Halali fürs Klima

Für klimaresiliente Wälder ist die Anpassung der Wildbestände eine zentrale Frage. Umweltschützer:innen und Waldbesitzende sind sich in diesem Punkt einig.

Freiburg - (ots) - Für klimaresiliente Wälder ist die Anpassung der Wildbestände eine zentrale Frage. Umweltschützer:innen und Waldbesitzende sind sich in diesem Punkt einig.

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist die Orientierung an einer naturnahen und klimaresilienten Waldbewirtschaftung verankert. Damit ist nun auf oberster politischer Ebene angekommen, wofür sich FSC Deutschland und viele seiner Mitglieder seit langem einsetzen, den Aufbau klimastabiler Wälder. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die natürliche Verjüngung des Waldes mit standortgerechten Baumarten. Damit dies gelingen kann sind angepasste Wildbestände - und damit die Jagd, vor allem auf Rehwild - unerlässlich. Dessen Jagdzeit beginnt in der Regel im Mai.

Trockenheit, massiver Borkenkäferbefall sowie Stürme und Waldbrände haben in den letzten vier Jahren zu großen Schäden in den deutschen Wäldern geführt. Die größten Probleme haben dabei Wälder, die in Bezug auf Baumartenzusammensetzung und Struktur naturfern sind. Als klimaresilient hingegen gelten standortgerechte, naturnahe Laub- und Mischwälder. Um diese aufzubauen und ihren Bestand zu sichern, setzt der Forest Stewardship Council (FSC) auf die natürliche Verjüngung des Waldes. Bäume können jedoch nicht nachwachsen, wenn sie im Jugendalter verbissen werden. Gerade für Rehwild zählen junge frische Knospen und Triebe zur beliebtesten Speise. Spitze und harte Fichtentriebe hingegen werden verschmäht. Die Folge davon ist, dass diese ungehindert wachsen und Baumarten, die für klimastabile Wälder sorgen, verdrängt werden. "Deswegen ist eine unserer zentralen Forderungen für Waldwirtschaft in Zeiten des Klimawandels, die Wildbestände anzupassen. Dafür ist ein effektives Jagdmanagement unabdingbar", so Elmar Seizinger, Waldbereichsleiter bei FSC Deutschland. 

Forest Stewardship Council FSC/S. LehmlerProfessionelles Jagdmanagement

Das Bundesjagdgesetz (BJagdG) bestimmt deutschlandweit Zeiten, in denen die Jagd auf Wild, das dem Jagdrecht unterliegt, ausgeübt werden darf. Darüber hinaus gibt es Perioden, in denen Jagd zu ruhen hat, in der Regel im März und April. Abhängig vom Bundesland und dem jeweiligen Landesjagdgesetz variieren diese Jagd- und Schonzeiten. Mit Beginn des Monats Mai beginnt gemäß BJagdG die Jagdzeit für Rehbock und Schmalreh, also für männliche und jugendliche Rehe. Wo die Herausforderungen für eine effektive Jagd liegen, umreißt Volker Diefenbach, Vorstandsmitglied von FSC Deutschland und Bürgermeister von Heidenrot, der waldreichsten Gemeinde in Hessen: "Es liegen drei Jahre Waldkatastrophe hinter uns. Dadurch ist in einem seit Jahrzehnten nicht da gewesenen Umfang Wiederbewaldung gefordert. Die Jägerschaft kann sich hier beweisen und zeigen, dass sie Problemlöser und Naturschützer ist. Die Wildbestände sind jedoch in manchen Regionen derart außer Kontrolle, dass ein ehrenamtliches Jagdmanagement dem nicht mehr Herr werden kann und nur noch professionell zu bewältigen ist."

Revierübergreifende Intervall- oder Bewegungsjagden

Professionelles Jagdmanagement ist nicht nur eine Forderung von FSC und vielen seiner Mitglieder, sondern auch seit Bestehen des FSC fester Bestandteil des sogenannten Wald-Standards, also dem zentralen Regelwerk für eine FSC-Waldzertifizierung in Deutschland. Indikator 6.6.1 des deutschen FSC-Standards definiert, dass "die Wildbestände so angepasst [werden], dass die Verjüngung der Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft ohne Hilfsmittel möglich wird". Die Verwendung bleifreier Munition wird dabei vorausgesetzt. Elmar Seizinger empfiehlt in diesem Zusammenhang revierübergreifende Intervall- oder Bewegungsjagden mit geübten Schützen und gut ausgebildeten Hunden, denn "permanente Einzeljagden bringen viel Unruhe in den Wald und erzeugen viel Stress bei den Wildtieren". 

S. LehmlerMaibock - traditioneller Beginn der Jagdzeit in Deutschland

In Deutschland fängt für viele Jäger:innen das Jagdjahr traditionell mit der Jagd auf den "Maibock" an. Es dürfen zwar auch weibliche Rehe geschossen werden, aber nur jene im zweiten Lebensjahr, die noch keine Jungen austragen oder säugen. Diese zu erkennen ist nicht immer leicht. Prägnanter ist deswegen das männliche Reh, der Bock, den man zu dieser Jahreszeit leicht am Gehörn erkennen kann. Die Tradition des Maibocks ist noch recht jung, denn erst mit dem Bundesjagdgesetz von 1953 wurde der Beginn der Bockjagd in Deutschland von Juni zunächst auf Mitte und später Anfang Mai gesetzt. Da der 1. Mai bundesweiter Feiertag ist, kann dieser Jagdtag ausführlich begangen werden. In vielen Bundesländern beginnt das Jagdjahr jedoch inzwischen bereits vor dem 1. Mai, so in Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Hessen, Thüringen, Saarland und Niedersachsen. Für den FSC steht vor allem zeitgemäßes Jagdmanagement und damit, gemäß dem Ökologischen Jagdverband, die Legitimation im Vordergrund: "Das Töten von Tieren, ohne sie sinnvoll zu nutzen, widerspricht dem Grundverständnis einer ökologischen, ethisch verantwortungsvollen Jagd. Die Erlegung nur um der Trophäe willen, oder das sinnlose Töten zum Ausschalten vermeintlicher Nahrungskonkurrenten (z.B. Fuchs) wird abgelehnt." Um das Wild so wenig wie möglich zu stören, werden Schwerpunkt- und Intervallbejagung sowie Sammelansitze bevorzugt.

Über FSC

FSC ist die verlässlichste Organisation für die Absicherung wichtiger Umwelt- und Sozialstandards im Wald. Mit weltweit gültigen Standards, der beispiellosen Einbindung aller relevanten Interessengruppen und der Unterstützung durch namhafte Unternehmen sowie anerkannte unabhängige Umwelt- und Sozialorganisationen, gilt FSC als die glaubwürdigste Lösung für nachhaltige Waldwirtschaft. Die Zertifikatsvergabe erfolgt nach einer erfolgreichen Prüfung durch unabhängige Dritte, die min. jährlich wiederholt wird. Weltweit sind 225 Millionen Hektar Wald FSC-zertifiziert. Über 52.000 Unternehmen verfügen weltweit über eine FSC-Zertifizierung für den Handel und die Verarbeitung zertifizierter Materialien.

Über FSC Deutschland

In Deutschland sind rund 1,44 Million Hektar Wald FSC zertifiziert und fast 4.000 Unternehmen verfügen über eine Zertifizierung nach den FSC Standards (Stand: Januar 2022).. In deutschen Wäldern steht der FSC u.a. für eine Waldwirtschaft, die den Wald nicht übernutzt, die biologische Vielfalt fördert und die gegenüber interessierten Bürgern*innen sowie Organisationen transparent handelt. Kahlschläge bei der regulären Holzernte sind untersagt und Pestizide dürfen nur eingesetzt werden, wenn dies gesetzlich gefordert wird. FSC setzt sich für die Mehrung natürlicher Mischwälder, die Schonung des Waldbodens, für den Schutz seltener Arten und Ökosysteme ein. Damit sind FSC-zertifizierte Wälder stabiler in einem sich wandelnden Klima und können als Ökosystem mehr CO2 langfristig binden. Für die Menschen im Wald sichert FSC faire Entlohnung und mehr Bürgerbeteiligung im Wald. 


Forest Stewardship Council (FSC) 

Titelbild: Bildrechte: FSC Deutschland/Fotograf: Stefan Lechner



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