Poesie aus laufender Arbeit

Internationales Lyrikertreffen: Lesungen aus Manuskripten mit Schwerpunkt Osteuropa.

Neue Wege geht das Internationale Lyrikertreffen Münster und überrascht nach einem Jahr pandemiebedingter Pause mit einem innovativen und vielseitigen Programm. Auf Einladung vom Kulturamt der Stadt Münster in Kooperation mit dem Literaturverein Münster treten internationale Lyrikerinnen und Lyriker Mitte Mai die Reise nach Westfalen an und lassen das Schlosstheater zur Bühne für die Auseinandersetzung mit Gegenwartslyrik werden. Möglich gemacht wird das Festival durch Förderungen der Kunststiftung NRW und dem Deutschen Übersetzerfonds. Was die Gäste alles im Gepäck haben und worauf man sich besonders freuen darf, wird in einer dreiteiligen Serie vorgestellt.

Heute geht es um die großen Abendlesungen.

„Wenn du eine klare Antwort haben willst / musst du eine klare Frage stellen“, beginnt die in Wien aufgewachsene Lyrikerin Ann Cotten ihr Gedicht „Der Raab sagt“. Die Verse beinhalten sogleich das Herzstück aller Poesie: Fragen an die Welt zu stellen. Doch das ist gar nicht so einfach, zeigt die Wortwahl der Dichterin, mit der sie sich auf verschiedenen Deutungsebenen gleichzeitig bewegt. Die in Iowa (USA) geborene Poetin, die sich neben dem Dichten auch in der Welt der Bildenden Kunst bewegt, hat für das Lyrikertreffen ihr neues Manuskript im Gepäck und liest am Freitag, 20. Mai, aus laufender Arbeit.

Am Eröffnungsabend ist neben Ann Cotten die in Lübz (Mecklenburg-Vorpommern) geborene Lyrikerin und Romanautorin Kerstin Preiwuß zu Gast und präsentiert noch unveröffentlichte Gedichte aus ihrem klangmagischen Repertoire. Ergänzt werden die beiden Poetinnen am Freitag durch den vielfach ausgezeichneten Literaten Oswald Egger (Südtirol), den Autor und Poesie-Performer Urs Allemann (Schweiz) und den 2021 mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis und dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichneten Lyriker Marcel Beyer.

Von Traumata, Traumdeutung und vom Leben selbst handeln die Gedichte dieses Abends. Dabei liefern die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und die Fragen an die Zukunft doch immer die gleiche Antwort, der sich keiner entziehen kann: „So groß die Welt auch ist / du musst ja doch hinaus“, resümiert Ann Cotten in ihrem Gedicht. Moderiert wird die Abendlesung von der neuen Doppeltspitze des Lyrikertreffens, Aurélie Maurin und Ulf Stolterfoht.

Am Samstag, 21. Mai, richtet sich der Blick auf die Welt nach Osteuropa. Dr. Maren Jäger, Jurymitglied des Poesiepreises, führt am Nachmittag ein Werkstattgespräch mit dem Preisträger Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, seiner Übersetzerin Uljana Wolf und seinem Übersetzer Michael Zgodzay. Nach seiner Kindheit im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet und dem Studium der Polonistik in Münsters Partnerstadt Lublin, zog es den Dichter nach Warschau. 2007 erhielt er den deutschen Hubert Burda Preis für junge osteuropäische Lyrik – heute zählt der Dichter längst zu den bekanntesten und eigentümlichsten Stimmen der polnischen Gegenwartslyrik.

Am Abend kehren die beiden Poesiepreisträger und die Poesiepreisträgerin für die große Abendlesung zurück auf die Bühne. Durch die Lesung führt Dagmara Kraus. Die in Polen geborene Dichterin und Übersetzerin mischt verschiedene Sprachen in ihren Werken und stellt damit Konzepte von Sprachreinheit auf den Kopf. Neben der Moderation wird sie aus ihrem neuen Band „liedvoll, deutschyzno“ (2021) lesen, bevor es zu einem klangvollen Höhepunkt kommt: Die polnische Sängerin und Multi-Instrumentalistin Malwina Paszek rundet den Abend musikalisch ab. Die Virtuosin beschäftigt sich mit traditionellen Klängen vor allem aus der Ukraine, Weißrussland und Polen, spielt aber auch zeitgenössische und barocke Musik auf der Drehleier.

Das preisgekrönte Trio wird am Samstagabend von seiner Arbeit am ausgezeichneten Gedichtband „Norwids Geliebte“ berichten, der autobiografische Züge enthält. „Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki ist ein hellwacher Zeitgenosse wider Willen, der ein ausgeprägtes Gespür für die Brisanz aktueller gesellschaftlicher Prozesse und ihre Tiefendimension hat“, urteilt die Jury des Preises der Stadt Münster für Internationale Poesie. „Verlustlos und sprachsicher, mit untrüglichem Sinn für Gestus, Rhythmus und Klangfarbe der Originale trägt ihre Übersetzung die Gedichte Tkaczyszyn-Dyckis ans deutsche Ufer“. Der Preis wird am Sonntag, 22. Mai, zum Abschluss des Lyrikertreffens im Erbdrostenhof verliehen.

Termine:

 Aus laufender Arbeit, Freitag, 20. Mai, 19-21 Uhr

 Werkstattgespräch, Samstag, 21. Mai, 17-18 Uhr

 Abendlesung, Samstag, 21. Mai, 20-22 Uhr

 Info: www.lyrikertreffen.muenster.de, Karten an der Theaterkasse Tel. 02 51 / 68 66 39 92


Stadt Münster



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