Klimastreik 2022

Unternehmer*innen sind offener für die Nachhaltigkeit als ihre Lobbyisten.

Bochum - (ots) - Ein Energieembargo gegen Russland könnte bald Realität werden. Das würde die Wirtschaft hart treffen. Aber es ist nötig, meint Luisa Neubauer. "Wir finanzieren seit einem Monat Putins Krieg gegen die Ukraine", sagte die Klimaaktivistin von Fridays for Future am Vorabend des globalen Klimastreiks. Sie war zugeschaltet bei einer Podiumsdiskussion der sozial-ökologischen GLS Bank.

Mit dabei waren Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin der Outdoormarke Vaude, Roland Schüren, Leiter der Bäckerei Schüren, und Kristian Evers, Geschäftsführer der Papier- und Kartonfabrik Varel. Sie eint, dass sie bereits vor mehr als zehn Jahren angefangen haben, ihre Geschäfte klimaneutral zu gestalten. Bei dem Gespräch tauschten sie sich darüber aus, welche Rolle Unternehmen aktuell haben. Und sie zeigen: Wirtschaft geht auch zukunftsgerichtet.

Roland Schüren, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei aus Hilden, sagte: "Uns trifft die Energiepreissteigerung nicht so hart." Es sei schade, dass diese durch die Krise besonders sichtbar würde. Nun zahle sich aber die Umstellung hin zu einem fast klimaneutralen Unternehmen besonders aus. Die Öfen der Bäckerei werden mit Biomasse beheizt, die Auslieferungen erfolgen über Elektroautos und auch die Filialen beziehen ihren Strom aus Photovoltaik. Seine Kund*innen seien der Bäckerei treu.

Dr. Antje von Dewitz verweist darauf, dass es trotzdem noch immer günstiger ist, Rohstoffe zu verschwenden als zu recyceln. "Wenn ich etwa eine Fahrradtasche aus neuen Rohstoffen herstelle, kostet es mich wesentlich weniger als aus recycelten Materialien." Das müsse sich ändern. Die Lösung sieht sie in der Anstrengung aller Unternehmen. "Meistens sind die Unternehmer sogar offen für nachhaltige Lösungen. Das Problem sind die Lobbyisten." Sie stünden politischen Veränderungen oft im Weg.

Luisa Neubauer kritisiert, dass sich viele Konzerne aus der Verantwortung "einfach rausrechnen". Schließlich gehe es gerade nicht primär um die Wirtschaft, sondern um das Überleben. Weiter sagte sie: "Es gibt kein Recht auf Energieverschwendung." Nachhaltigkeit muss Teil der wirtschaftlichen Strategie sein. Jetzt müssten Veränderungen angestoßen werden, um auch Arbeitsplätze zu sichern. Sonst drohten einzelne Landstriche zu veröden.

Kristian Evers von der Papier- und Kartonfabrik Varel trifft die aktuelle Lage sehr. "Es gehört zur Wahrheit dazu, dass wir von Gas abhängig sind." Sollte ein Embargo kommen, wird er lernen, damit umzugehen. "Da bin ich Demokrat genug", sagte er. Gerade beobachtet er aber auch, dass die Lage vieles verändert: "Projekte werden interessant, die vorher betriebswirtschaftlich ausgeschlossen waren." Bedeutet: War nachhaltiges Wirtschaften lange Zeit nur mit Investitionen verbunden, rechnet es sich heute. Kommen demnächst Regulierungen hinzu, die die CO2-Emissionen einbeziehen, haben grüne Unternehmen ökonomische Vorteile.

"Jetzt stellt sich die Zeitfrage", sagte Neubauer. "Wir müssen die Transformation einleiten. Wir wissen, dass es geht." 


GLS Bank



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