Es wird pathetisch!

Das Internationale Lyrikertreffen findet wieder statt.

Münster - (SMS) - Neue Wege geht das Internationale Lyrikertreffen Münster und überrascht nach einem Jahr pandemiebedingter Pause mit einem innovativen und vielseitigen Programm. Auf Einladung vom Kulturamt der Stadt Münster in Kooperation mit dem Literaturverein Münster treten internationale Lyrikerinnen und Lyriker Mitte Mai die Reise nach Westfalen an und lassen das Schlosstheater zur Bühne für die Auseinandersetzung mit Gegenwartslyrik werden. Möglich gemacht wird das Festival durch Förderungen der Kunststiftung NRW und dem Deutschen Übersetzerfonds. Was die Gäste alles im Gepäck haben und worauf man sich besonders freuen darf, wird in einer dreiteiligen Serie vorgestellt.

Heute geht es um Emotionen: Pathos in der Lyrik und Klänge fürs Ohr. 

„Ergriffenheit, feierliche Leidenschaft, kurzum pathetische Gefühle scheinen in der deutschen Dichtung nicht so leicht verträglich zu sein. Sobald Kritikerinnen und Kritiker hierzulande Pathos in der Dichtung wittern, schlagen sie Alarm“, erklären die beiden künstlerischen Leiter des Lyrikertreffens Aurélie Maurin und Ulf Stolterfoht. „Das Jahr der Verschiebung bot uns die Chance, dieses Verhältnis von Lyrik und Pathos näher zu untersuchen.“ In poetischen Appetizern wurden bereits vor dem Festival Dichterinnen und Dichter zusammengebracht, um möglichst viele unterschiedliche, auch experimentelle Pathos-Positionen ins Feld holen. Die dichterische Spurensuche mündet in zwei Workshops beim Lyrikertreffen.

Das neue Format „Pathosmaschinen – mind the gap!“ am Freitag, 20. Mai, macht in Anlehnung an die Methode „gläserner Übersetzer“ verschiedene übersetzerische Verfahren für das Publikum transparent. Die übersetzerische Praxis wird immer stärker von Algorithmen bestimmt. Können neue Übersetzungsprogramme jemals auch Lyrik, geschweige denn Pathos übersetzen?

Ann Cotten, Olga Radetzkaja und Hannes Bajohr zeigen auf, wie sich ein Gedicht in der Anwendung unterschiedlicher Übersetzungsverfahren wandelt. Während der Auseinandersetzung mit sogenannten Emo-Sensoren und Strategien lyrischer Pathos-Maschinen werden auch Zuschauerinnen und Zuschauer, die zu Pathosabwehr neigen, zu wahren Pathos-Experten!

Und wie verläuft die Übersetzung von Pathos andersherum? Die Frage, ob deutschsprachige Gedichte von ihren Übersetzenden im Ton eher angehoben werden, haben sich Alida Bremer, Dagmara Kraus und Michael Ebmeyer bereits im Vorfeld des Lyrikertreffens gestellt. In einem gemeinsamen Gespräch am Samstag, 21. Mai, präsentieren sie ihre Antworten und prüfen außerdem, ob deutschsprachige Übersetzerinnen und Übersetzer eher dazu neigen, pathetische Gedichte zurück auf die Erde zu holen. Beide Pathos-Veranstaltungen werden von Felix Hielscher an der Kino-Orgel begleitet.

Musikalisch wird es auch mit dem Live-Hörspiel „Mönster – Monster in Münster“ von und mit Norbert Lange und Martin Schüttler. Ein besonderes akustisches Erlebnis verspricht die Uraufführung des Hörspiels am Freitagabend, 20. Mai, nach der großen Abendlesung. Es geht um das Phänomen des Denkens. „Was ist Denken überhaupt, das Du selbst nicht siehst, obwohl Du anderen dabei zusehen kannst?“, fragen sich Lange und Schüttler.

Die beiden Künstler beschreiben ihr Klangkunstwerk als „Audiofiles von einem Un-Ort, an dem Sprechblasen schmatzend zusammenlaufen, als sähe man einer heißen Quelle zu, an deren Oberfläche manchmal Sauerstoffblasen aufsteigen und mit einem Wort-Laut aufplatzen“. Ob sie dabei auch Pathos zum Vorschein bringen? Das Live-Hörspiel wird am Samstag, 21. Mai, wiederholt.

Termine:

Pathosmaschinen – mind the gap!, Freitag, 20. Mai, 13.30-15.30 Uhr

Mönster – Monster in Münster, Uraufführung, Freitag, 20. Mai, 22-23 Uhr

Pathos übersetzen!, Samstag, 21. Mai, 13.30-14.30 Uhr

Mönster – Monster in Münster, Wiederholung, Samstag, 21. Mai, 15-16 Uhr

Tickets und Informationen:

www.lyrikertreffen.muenster.de, Karten an der Theaterkasse Tel. 02 51 / 68 66 39 92 


Stadt Münster 

Bild: Lyrikertreffen 2022, Stadt Münster/Patrick Schulte.



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