Tesla-Start weckt Hoffnungen

Der Tesla-Start weckt Hoffnungen auf einen weiteren Industrieaufschwung in Ostdeutschland.

Vor dem offiziellen Start der Tesla-Gigafactory in Grünheide bei Berlin haben Politiker von SPD, Grünen und FDP die Bedeutung derartiger Industrieprojekte für Ostdeutschland betont. Nur über solche Investitionen und die sich daraus entwickelnden Struktureffekte könne es "zu einer Angleichung von Ost und West kommen", sagte der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Matthias Machnig, dem "Handelsblatt" vom Dienstag. 

Der Grünen-Wirtschaftspolitiker Dieter Janecek sieht den Osten vor allem wegen des dortigen Angebots an Ökostrom im Vorteil: "Es wird immer deutlicher, dass der Osten und der Norden Deutschlands durch die hohe Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien einen zunehmend wichtigeren Standortvorteil haben", sagte er der Zeitung. "Gerade für Bayern mit seiner Windkraftblockade wird das ein Problem", fügte er hinzu. Der US-Konzern Intel zum Beispiel habe sich gegen einen möglichen Standort in Oberbayern entschieden und wolle stattdessen ein großes Chip-Werk bei Magdeburg hochziehen.

Auch das Bundesverkehrsministerium blickt positiv auf die Tesla-Ansiedlung. "Die Geschwindigkeit, mit der die Tesla-Fabrik genehmigt und gebaut wurde, zeigt, was geht, wenn der Wille da ist", sagte FDP-Staatssekretärin Daniela Kluckert dem "Handelsblatt". Dass diese "Erfolgsgeschichte" aus Ostdeutschland komme, sei umso schöner.

Kluckert bekräftigte zugleich die Pläne der Ampel-Koalition, die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren zu halbieren. "Tesla und Brandenburg zeigen uns nun, dass das auch geht", sagte sie. 

Der US-Elektroautobauer Tesla will am Dienstag die ersten Autos aus dem neuen brandenburgischen Werk in Grünheide ausliefern. Tesla hatte Anfang März die endgültige Genehmigung für das Werk erhalten - erste Autos wurden dort aber zuvor bereits hergestellt.

IG Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze bezeichnete den Tesla-Start am Dienstag als "ausgezeichnete Nachricht für alle mit Interesse an einer starken Industrie in Deutschland". In Grünheide arbeiteten die Beschäftigten "als Pioniere der Elektromobilität in einem weltweit führenden Werk an der Antriebstechnik des 21. Jahrhunderts", erklärte sie. "Diese Innovationskraft und die hohe Produktivität sind eine wichtige Voraussetzung für gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne in Deutschland."

Mit der Eröffnung der Tesla-Fabrik stärke Ostdeutschland seine internationale Vorreiterrolle bei der Elektromobilität, fügte die Gewerkschafterin hinzu. "Das VW-Werk in Zwickau sowie BMW und Porsche in Leipzig, Mercedes und Daimler in Berlin-Marienfelde und Ludwigsfelde, Accumotive in Kamenz und viele andere stehen für das erhebliche Potential der Region im weltweiten Wettbewerb um die Führungsposition beim Ausbau der klimaneutralen Mobilität", erklärte sie.

Auch Wirtschaftswissenschaftler messen den Standort-Entscheidungen von Tesla für Grünheide sowie des Chipherstellers Intel für Magdeburg in Sachsen-Anhalt große Bedeutung bei. "Wir erleben derzeit in den neuen Bundesländern, dass die Ausreifung von Ballungsräumen zu Wachstumskernen auch die ländlichen Regionen erfasst", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, dem "Handelsblatt". So sei "ohne entsprechende bundesweite Wahrnehmung eine Reindustrialisierung in den neuen Bundesländern abseits von Sachsen zu beobachten". 

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, wertete die jüngsten Ansiedlungen zwar noch nicht als eine "Trendumkehr". Es bestünden aber gute Chancen, wenn Ostdeutschland eigene Stärken entwickele und nicht versuche, andere Regionen in Deutschland oder Europa zu kopieren. "Erneuerbare Energien und nachhaltige Technologien könnten eine solche Stärke und ein vielversprechendes Erfolgsmodell für den Osten werden", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt".

Allerdings müssten ostdeutsche Regionen "dringend Reformen voranbringen", fügte der DIW-Chef hinzu. "Sie müssen Bürokratie abbauen, öffentliche Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Bildung erhöhen und eine Willkommenskultur mit hoher Toleranz für Vielfalt und Offenheit entwickeln", sagte Fratzscher.

jm/cne



Webauftritt von stadt40

Teile jetzt diesen Artikel