Ein Jahr später – und viele frische Ideen

Das 22. Internationale Lyrikertreffen, mit vielen spannenden Neuerungen, findet ein Jahr später wieder statt.

Münster - (SMS) - Das 22. Internationale Lyrikertreffen Münster kann – ein Jahr später – endlich stattfinden und erfährt einen innovativen Umbruch, der viele spannende Neuerungen mit sich bringt. Die ursprünglich für den Mai 2021 geplante Biennale läuft nun vom 19. bis 22. Mai 2022. Dadurch verschiebt sich das Lyrikertreffen nicht nur aus den ungeraden in die geraden Jahre – die zusätzlichen Monate der Vorbereitung haben auch ein Programm mit frischen Ideen hervorgebracht.

Gastgeber ist erstmals das Schloßtheater Münster: Die Veranstalter, das Kulturamt der Stadt Münster in Kooperation mit dem Literaturverein Münster, laden zu neun lyrischen Einzelveranstaltungen in das älteste Lichtspielhaus der Stadt ein. Neu ist auch das kuratorische Leitungsteam: Aurélie Maurin und Ulf Stolterfoht bilden die Doppelspitze. Sie lösen damit Hermann Wallmann ab, der seit 1995 künstlerischer Leiter des Festivals war. Bereits seit 1979 gehört das Lyrikertreffen zu den herausragenden internationalen Kulturereignissen in Münster. An die erfolgreiche künstlerische Leitung der vergangenen 25 Jahre knüpft das neue Team an.

Forum für Fragen an die Welt

„Das Lyrikertreffen war und ist ein international angesehenes Forum für die Auseinandersetzung mit Gegenwartslyrik“, sagt Kulturdezernentin Cornelia Wilkens. „Kulturelle Veranstaltungen wie das Lyrikertreffen ermöglichen es, in aller Freiheit Fragen an die Welt zu stellen, ins Gespräch zu kommen und neue Perspektiven zu gewinnen. Im Hinblick auf das aktuelle Weltgeschehen möchte die Stadt den Literatinnen und Literaten umso mehr den nötigen öffentlichen Raum geben und eine Bühne für den kulturellen Austausch und für die Vernetzung untereinander schaffen. Das Publikum ist eingeladen, an diesem kulturellen Austausch teilzuhaben und sich von Gedichten, Worten und Klang inspirieren zu lassen.“ 

Klangvoll sind bereits die Namen der Eingeladenen. Am Freitagabend, 20. Mai, geben gleich fünf Lyrikerinnen und Lyriker Einblick in bisher unveröffentlichtes Material: Marcel Beyer, ausgezeichnet mit dem renommiertesten Literaturpreis im deutschen Sprachraum, dem Georg-Büchner-Preis, Ann Cotten, Kerstin Preiwuß, Urs Allemann und Oswald Egger. Sie alle lesen „aus laufender Arbeit“.

Poesie und Musik im Zusammenspiel

Freuen darf sich das Publikum im Anschluss auf die Uraufführung des Klangkunstwerks „Mönster“ von Lyriker Norbert Lange und Komponist Martin Schüttler, eine Auftragsarbeit für das Lyrikertreffen. „Solche interdisziplinären Kollaborationen sollen künftig zu einem festen Bestandteil des Lyrikertreffens werden“, betonen Aurélie Maurin und Ulf Stolterfoht.

Ein Großteil des Samstags gehört der osteuropäischen Poesie. Zunächst stellen sich die aktuellen Poesiepreisträger - der in dem polnisch-ukrainischen Grenzgebiet Wólka Krowicka geborene Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, sein Übersetzer Michael Zgodzay sowie seine Übersetzerin Uljana Wolf - in einem Werkstattgespräch den Fragen von Dr. Maren Jäger. Auch den ersten Teil der Abendlesung bestreiten die Preisträger. Flankiert werden sie von Lyrikerin Dagmara Kraus, die ebenfalls polnische Wurzeln hat. Sie führt durch den Abend und stellt ihr eigenes Übersetzungsprojekt mit Gedichten des polnischen Lyrikers Miron Białoszewski vor. Die polnische Multi-Instrumentalistin und Sängerin Malwina Paszek bringt ihr Lieblingsinstrument mit: die Drehleiher. Der Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie wird traditionell am Sonntagvormittag, 22. Mai, verliehen.

Pathos in der Poesie

Ein großes Thema des Lyrikertreffens ist Pathos in der Lyrik – mit verschiedenen Formen der Beteiligung. Der Donnerstag, 19. Mai, dient noch als interner Austausch der eingeladenen Lyrikerinnen und Lyriker, am Samstag präsentieren Michael Ebmeyer, Dagmara Kraus und Alida Bremer die Ergebnisse der Workshops zu „Pathos übersetzen!“. Am Freitag, 20. Mai,  kann das Publikum am lyrischen Schaffen teilhaben und erlebt einen Live-Übersetzungsworkshop: „Pathosmaschinen – mind the gap!“. Olga Radetzkaja, Ann Cotten und der virtuell zugeschaltete Hannes Bajohr geben spannende Einblicke in den vielschichtigen Prozess der Übersetzung von Pathos in der Poesie und überprüfen, ob künstliche Intelligenz und Übersetzungsmaschinen Pathos generieren können. Beide Veranstaltungen werden an der Kino-Orgel begleitet von Felix Hielscher.

Jahr der Verschiebung als Chance

„Das Jahr der Verschiebung bot uns die Chance, neue analoge und digitale Formate zum Mitmachen sowohl für Teilnehmende als auch für Interessierte des Lyrikertreffens auszuprobieren“, sagt Kulturamtsleiterin Frauke Schnell. „Kleine Appetizer zum Thema Pathos haben in den vergangenen Monaten schon eine Spur zum Lyrikertreffen gelegt." So gaben beispielsweise zehn Lyrikerinnen und Lyriker Statements zu ihrem persönlichen Verhältnis zu Pathos und der Verwendung dieses Stilmittels ab. Die Videobotschaften und Audioaufnahmen können über die Webseite und die Social-Media-Auftritte des Lyrikertreffens abgerufen werden. „Zudem können sich Münsteranerinnen und Münsteraner mit einer Postkarten-Aktion beteiligen und ihre liebsten Pathos- oder Antipathos-Gedichte einsenden“, lädt Frauke Schnell ein. Auch die Verbindung zur Westfälischen Wilhelms-Universität wurde gestärkt. Bereits im Sommersemester 2021 gab es ein Begleitseminar zum Lyrikertreffen, dessen Teilnehmende ebenfalls Pathosgedichte eingesendet haben.

Am Samstagvormittag, 21. Mai, widmen sich Uljana Wolf, Marie-Luise Knott und Marcel Beyer dem Werk von Ilse Aichinger, die im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Und am Freitagnachmittag wird der ehemalige künstlerische Leiter Hermann Wallmann als Moderator den Lyriker Norbert Hummelt sowie dessen neues Buch „1922 – Wunderjahr der Worte“ vorstellen.

Schullesungen stehen ebenfalls wieder auf dem Programm und im Rahmen des Projekts „Kulturrucksack“ wird es Workshops für Zehn- bis 14-Jährige geben: Zwei Dichter werden sich mit den Schülerinnen und Schülern der Unterstufe ans kreative Schreiben wagen. 

Gefördert wird das Lyrikertreffen vom Deutschen Übersetzerfonds und der Kunststiftung NRW. „Die Kunststiftung NRW begleitet das Internationale Lyrikertreffen bereits seit vielen Jahren – und steht dem Festival auch bei seiner Neuausrichtung fördernd zur Seite“, sagt Dagmar Fretter, Leiterin des Literaturbereichs der Kunststiftung NRW.   

Info: Teilnehmende des Lyrikertreffens sind Urs Allemann, Hannes Bajohr, Alida Bremer, Ann Cotten, Michael Ebmeyer, Oswald Egger, Norbert Hummelt, Marie-Luise Knott, Norbert Lange, Malwina Paszek, Kerstin Preiwuß, Olja Radetzkaja, Martin Schüttler, Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, Uljana Wolf und Michael Zgodzay. Es moderieren Aurélie Maurin, Ulf Stolterfoht, Christian Filips, Hermann Wallmann, Dr. Maren Jäger und Dagmara Kraus. Karten gibt es im Schloßtheater Münster unter Tel. 02 51 / 68 66 39 92. Ein ausführliches Programmheft ist ab sofort in der Münster-Information erhältlich. Informationen gibt es auch auf der Webseite www.lyrikertreffen.muenster.de, auf Facebook unter @lyrikertreffen.muenster sowie auf Instagram unter @lyrikertreffen_muenster. 


Stadt Münster

Foto: Zum 22. Internationalen Lyrikertreffen vom 19. bis zum 22. Mai laden ein: (von links) Aurélie Maurin (Künstlerische Leiterin), Frauke Schnell (Kulturamtsleiterin), Cornelia Wilkens (Kulturdezernentin Stadt Münster), Ulf Stolerfoht (Künstlerischer Leiter), Dagmar Fretter, Leiterin des Literaturbereichs der Kunststiftung NRW.  / Stadt Münster / Patrick Schulte.



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