Liebe unter Lebensgefahr

Im Zweiten Weltkrieg galten private Kontakte zwischen Deutschen und ausländischen Gefangenen als Straftat. Der Themenabend und die Ausstellung „Verbotener Umgang“ ist im Stadtarchiv zu sehen.

Münster - (SMS) - Die 17-jährige Wilhelmine N. aus Ochtrup wurde 1941 als "politische" Gefangene in einem Konzentrationslager inhaftiert. Haftgrund? Sie hatte sich in den polnischen Kriegsgefangenen Stefan S. verliebt. Der aus der Beziehung hervorgegangene Sohn blieb bei ihren Eltern. Nach der Rückkehr aus dem Konzentrationslager stellte Wilhelmine N. Anträge auf Wiedergutmachung, die jedoch abgelehnt wurden. Stefan S. starb im Februar 1945 in einem KZ-Nebenlager. Ihre Schicksale waren lange Zeit vergessen. Diesen und weitere Fälle des "Verbotenen Umgangs" aus Münster und dem Münsterland haben Studierende an der Universität Münster recherchiert. Ihre Ergebnisse präsentieren sie am Donnerstag, 24. Februar 2022, ab 18 Uhr in einem Online-Vortrag und einer Ausstellung im Stadtarchiv.

Während des Zweiten Weltkriegs galten private Kontakte zwischen Deutschen und ausländischen Kriegsgefangenen oder zur Zwangsarbeit nach Münster verschleppten Frauen und Männern als Straftat. Das Massendelikt "Verbotener Umgang" wurde rigoros bestraft, osteuropäische Männer wurden für Beziehungen mit Deutschen oft hingerichtet. Ausgrenzung und Kriminalisierung der Betroffenen wirkten weit über das Kriegsende hinaus.

In einem Forschungsseminar haben Studierende der Universität Münster unter Anleitung von Dr. Christoph Lorke und Nicola Willenberg konkrete Fälle des "Verbotenen Umgangs" aus dem Münsterland recherchiert. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Universität, dem Geschichtsort Villa ten Hompel und dem Stadtarchiv dokumentiert die Gruppe ihre Ergebnisse in einer Plakatausstellung.

Beim Themenabend stellen Dr. Christoph Lorke und Studentin Flavia Ribbert die Forschungsergebnisse vor und eröffnen damit die Ausstellung, die das Stadtarchiv bis zum 24. März 2022 im Außenbereich des Archivgebäudes, An den Speichern 8, präsentiert. Der Themenabend wird am 24. Februar ab 18 Uhr live im Internet übertragen, eine persönliche Teilnahme ist nicht möglich. Der Zugang zur digitalen Veranstaltung und zum Streamingportal wird an diesem Tag ab 13 Uhr unter www.stadt-muenster.de/archiv freigeschaltet.


Stadt Münster

Titelbild: Porträt von Franciszek Banas, der wegen „verbotenen Umgangs“ im August 1942 in den Bockolter Bergen bei Greven hingerichtet wurde./Sammlung Christoph Leclaire.



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