Anfeindungen gegen Russen nehmen zu

Die Anfeindungen gegen Russen in Deutschland nehmen seit dem Kriegsbeginn zu.

Menschen aus Russland oder mit russischen Wurzeln sehen sich in Deutschland seit dem Angriff auf die Ukraine häufig Anfeindungen ausgesetzt. Dies beklagte am Wochenende die Antirassismusbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan (SPD). Das Bundeskriminalamt dokumentierte hunderte einschlägiger Straftaten, wie der "Spiegel" am Sonntag berichtete. Die Bandbreite der Taten reiche von Sachbeschädigungen über Beleidigungen bis hin zu Bedrohung im Internet und auf der Straße.

Insgesamt hätten BKA-Ermittler 318 strafrechtlich relevante Ereignisse im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt registriert, berichtete der "Spiegel". Allein bei der Berliner Polizei seien seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar bislang 86 einschlägige Sachverhalte bekannt geworden.

Die Integrationsbeauftragte Alabali-Radovan sagte den Funke-Zeitungen: "Teilweise trauen sich Menschen nicht mehr, Russisch auf der Straße zu sprechen. Das besorgt mich sehr." Es gebe auch "Angriffe auf russische Lebensmittelmärkte, Kinder werden in der Schule beleidigt - das dürfen wir nicht dulden".

Der Ukraine-Krieg sei der Krieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin und nicht der Krieg der Russinnen und Russen, betonte Alabali-Radovan. 

Wie der "Spiegel" weiter berichtete, sind viele deutsch-russische Vereine und Organisationen durch den Krieg in der Ukraine in eine existenzielle Krise geraten. "Wir stehen vor den Trümmern unserer Arbeit", sagt Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums in Berlin. 

Das Forum hatte in der Vergangenheit oft die Politik des Kremls verteidigt. Nun aber habe Putin eine rote Linie überschritten, sagte Hoffmann. "Wir sind sehr erschüttert, dass nun alles in Frage gestellt ist, woran wir geglaubt haben", sagt der geschäftsführende Vorstand.

Der Krieg erfordere eine Kursänderung der ehrenamtlichen Arbeit für die deutsch-russischen Beziehungen, sagte Karin von Bismarck, Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsclubs Russland, dem "Spiegel". Der Fokus müsse jetzt allein auf zivilgesellschaftlicher Hilfe liegen, sagte Bismarck. "Uns ist es wichtig, dass sich jetzt kein absolutes Feindbild gegenüber Russen entwickelt."

pw/hex



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