Die jüngste Teilnehmerin beim Synodalen Weg ist 16

„Ich möchte mich nicht mehr für meine Kirche schämen – heute nicht und vor allem auch in Zukunft nicht.“ Johanna Müller hat eine klare Meinung

Marienfeld (pbm/acl). „Ich möchte mich nicht mehr für meine Kirche schämen – heute nicht und vor allem auch in Zukunft nicht.“ Johanna Müller hat eine klare Meinung. Und eine klare Vorstellung davon, was sich in der katholischen Kirche ändern muss. Dafür macht sich die 16-Jährige aus Marienfeld bei Harsewinkel stark – als jüngste Teilnehmerin beim sogenannten „Synodalen Weg“. Dabei treffen sich die katholischen Bischöfe und die Kirchenbasis, um über Reformen in der Kirche zu beraten. Vom 30. Januar bis 1. Februar kamen erstmals alle 230 Delegierten in Frankfurt am Main zusammen.

Pünktlich um 7 Uhr morgens stieg Johanna Müller, die für die beiden Tage von der Schule befreit wurde, in den Zug gen Frankfurt: „Ich wusste, dass es spannend, aber auch anstrengend wird. Und irgendwie war da auch so ein Unbehagen, weil ich nicht genau wusste, was auf mich zukommt, welche Leute ich treffen und ob ich mit allen Themen klar kommen werde“, erinnert sie sich. In Frankfurt angekommen entspannte sich die Lage schnell, als die 16-Jährige auf die anderen Teilnehmer stieß, die wie sie vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) für den zweijährigen Prozess ausgewählt worden waren. Zehn junge Frauen, fünf junge Männer, darunter Schüler, Studierende, Engagierte aus der Verbandsarbeit, Homo- und Heterosexuelle.

Mehr als 200 junge Menschen unter 30 Jahren hatten sich auf die 15 Plätze des BDKJ beworben. „Meine Argumente haben anscheinend überzeugt“, sagt Johanna Müller lachend. In ihrem Motivationsschreiben fand sie klare Worte: „Ich möchte eine Kirche, die für Jung und Alt attraktiv ist, in der man sich aufgenommen und angenommen fühlt. Die Kirche muss authentischer, glaubwürdiger werden, so dass man wirklich seinen Glauben leben kann“, hatte sie geschrieben. Und auch über die Zukunft der Kirche hatte sich die Gymnasiastin vorab Gedanken gemacht: „Es wird weniger Katholiken geben, damit habe ich mich abgefunden. Aber dann muss man andere Formen finden, denn Pfarreien, so wie es sie jetzt gibt, können langfristig nicht mehr aufrecht erhalten werden.“

Im Rückblick auf die erste Synodalversammlung in Frankfurt lobt Johanna Müller, die auf dem Instagram-Kanal des Bistums Münster während der Tage von ihren Erfahrungen berichtete, vor allem das Miteinander. „Durch die alphabethische Sitzordnung haben sich die verschiedenen Gruppen gut gemischt“, berichtet sie. Die 16-Jährige saß neben zwei Priestern, „das waren spannende Gespräche in den Pausen“. Auch durch die gemeinsame Unterbringung in einem Hotel habe es gute und auch lustige Situationen gegeben. „Zum Beispiel beim Frühstück, wenn man manch einen Bischof dabei beobachtet, wie er versucht, die Kaffeemaschine zu bedienen und gleichzeitig einen Teller zu transportieren“, sagt die Schülerin augenzwinkernd.

Beeindruckt hat die Marienfelderin die Offenheit bei den Wortbeiträgen: „Es war toll zu sehen, mit welchem Mut sich einige Teilnehmer zu den vier Themen Gewaltenteilung, Sexualmoral, Priester und Frauen geäußert haben.“ Herausgestochen hätte dabei das Statement einer jungen Frau, die offen betont habe, dass sie sich als Nicht-Mann und nicht heterosexuell in der Runde unwohl fühle. Bewegend sei auch der Beitrag eines jungen Mannes gewesen, der sich als transsexuell geoutet und von eigenen Missbrauchserfahrungen berichtet habe. „Es war totenstill im Saal und anschließend gab es Standing Ovations – nicht von allen, aber von der Mehrheit“, sagt Johanna Müller.

Sie selbst wird künftig im Forum „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ mitarbeiten – ein Thema, das der 16-Jährigen am Herzen liegt. „Wir haben diese hierarchische Struktur in der Kirche, die meiner Meinung überhaupt nicht zum christlichen Ansatz passt. Und da muss sich was ändern.“

 

Synodaler Weg

Der Synodale Weg ist ein gemeinsamer Prozess der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Laienvertretung in Deutschland. Das Ziel des Synodalen Wegs ist es, Reformen in der Kirche anzustoßen. In den kommenden zwei Jahren diskutieren beim Synodalen Weg Bischöfe, Laien und Interessensgruppen – insgesamt 230 Mitglieder – über die Zukunft der Kirche, um Beschlüsse zu fassen. Die zweite Hauptversammlung findet vom 3. bis 5. September statt.

 

Bilderunterschriften:

Johanna Müller (16) aus Marienfeld bei Harsewinkel ist die jüngste Teilnehmerin beim „Synodalen Weg“. (Foto: privat)