Gasversorgung macht große Sorgen

Die Alternativen zum Einsatz von Gas fehlen.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist nichts mehr, wie es mal war. Die Gewissheit, dass Russland ein sicheres Lieferland für Rohstoffe im Allgemeinen und Gas im Besonderen ist, ist passé. Dabei ist klar: Ein Stopp der Lieferungen oder ein Embargo würden zu unübersehbaren Folgen für die deutsche Wirtschaft und wohl

letzten Endes zu Versorgungsengpässen bei der Bevölkerung führen. 


Dabei sind die Strom- und Gaspreise schon seit Ende Sommer 2021 hoch und führen bei vielen Betrieben zu Verlusten oder zumindest zum Aufzehren von Gewinnen. Teilweise ist es wirtschaftlicher, Produktion einzustellen als Energie zu kaufen. Damit fehlen auch notwendige Mittel für Investitionen in betriebliche Klimaneutralität. Hinzu kommen nationale Sonderlasten wie der Brennstoffemissionshandel, der ab 2023 auch neue Brennstoffe wie die Kohle umfasst.


Das große Thema seit Ausrufung der Frühwarnstufe ist aber, ob die Versorgung mit Gas noch sicher ist. Derzeit ist das so. Auch russisches Gas fließt weiterhin nach Deutschland und die Speicher füllen sich gegen den langjährigen Trend, verbleiben aber auf niedrigem Niveau. Dennoch ist es richtig, dass sich Deutschland vorbereitet, falls das Gas tatsächlich ausbleibt. Die Bundesnetzagentur bereitet sich für den Fall der Fälle vor. Allerdings sind Lieferketten extrem schwer nachzuvollziehen und generelle Anweisungen, welche Branchen im Krisenfall abgeschaltet werden können, wird es nach Auskunft der Behörde nicht geben. Im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz wurde ein Krisenstab eingerichtet. Sollte sich die Versorgungslage zu einer echten Krise zuspitzen, dann sollten vor allem auch Industriecluster abseits von Ballungsräumen nicht aus dem Auge verloren werden, damit Lieferketten stabil bleiben. Abschaltkaskaden sollten unbedingt verhindert werden.


Kurzfristig ist in der Wirtschaft nur wenig Gas einspar- bzw. ersetzbar: Neben höherer Effizienz - was bei vielen Unternehmen bereits selbstverständlich ist - ist der Ersatz von Gas entweder durch Strom oder Wasserstoff grundsätzlich möglich. Problem: Der Zugang zu beidem fehlt häufig. Wasserstoff ist noch ein Zukunftsthema und wird uns die kommenden beiden Winter in jedem Fall nicht helfen. Wird Gas durch Strom ersetzt, brauchen die Unternehmen neue und stärkere Anschlüsse, die nicht überall realisiert werden können. Zudem ist und bleibt Strom teuer. Die Nachfrage nach Grünstrom nimmt in der Wirtschaft massiv zu. Aber Herkunftsnachweise fehlen. Und Genehmigungszeiten für neue Anlagen sind zu lang. 


Eine zentrale Lehre aus der Krise ist: Wir brauchen mehr und nicht weniger europäische Zusammenarbeit. Sowohl beim Gas als auch beim Strom ist ein vollendeter Binnenmarkt mit stark ausgebauten grenzüberschreitenden Infrastrukturen die beste Vorsorge gegen Versorgungsprobleme und hohe Preise. Beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft sollten wir das von Anfang an berücksichtigen. (Sebastian Bolay) 



Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK)



Webauftritt von stadt40

Teile jetzt diesen Artikel