Übernahme ukrainischer Kriegsverletzter

Das Zentralregister unterstützt bei Bedarf die Verteilung auf Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen.

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales teilt mit:

Bei dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine werden täglich Menschen verletzt, die einer dringenden Behandlung in einem Krankenhaus bedürfen. Zumeist ist die landeseigene Infrastruktur so weit zerstört, dass viele Verletzte nicht vor Ort versorgt werden können. Die schnelle und bestmögliche Behandlung dieser Kriegsverletzten ist dem Land Nordrhein-Westfalen ein besonderes Anliegen. Mit Hilfe eines web-basierten Zentralregisters, das schon bei der Verteilung der Covid-19-Patienten aus den europäischen Nachbarländern genutzt und das am Universitätsklinikum Münster (UKM) implementiert wurde, wird bei Bedarf ab sofort auch die Verteilung von Kriegsverletzten im Zuge der freiwilligen Übernahme auf Kliniken in Nordrhein-Westfalen unterstützt.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärt: „Die Lage in der Ukraine ist furchtbar. Ich sehe es als unsere moralische Verantwortung an, den verletzten Menschen aus der Ukraine in unseren Kliniken mit einer angemessenen medizinischen Versorgung zu helfen.“

Die Koordination und Steuerung der Verlegungen von verletzten oder anderweitig schwerkranken Menschen aus der Ukraine aufgrund von offiziellen Hilfeersuchen erfolgt bundesweit über das sogenannte „Kleeblattsystem“. Dieses System regelt die Zusammenarbeit der Länder bei der Verteilung von Patienten und wurde für die Koordinierung von überregionalen Verlegungen im Rahmen der Corona-Pandemie aufgebaut. Das Land Nordrhein-Westfalen bildet in diesem Verteilsystem das sogenannte „Kleeblatt West“. Die Steuerung der Patientenverlegungen erfolgt für Nordrhein-Westfalen durch die in Köln ansässige zentrale Koordinationsstelle. Dieser “Single Point of Contact” kann bei der Bewältigung dieser Aufgabe nun auf die Meldungen der Kliniken in dem neuen Register des UKM zurückgreifen.

„Die schlimmen Ereignisse in der Ukraine erschrecken uns alle und wir empfinden es als Selbstverständlichkeit, Schwerkranke zu behandeln, die momentan keinen Zugang zu adäquater Versorgung haben. Unabhängig von diesen schrecklichen Ereignissen wird es immer wieder Situationen geben, wo wir grenzübergreifend zusammenarbeiten müssen. Gesundheitsversorgung über Grenzen hinweg zu denken, ist zudem im Sinne der von der Europäischen Kommission formulierten Idee einer European Health Union. Die Digitalisierung unterstützt diese Entwicklung und lässt uns enger zusammenrücken. Das zeigt nicht zuletzt das vom UKM aus entwickelte Zentralregister,“ betont der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM, Prof. Alex W. Friedrich.

Das Konzept zu diesem web-basierten Zentralregister stammt im Wesentlichen von der Netzwerkeinheit „UKM International“. Dr. Vincent Hofbauer, Leiter von UKM International, erläutert: „Die angefragten Kliniken in ganz NRW zeigen ein reges Interesse an der Aufnahme von ukrainischen Kriegsverletzten. Stand heute haben sich bereits 219 (Stand: 04.04.2022) Kliniken registriert. Die Bettenangebote (41 Intensiv-/166 Normalkapazitäten, Stand: 04.04.2022) über das Portal können von den Kliniken täglich aktualisiert werden. Das Zentralregister bietet tagesaktuelle und dynamische Anpassungen an die zur Verfügung stehenden Kapazitäten und ist von den anbietenden Kliniken intuitiv zu bedienen.“

Aktuell sind noch keine Verlegungen kriegsverletzter Menschen aus der Ukraine nach Nordrhein-Westfalen erbeten worden. Nordrhein-Westfalen ist mit der neuen Datenbank nun aber bestmöglich auf die Übernahme von Kriegsverletzten vorbereitet. 


Universitätsklinikum Münster (UKM) 

Bild: Zentralklinikum Haupteinfahrt / UKM



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