Zu den gekauften Nobelwagen zählten die Marken Ferrari, Lamborghini, Mercedes-AMG GT3, Bugatti Veyron 16.4 etc.

Wer im Vergleich dazu ist Boris Becker? Ein kleiner Fisch in einem Becken mit Haien...




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