Krankheit wie ein Chamäleon

Viele, zum Teil sehr unterschiedliche Symptome sorgen dafür, dass eine Lupus- Diagnose Medizinern schwerfällt. Insbesondere Frauen gelten dabei als Hauptbetroffene, bei jeder tausendsten tritt die Autoimmunerkrankung auf. Michaela Conen aus Hörstel ist eine von ihnen.

Münster - (ukm/ab) - Lange Jahre führte Michaela Conen ein ganz normales Leben. Die heute 44 Jahre alte Lehrerin stand mitten im Berufsleben und fühlte sich absolut fit. Als sie an systemischem Lupus erythematodes (auch SLE genannt) erkrankte, musste sie sich langsam wieder in ihren gewohnten Alltag zurückkämpfen: „Vor der Krankheit war ich sehr sportlich und habe an mehreren Marathons teilgenommen. Nach Ausbruch der Krankheit konnte ich teils keine zwei Kilometer mehr am Stück laufen.“ Es war 2013 als die zweifache Mutter einen kontinuierlichen Leistungsabfall, Energielosigkeit, gefolgt von kreisrundem Haarausfall und Fieber bemerkte. Später litt sie an hohen Entzündungswerten und schmerzenden Gelenken. Selbst der Aufenthalt in einer Klinik nach einem besonders schweren Schub brachte nicht die richtige Diagnose – bis sie an das UKM verwiesen wurde.

Der systemische Lupus erythematodes ist eine rheumatische Erkrankung, die oftmals in Schüben verläuft. Das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper, teilweise mit verheerenden Folgen. „Die Symptome können anfangs eher unspezifisch sein wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Fieber, aber auch verschiedenste Organe können befallen werden, wie die Nieren, die Lunge oder das Herzen“, erklärt Prof. Martin Kriegel, Abteilungsleiter für Rheumatologie und Klinische Immunologie am UKM (Universitätsklinikum Münster). Auch das Schmetterlingserythem, eine Hautrötung, die sich symmetrisch auf beiden Wangen wie die Flügel eines Schmetterlings verteilt, gilt als Anhaltspunkt für die Erkrankung und verleiht dieser im deutschen Raum den Namen Schmetterlingsflechte.

Eine Besonderheit der Krankheit ist, dass primär Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Während eine von 1.000 Frauen im Schnitt an Lupus erkrankt, ist es im Vergleich nur einer von 10.000 Männern. Obwohl die Ursache noch nicht vollends erforscht ist, gilt ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Hormonen, Stress und Umweltfaktoren, wie zu viel Sonnenexposition, als Auslöser für Lupus. Die Krankheit ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht heilbar, dennoch gibt es mittlerweile eine große Bandbreite an Behandlungsmöglichkeiten. „Es tut sich weltweit viel in der Entwicklung neuer Lupus-Immuntherapien“, sagt der Experte. „Neben bereits schon lange bestehenden Therapieansätzen mit Hydroxychloroquin und Kortikosteroiden werden sogenannte Biologika, biologisch hergestellte Antikörper, eingesetzt, die spezifische Komponenten des Immunsystems blockieren.“

„Ich habe viel darüber nachgedacht, warum es ausgerechnet mich getroffen hat, wo ich doch früher scheinbar gesund war“ berichtet Conen. „Inzwischen kann ich es annehmen, dabei hat mir vor allem der Austausch mit anderen sehr geholfen.“ Zur Medikation gehören die dauerhafte Einnahme von Immunsuppressiva, zum Frühjahr will die Patientin jedoch wieder zur Arbeit und hat sich bereits an einem Halbmarathon ausprobiert. Die Lebenserwartung mit Lupus gleicht bei einer frühzeitigen Diagnose und konsequenten Einnahme der empfohlenen Medikationen der von gesunden Menschen. Wichtig ist laut Kriegel, die Krankheit als Lupus zu identifizieren: „Allgemeinmedizinern kann es durch die chamäleonartigen und sehr heterogenen Verläufe schwerfallen, zu erkennen, ob es sich um Lupus handelt. Deshalb ist es weiterhin von hoher Relevanz über Lupus zu berichten und aufzuklären.“ 


Universitätsklinikum Münster (UKM)

Foto: Der Lupus erythematodes ist bei Patientin Michaela Conen weitgehend unter Kontrolle. Am UKM behandelt sie Prof. Martin Kriegel./Marlies Grüter



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