"Lehrstunde" gegen Spanien

Es gab den ersten Dämpfer für die deutschen Handballer gegen den Titelverteidiger Spanien.

Noch bevor die Schlusssirene ertönte, schnappte sich DHB-Kapitän Johannes Golla jeden seiner Mitspieler und spendete Trost. Auch Alfred Gislason peppelte die deutschen Handballer nach dem ersten EM-Dämpfer sofort auf. "Es ist immer noch alles möglich", sagte der Bundestrainer nach dem 23:29 (12:14) gegen Titelverteidiger Spanien.

Statt nach dem Corona-Hoffnungsschimmer auch ein sportliches Ausrufezeichen zu setzen, musste das virusgeplagte DHB-Team den ersten sportlichen Rückschlag verkraften. Doch viel Zeit zum Trauern bleibt nicht: Bereits am Freitag (20.30 Uhr/ZDF) wartet mit dem Duell gegen Norwegen um den Kieler Starspieler Sander Sagosen die nächste schwere Aufgabe auf die deutsche Mannschaft.

Wenn der Medaillentraum weiterleben soll, muss dann die Fehlerquote vor allem im Angriff deutlich geringer werden. "Wir wissen genau, dass Norwegen mit einer guten Leistung machbar ist", sagte Torhüter Johannes Bitter, "heute war es eben nicht drin." Der 2007er-Weltmeister weiß: Die Chance auf das Halbfinale ist mit 2:2 Punkten weiter da.

Gegen Spanien, den abgezockten EM-Champion der Jahre 2018 und 2020, war das DHB-Team in Bratislava trotz eines zu Beginn beherzten Auftritts letztlich klar unterlegen. Eine Schwächephase mit insgesamt 15 Minuten (!) ohne eigenes Tor war der Knackpunkt in einem zunächst vielversprechenden Spiel. Ein 0:7-Lauf war vorentscheidend, beim Stand von 12:19 (39.) war die Partie praktisch gelaufen.

"Wir haben heute eine Lehrstunde bekommen, vor allem in der zweiten Hälfte. Die Spanier haben uns extrem bestraft", sagte Youngster Julian Köster. Gislason räumte ein: "Bei einigen steckt es schon in den Knochen, dass sie gestern nur auf den Zimmern bleiben konnten."

Golla und Linksaußen Patrick Zieker waren beim Start in die nächste Turnierphase mit je vier Treffern die besten Werfer für die deutsche Mannschaft. Die weiteren Hauptrunden-Gegner sind Vizeweltmeister Schweden am Sonntag (18.00 Uhr/ARD) sowie Russland am Dienstag (18.00 Uhr/ZDF). Die besten beiden Mannschaften der Sechsergruppe ziehen ins Halbfinale in Budapest ein.

Erfreuliche Nachrichten hatte der Deutsche Handballbund (DHB) wenige Stunden vor dem Anwurf mitgeteilt: Die am Mittwochabend abgenommenen PCR-Tests fielen durchweg negativ aus, erstmals seit Sonntag gab es in der deutschen Mannschaft somit keinen neuen Coronafall.

Kurz vor dem Anpfiff wurde es sogar noch besser: Christoph Steinert konnte zur Partie gegen Spanien auflaufen - und das, obwohl er am Mittwoch als zwölfter Spieler des DHB-Teams einen positiven Befund erhalten hatte. Sein PCR-Test hatte laut DHB einen "schwach positiven Befund", nach ausschließlich negativen weiteren Tests war er überraschend kurzfristig doch spielberechtigt. "Kurz vor dem Spiel hatte ich alle Gefühle dieser Welt gleichzeitig", berichtete er nach Spielende in der ARD.

Doch selbst Steinerts Einwechslung zur zweiten Halbzeit half nichts. Die deutschen Angreifer fanden kaum ein Mittel gegen die bewegliche 6:0-Deckung des Top-Teams. Die anfangs gute Defensive ließ zu früh nach und offenbarte wie in den ersten Spielen gegen Belarus (33:29) und Österreich (34:20) Schwächen in der Verteidigung der Kreisläufer.

Die Spanier erkämpften sich mit Gegenstoßtoren eine Zwei-Tore-Führung - und bauten diese unmittelbar nach Wiederanpfiff weiter aus. "Wir lassen uns erschießen", klagte Gislason. Während der Isländer vor der Pause noch euphorisch Beifall klatschte, pustete er nach dem Seitenwechsel kräftig durch, als der Rückstand weiter anwuchs.



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